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Mittwoch, 4. Februar 2015

Chili con Carne: Was Mexikaner mit Garn so alles machen

Heidewitzka, schon wieder ein abgeluchstes Rezept! Zum unmexikanischsten aller mexikanischen Eintöpfe (weil Chili con Carne ja angeblich gar nicht aus Mexiko stammt) hatte ich bisher eine etwas seltsame Assoziation. Das liegt daran, dass Teile meiner Familie die Aussprache einen winzig kleinen Hauch verbadisiert haben: „Chili con Gaaan“.
Als Kind war das „Garn“ im Chili für mich also ein unverständliches Mysterium, das mich zu wilden Spekulationen über die Etymologie des Begriffs und den Verstand der Mexikaner verführte. Ich dachte mir komische Geschichten aus, in denen Mexikaner Töpfe voller Chili mit drahtseildickem Garn am Sattel ihrer störrischen Esel festbanden, und hatte einfach keine Ahnung, wie man einem so guten Gericht einen so bescheuerten Namen geben konnte. Heute weiß ich natürlich nicht nur, wie es richtig heißt, sondern auch, dass mein bisheriges Chili con Carne-Rezept doch nicht so spektakulär war, wie ich bisher gedacht habe. Denn seit ich das Chili von meinem Freund gegessen habe, bin ich um ein Gericht, bei dem meine Augen vor Verzückung zu Platztellern (jajaa, in Herzchenform) werden, reicher. Und in Bezug auf das Ausplaudern der bis dato von ihm penibel geheimgehaltenen Rezeptur, wirkt eine Tüte Haribo-Schlümpfe manchmal Wunder ... ;-)
Ach und übrigens: So doof ist die Idee mit Garn im Chili con Carne gar nicht, es könnte euch sogar einen echt miesen „Fehlbiss“ ersparen, wie zum Beispiel hier bei der Pizza Hawaii.



Hier kommt das Rezept für Chili con Carne aka Garn aka Carlo (siehe unten): 

Zutaten für 4 Personen (ähm ... zwei ;-)):
 
500 g Rindfleisch
3 rote Zwiebeln, gehackt
2 EL brauner Zucker
1 EL Chilipulver (je nach dem wie scharf es ist, variiert hier ein bisschen)
15 g grob gehackte sehr dunkle Schokolade (mind. 80%, ansonsten ersatzweise 1 EL ungesüßtes Kakaopulver)
1 TL Oregano
1,5 gestr. EL Kreuzkümmel
1 TL Koriander, gemahlen
1 TL Niora (das ist sehr erdig riechende getrocknete Paprika, ist jedoch optional und nicht total schlimm, wenn es fehlt)
1 TL Salz
30 ml Öl
500 g Hackfleisch vom Rind
2 Dosen á 400 ml (Abtropfgewicht etwa 240g) gehackte Tomaten
3 Knoblauchzehen, fein gehackt
etwa 100g Tomatenmark, das ist ca. 1/2 Tube
250 ml Schwarzbier
200 ml starker Kaffee (das hochheilige Procedere für die perfekte Stärke zumindest mit unserer Kaffeemaschine ist: 2 Espressi mit normalem Kaffee auf 200 ml auffüllen)
200 ml Rinderbrühe
1 getrocknete Chilischote
3 Dosen schwarze oder braune kleine Bohnen, abgewaschen und abgetropft 




Zubereitung Chili con Carne:
Rindfleisch mit einem großen scharfen Messer in feine Würfelchen schneiden. Das dauert. ;-)
In einer Schüssel die Rindfleischwürfelchen mit den gehackten Zwiebeln gut vermengen. Ihr müsst es richtig fest durchkneten, am besten mit den Händen, damit der Zwiebelsaft austritt und sich mit dem Rindfleisch vermischt. Lasst es euren Kerl machen und schaut ihm dabei auf die Oberarme ... uh yeahhh! 

Jetzt bereitet ihr die Gewürzmischung vor: Braunen Zucker, Chilipulver, Schokolade, Oregano, Kreuzkümmel, Koriander, Niora und Salz in einer kleinen Schüssel vermischen.
Öl in einem großen Topf erhitzen, Hackfleisch anbraten, nach etwa 2 Minuten Rindfleisch mit Zwiebeln dazu geben und etwas anbräunen. 1 Dose gehackte Tomaten, Knoblauch, Tomatenmark und die Hälfte der Gewürzmischung dazugeben und verrühren.

Wenn es ein bisschen eingekocht ist, Bier, Kaffe, Brühe, Chilischote, die verbleibende Dose gehackte Tomaten und den Rest der Gewürzmischung dazugeben. Gut unterrühren, aufkochen lassen und dann bei schwacher Hitze etwa 1 1/2 Stunden leise köcheln lassen. Wir machen das mit Deckel, lassen ihn aber einen kleinen Spalt offen. Ab und zu umrühren. Nach etwa 45 Min. mal probieren und abschmecken, ggf. jetzt schon etwas nachsalzen. Wenn das Chili con Carne etwas zu sehr einkochen sollte, einfach etwas Brühe oder Bier nachgießen, wenn es zu flüssig ist, entfernt den Deckel und lasst es etwas stärker einkochen. Zum Schluss die schwarzen Bohnen zugeben und unterrühren, etwa eine halbe Stunde weiterköcheln lassen. That´s it!



Übrigens: Mein Rechtschreibprogramm macht aus Chili con Carne immer Chili con Carle - aus dem gedanklich innerhalb von Sekunden Chili con Carlo wurde. Ob Chili con Carne nicht vielleicht doch ursprünglich aus Italien ... ? ;-)

Montag, 13. Januar 2014

Kiymali Pide: Türkische Pizza und ein gechillter Start ins neue Jahr

Plöpp - und da isses, das neue Jahr. Dass hier bisher die Post abgegangen ist, kann man allerdings nicht gerade behaupten, aber weil ja immer öfter immer mehr wie im Flug vergeht, sind meine Vorsätze für 2014 lediglich a) eile mit Weile und b) weile exzessiv. Das erste Rezept für dieses Jahr ist deswegen auch ganz einfach und schnell gemacht und btw so was von lecker und völlereifördernd, dass alle, die „abnehmen“ ganz weit vorne auf ihrer Vorsatzliste stehen haben, bitte mal eine Ausnahme machen und sich den Gelüsten hingeben. Und – wie das bei so bekannten Gerichten der Fall ist – es gibt ganz bestimmt seeehr viele Rezepte für die einzig wahren Kiymali Pide (also Pide mit Hackfleisch), aber nach einem vollkommen missglückten Versuch, bei dem der Teig derart durchnässt war, dass das ganze Pide-Schiffchen beim Anheben seine Hackfleisch-Fracht verlor, ist dies das Rezept, an das ich mich in Zukunft halten werde.

Pide mit Hackfleisch



Hier kommt das Rezept für vier kleine Pide (die man zu zweit übrigens locker einatmen kann ;-)) 

Für den Pide-Teig: 
 
 ½ TL Trockenhefe 
eine Prise Zucker 
80 ml warmes Wasser 
115 g Mehl 
½ TL Salz 
1 TL Olivenöl 
Mehl und Olivenöl zum Bearbeiten 

Für die Pide-Füllung: 
1 EL Olivenöl 
2 kleine Zwiebeln, fein gehackt 
300 g Hackfleisch (ich habe Rind genommen, wer mag nimmt Lamm) 
1 Knoblauchzehe, fein gehackt 
½ TL Zimt 
1 TL Kreuzkümmel 
½ TL Pul Biber (Türkisches Chiligewürz, ersatzweise gem. Chili bzw. Cayenne-Pfeffer) 
1 EL Tomatenmark 
1 kleine Dose gehackte Tomaten, gut abgetropft 
30 g Pinienkerne 
Ein paar Blätter Koriander, fein gehackt (oder Petersilie) 
Olivenöl zum Bestreichen

Pide mit Hackfleisch Rezept



Hefe und eine Prise Zucker zusammen mit 30 ml (Achtung, nicht gleich mit den ganzen 80 ml! ;-)) vermischen und etwa eine viertel Stunde ruhen lassen, bis die Hefe schaumig wird. Mehl und ½ TL Salz in eine Schüssel geben, Hefemischung, Olivenöl und die restlichen 50 ml Wasser mit einer Gabel unterrühren. Teig aus der Schüssel nehmen und auf einer bemehlten Arbeitsfläche einige Minuten gut durchkneten, bis ein glatter, weicher und elastischer Teig entsteht. Eine Schüssel mit Öl auspinseln und den Teig darin mit einem Tuch abgedeckt an einem warmen Ort gehen lassen, bis er sein Volumen deutlich vergrößert, etwa eine Stunde. 

Öl in einer Pfanne erhitzen und Zwiebeln darin weich dünsten. Hackfleisch dazu geben und krümelig anbraten, bis es bräunt. Knoblauch, Zimt, Kreuzkümmel, Pul Biber Tomatenmark und abgetropfte Tomatenstücke dazu geben und köcheln, bis die Mischung eindickt und nicht mehr zu feucht ist. Pinienkerne und Koriander dazugeben und kräftig mit Salz und Pfeffer würzen. Backofen auf 200 Grad erhitzen. Teig einmal „boxen“, damit die Luft entweicht, und in vier Teile teilen. Diese auf bemehlter Arbeitsfläche oval ausrollen und nebeneinander auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen. Die Hackfleischmischung auf den Pide verteilen, dabei einen Rand lassen und diesen mit Öl bestreichen. Dann die Ränder an den langen Seiten hochziehen und an den Spitzen zusammendrücken, eure Pide sehen quasi aus wie kleine Kanus (oder monströse Schlauchbote, je nach Fingerfertigkeit). Mit Öl bestreichen (wer mag streut noch mal ein paar Pinienkerne drüber) und im heißen Ofen auf der zweiten Schiene von unten etwa 15 Minuten backen.


Pide mit Hackfleisch Rezept




Wer noch mehr Lust auf türkische Leckereien hat, dem kann ich die Gözleme mit Spinat und Fetakäse oder Börek mit Hackfleisch und Sumach empfehlen. 

Ich hoffe es geht euch ganz wunderbar und ihr habt schön gefeiert, ich wünsche euch ein tolles und entspanntes bis maximal eustressiges neues Jahr 2014.

Dienstag, 1. Januar 2013

Happy 2013 und ein Wohlfühl-Eintopf mit weißen Bohnen, Linsen und Hackfleisch

Hi there, ich hoffe ihr hattet alle einen glücklichen Start ins neue Jahr und habt schön gefeiert! Habt ihr vielleicht sogar eine klitzekleine oder auch größere Matschbirne? Ist ja nicht schlimm, hat an Neujahr doch fast jeder. Ich hatte das sogar schon als Kind. Nicht etwa, weil schadenfrohe Verwandte Vodka in die Fruchtbowle gemischt haben, sondern weil einfach alles so aufregend und spannend war. Man durfte lange aufbleiben und um zwölf hat der Opa die Raketen direkt aus der Hand in den Himmel zischen lassen (don’t try this at home). Man selbst stand wie ein Michelin-Männchen verpackt daneben, wackelte vor Begeisterung mit den Ärmchen und hüpfte umso mehr auf und ab, je bunter das Feuerwerk war. Und es gab Knallerbsen – für mich damals die Ausgeburt pyrotechnischer Genialität! Sie funktionierten ganz ohne Feuer, an das man als Kind ja bekanntlich nur schwer herankommt, und es gelang mir sogar einmal, ein paar davon aufzuheben und mit in den Kindergarten zu schmuggeln. Dort galt ich an diesem Tag als Magierin, als Herrscherin über die Knallgewalt, der man mit Tonnen von Spielzeug huldigen musste, um sie gnädig zu stimmen. Das funktionierte so lange außerordentlich gut, bis die erste Knallerbse zwischen den Füßen der Kindergärtnerin landete. Mit der Zeit ist die Knallerei deutlich in den Hintergrund gerückt und ich beschränke mich aufs Kreischen, wenn Raketen und Böller durch die Gegend fliegen. Am Neujahrstag - heute - genieße ich die Ruhe, die über der Stadt liegt. Ich beginne also dieses Jahr mit einem einem Rezept für einen Eintopf zum Wohlfühlen, der dazu einlädt, es sich mit einem großen Löffel und einem tiefen Teller gemütlich zu machen.
Ich wünsche euch ein wunderbares Jahr 2013 und nicht zuletzt weiterhin viele kulinarische Höhepunkte und Unmengen von Spaß an den Kochtöpfen! Es ist schön, dass ihr hier seid. Vielen Dank für eure Besuche, die lieben Kommentare und Nachrichten, auch in den Zeiten, in denen hier nicht so viel (äh...gar nichts) los war. 



Hier kommt das Rezept für 2-3 Portionen 
2 EL Olivenöl 
2 Schalotten, fein gehackt 
2 Stangen Sellerie, fein gewürfelt 
2 kleine Karotten, fein gewürfelt 
1 Knoblauchzehe, fein gehackt 
400 g Hackfleisch vom Rind 
1 TL Kreuzkümmel, gemahlen 
1 Prise Zimt 
1 Prise Zucker 
2 Lorbeerblätter 
2 EL Tomatenmark 
ca. 800 ml Gemüsebrühe 
300 g Tomatenstücke (abgetropft aus der Dose) 
100 g Linsen 
300 g weiße Bohnen (gekocht oder abgetropft aus der Dose) 
½ Bund Petersilie, gehackt 
Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer 



Olivenöl in einem großen Topf erhitzen. Schalotten, Sellerie und Karotten darin andünsten und ein bisschen Farbe nehmen lassen. Knoblauch und Hackfleisch sowie Kreuzkümmel dazugeben und unter braten, bis das Hackfleisch leicht gebräunt und krümelig ist. Zimt, Zukcer, Lorbeerblätter und Tomatenmark zufügen, die Brühe angießen und mit Deckel ca. 45 Minuten leise köcheln lassen. Tomaten und Linsen unterrühren und weitere 20 Minuten köcheln lassen, bis die Linsen gar sind. Der Eintopf sollte dabei etwas eindicken, ggf. die Temperatur erhöhen und stärker einkochen lassen. Die weißen Bohnen unterrühren und 10 Minuten ziehen lassen, zum Schluss kräftig mit Salz und Pfeffer abschmecken und die Petersilie unterrühren. Mit Weißbrot servieren.


Donnerstag, 17. November 2011

Orient Express und Weinflaschenverwertung: Börek mit Hackfleisch und Sumach

Last night a Börek saved my life! Nicht das erste Mal, denn zu Studienzeiten habe ich öfter bei meiner Lieblingsdönerbude in Freiburg vorbeigeschaut und entweder einen vegetarischen Yufka oder Börek mit Spinat und Fetakäse bestellt. Was war das gut, entweder mitten in der Nacht auf dem Nachhauseweg von einer Party mit diesem "du-isst-hicks-besser-noch-hicks-was"-Gefühl oder hungrig am Ende eines langen Vorlesungstages, wenn der Kühlschrank gähnende Leere aufwies und die paar Kröten im Portemonnaie sich auf wundersame Art und Weise gerade noch für was Schnelles auf die Hand zusammenkratzen ließen. Ich kann mich sogar noch an meinen ersten Börek erinnern und daran, wie lecker ich ihn fand: Erst die knusprige obere Teigschicht, dann die weichen unteren Schichten, die deftige Füllung und diese glücklich machende Schmatzigkeit, die ich so liebe. Daran hat sich bis heute nichts geändert, außer, dass ich Börek jetzt eher als unkompliziertes Abendessen zuhause zubereite, auch gerne mit Fleisch, und ich nur noch selten in Dönerbuden anzutreffen bin. Vollkommen umgehauen hat mich dabei übrigens mein neues Gewürz: Sumach ist mir zwar schon seit einer Weile ein Begriff, ich habe mir aber jetzt am Wochenende erst welches gekauft. Es ist ein ganz ganz heißer Anwärter für meine persönliche Gewürz-Top Ten! Und es macht sich auch im Salat gut, den habe ich dazu gemacht, weil ich noch so viel Spinat übrig hatte. 


Hier kommt das Rezept für 2 Personen:
Für den Börek:
150 g Blattspinat
3 EL Olivenöl
1 kleine Zwiebel, fein gehackt
200 g Hackfleisch
2 gestr. TL Sumach
Salz
2 EL gehackte Petersilie
2 große runde Blätter Yufka-Teig (gibt´s fertig zu kaufen ansonsten findet man im Netz viele Anleitungen)
1 Eigelb
1-2 EL Milch

Für den schnellen Spinatsalat:
250 g Blattspinat
1/2 Bund Petersilie, grob gehackt
1 kleine rote Chilischote, entkernt und in feine Ringe geschnitten (wenn ihr eine sehr scharfe erwischt, ggf. weniger nehmen)
Saft von 1/2 Zitrone
1 EL Olivenöl
1/2 TL Sumach
Salz, Pfeffer


Spinat putzen (gleich die gesamten 400 g für Salat und Börek), waschen und abtropfen lassen (ihr könnt auch TK-Spinat nehmen, dann lasst ihn schonmal auftauen, er darf nachher nicht zu feucht sein und muss ausgedrückt werden). 1 EL Olivenöl in einer Pfanne erhitzen, die Zwiebeln darin andünsten. Hackfleisch dazugeben und krümelig braten. Spinat grob hacken und 150 g davon zum Hackfleisch geben, mitbraten, bis er zusammenfällt. Sumach unterrühren und mit Salz abschmecken. Die Pfanne beiseite stellen. 
Für den Salat den restlichen Spinat hacken und mit Petersilie sowie der Chilischote vermischen. Mit Zitronensaft und Olivenöl übergießen und mit Salz und Pfeffer würzen. Alles gut miteinander vermischen und bis zum Servieren durchziehen lassen.
Backofen auf 180 Grad vorheizen. Eine runde Kuchenform mit 1/2 EL Olivenöl auspinseln. Ihr könnt es aber auch einfach auf einem Backblech machen. Ein Yufka-Blatt hineinlegen, so dass die Ränder überlappen. Das Blatt mit 1/2 EL Öl bepinseln. Dann das zweite Blatt darauf legen und die Hackfleisch-Mischung darauf geben. Nun die Ränder von außen nach innen klappen, erst rechts und links, dann oben und unten. Die Mischung sollte jetzt ganz bedeckt sein. Die Oberfläche mit dem restlichen EL Olivenöl bepinseln und den Börek auf die mittlere Schiene in den vorgeheizten Backofen schieben und 20 Minuten backen. Eigelb mit etwas Milch verrühren. Börek kurz ein Stück aus dem Ofen ziehen und mit dem Eigelb bepinseln, dann 10-15 Minuten weiterbacken. Er soll oben schön goldgelb gebräunt, aber nicht zu dunkel sein. Nach der Backzeit die Form aus dem Ofen nehmen und ca. 5 Minuten abkühlen lassen. Börek portionieren und zusammen mit dem Spinatsalat servieren. 



Sumach wird hauptsächlich in der türkischen und arabischen Küche verwendet, er schmeckt säuerlich, dabei aber erfrischend und irgendwie auch fruchtig. Weil ich so begeistert davon bin, habe ich schon überlegt, ob ich so ein kleines Büschchen irgendwo anpflanzen könnte, aber das Klima in Deutschland ist erstens dafür ungeeignet und zweitens käme da sowieso wieder mein schwarzer Pflanzentod-Daumen in die Quere. Abgesehen davon ist Sumach mittlerweile leicht zu erhalten, in türkischen Lebensmittelläden, Asia-Shops und zur Not im Online-Versandhandel. 


Übrigens, ich habe doch so einen großen Olivenölverschleiß und benutze dann zum Braten nicht immer mein bestes und somit deutlich teuereres Öl. Weil mir das Etikett von meinem Bratöl aber nicht gefällt, habe ich schon vor Ewigkeiten die Idee einer lieben Freundin geklaut: Manchmal hat man ja besondere Weine in besonderen Flaschen, die leer immer noch fast zu schön sind um sie wegzuwerfen. So eine hübsche Weinflasche wird also gut gereinigt, die Etiketten entfernt und ein einfacher Ausgießer oben drauf gestöpselt. Den gibt es meist in Küchenwarenabteilungen von Kaufhäusern. Darin lässt sich neben meinem Bratöl natürlich auch feinstes Olivenöl aus dem Urlaub aufbewahren, das oft in zerquetschten Plastikflaschen oder großen Kanistern daher kommt, oder selbst gemachtes Gewürzöl, denn in so einer dunklen Flasche bleibt alles auch einigermaßen lichtgeschützt. 


... und wenn dann der monatliche Walk of Shame zum Glascontainer ansteht, muss man schon ein Beweisstück weniger schleppen. ;-)

Montag, 17. Oktober 2011

Back home: Lasagne mit Wirsing und Hackfleisch

Für ein paar Tage waren wir tiiief im Bayerischen Wald zu Gast und eines Morgens bot sich uns dieses Bild:


Schockschwerenot! Schnee! Der erste, den ich dieses Jahr zu Gesicht bekam. Sssssrrrrrrrt - Rollo wieder runter. So schön die weiß bedeckten Baumwipfel und Bergspitzen auch anzusehen sind, ich bin froh, dass wir weiter unten im Tal noch von der weißen Pracht verschont wurden. Ein bisschen möchte man den goldenen Herbst ja noch genießen. Das haben wir auch in vollen Zügen, wir waren viel an der frischen Luft und haben bei einer Wanderung rund um den Osser, auf steilen, steinigen Waldwegen bergauf, vorbei an einem Gespensterschloss und einem Wallfahrtskapellchen, einmal mehr der Erfindung des GPS gehuldigt, ohne dessen Hilfe wir uns wahrscheinlich irgendwann in Tschechien wiedergefunden hätten. 


Eine liebe Miturlauberin hat nebenbei einen Fliegenpilz entdeckt. Ich habe zuvor noch nie einen "in echt" gesehen und war ganz angetan von diesem schönen aber monströsen Exemplar mit einem Durchmesser von ungefähr 20 Zentimetern. Schon irgendwie märchenhaft, oder?  Übrigens war das Essen von Fliegenpilzen in und um Hamburg angeblich früher weit verbreitet, die Giftstoffe sind nämlich wasserlöslich und nach deren Entfernung soll keine Gefahr mehr bestehen. Aber wann weiß man, dass tatsächlich alle Giftstoffe weg sind? Ähm, kommen gar meinen Hamburger Lesern die Erinnerungen an gemeinsame Essen mit ihren Großeltern jetzt im Nachhinein vielleicht ein bisschen "verspult" vor? Oh oh ... Lassen wir besser die Finger davon. :-)
Wieder zuhause (nach einer nicht enden wollenden Fahrt mit Umleitungen und Staus en masse) war es mir nach deftiger, wärmender Küche – und was eignet sich da besser, als ein Ofengericht. Weil ich Wirsing in der kalten Jahreszeit liebe, habe ich, sobald er verfügbar ist, fast immer einen kleinen Kopf zuhause liegen. Glück für mich!


Hier kommt das Rezept für 2-3 Portionen:
1 kleiner Kopf Wirsing
1 Zwiebel 
1 Knoblauchzehe
2 EL Olivenöl
400 g Rinderhackfleisch
Salz, Pfeffer
600 ml Rinderbrühe
200 g Sahne
1 TL getr. Oregano
9 Lasagneblätter
100 g frisch geriebener Gouda oder Emmentaler
Ein paar Stängel Petersilie, fein gehackt, zum Garnieren

Vom Wirsing den Strunk und die dicken Blattrippen entfernen. Blätter waschen, gut abtropfen lassen und in grobe Streifen schneiden. Zwiebel und Knoblauch schälen und fein würfeln. 
In einer großen Pfanne 1 EL Olivenöl erhitzen, Zwiebeln und Knoblauch darin andünsten. Hackfleisch dazugeben und anbraten, dabei mit dem Kochlöffel zerkleinern, dass es krümelig wird. Hackfleisch aus der Pfanne nehmen und beiseite stellen. 1 EL Olivenöl in die Pfanne geben und Wirsing darin ca. 5 Minuten anbraten, bis er zusammenfällt. Brühe, Sahne und Oregano unterrühren, kräftig mit Salz und Pfeffer abschmecken und zugedeckt ca. 5 Minuten weiter dünsten. Hackfleisch dazugeben und ggf. nochmals abschmecken. 
Den Backofen auf 180°C vorheizen. Ca. zwei Esslöffel von der Sahne-Brühe von der Wirsing-Hackmischung auf dem Boden einer Auflaufform verteilen und darauf die ersten drei Lasagneplatten nebeneinander legen. 1/3 der Wirsing-Hackmasse mit Sahne-Brühe darauf verteilen und wieder mit 3 Lasagneblättern belegen. So weiter verfahren, bis alles Zutaten aufgebraucht sind, dabei mit Wirsing-Hackmasse abschließen. Die Lasagne mit geriebenem Käse bestreuen und im vorgeheizten Ofen ca. 30-40 Minuten backen, bis der Käse goldgelb zerlaufen ist. Herausnehmen und ein paar Minuten in der Form abkühlen lassen. Dann portionieren und mit Petersilie bestreut servieren. 



Montag, 19. September 2011

Fast kein Rest vom Fest: Glasnudelsalat mit Hackfleisch und Limette

Am Wochenende gab es ein kleines Fest und nachdem ich gestern die Übernachtungsgäste, die auch noch zum Frühstück geblieben sind, verabschiedet habe, konnte ich mich gerade noch auf´s Sofa schleppen und habe den Rest des Tages leicht komatös auf selbigem verbracht und viel nachgedacht. Darüber, wie viel Spaß es gemacht hat, und darüber, dass Zeit mit der Familie und lieben Freunden zu verbringen doch das allerschönste und wichtigste im Leben überhaupt ist. Ich habe es sehr genossen mit meinen Lieben bis in die frühen Morgenstunden zusammen zu sitzen, zu plaudern und zu feiern. Hier steht dann auch das Essen definitiv im Hintergrund, viel interessanter ist es, über alte Zeiten und brandheiße Neuigkeiten zu reden oder dabei zu sein, wenn Tante und Onkel mütterlicherseits und Tante und Onkel väterlicherseits neben dem eigentlichen Anlass auch gleich noch auf ihr Wiedersehen nach Jahrzehnten anstoßen können. Aaaber: Ein bisschen was zu knabbern nebenbei ist doch ganz schön und frei nach dem Motto "wer trinkt muss auch essen" habe ich ein kleines Buffet gerichtet, das für den Abend nicht zu viel und (hoffentlich) auch nicht zu wenig war. Was einigen dabei besonders gut geschmeckt hat, war ein feiner Glasnudelsalat mit Limettendressing und knusprig gebratenem Hackfleisch. Meine Cousine wollte gerne das Rezept haben, also gibt es heute zwar nur ein ziemlich abgegrastes Foto vom letzten Rest in der Schüssel, auf dem man nicht mehr viel erkennt, aber stellt euch einfach einen herrlich nach Limette duftenden Salat mit frisch gehackten Frühlingszwiebeln und bunten Chiliringen vor. Zum Fotografieren hatte ich auf der Party selbst keine Zeit und irgendwie auch keine Lust. ;-) Das Rezept stammt von Jamie Oliver (Jamie´s Kitchen), ich habe allerdings ein paar Sachen weggelassen und statt 5-Gewürze-Pulver Garam Masala verwendet, was sich als gute Alternative herausgestellt hat.



Hier kommt das Rezept (ich habe hier die Zutaten schon so angepasst, wie ich es gemacht habe. Auf der Party waren 20 Leute, wenn es noch mehr Auswahl am Buffet gibt sollte diese Menge genügen, so dass jeder eine kleine Portion probieren kann):

300 g Glasnudeln
5 EL Olivenöl
400 g Hackfleisch
3 TL Garam Masala
2 Knoblauchzehen, gerieben
2 gehäufte TL geriebener Ingwer
3 TL Zucker 
1 Bund Frühlingszwiebeln, in feine Ringe geschnitten
5 EL frisch gepresster Limettensaft
3 EL Fischsauce (Nam Pla, aus dem Asia-Shop)
1 rote Chilischote
1 grüne Chilischote
Salz, Pfeffer

Die Nudeln in eine Schüssel mit warmem Wasser legen und weich werden lassen. Abseihen und wieder in die Schüssel füllen. Einen Pfanne kräftig erhitzen, das Olivenöl eingießen und das Hackfleisch mit dem Garam Masala anbraten. Es soll schön braun und krümelig werden. Knoblauch, Ingwer und Zucker dazugeben und unter rühren weiter braten. Die Pfanne vom Herd nehmen und den Inhalt zu den Glasnudeln geben. Frühlingszwiebeln, Limettensaft, Fischsauce und Chilis dazugeben und alles gut miteinander vermischen. Mit Salz und Pfeffer würden und ggf. nochmal mit mehr Limettensaft und Fischsauce abschmecken. 


Neben dem Glasnudelsalat gab es einen Hirsesalat mit Gemüse und Kräutern, Mini-Hackbällchen, Tsatziki, Hummus, köstliche Zucchini-Röllchen mit Ziegenfrischkäse nach einem Rezept von Gourmandises Végétariennes, eine Lachsplatte mit Meerettich, eine Käseplatte mit Trauben von Omas Reben, eine feine Tarte mit karamellisierten Zwiebeln nach einem Rezept von Flowers on my Plate, selbstgemachte Kräuterbutter, in Basilikumöl marinierte Tomaten-Mozzarella-Spießchen, eingelegte Oliven mit Fetakäse und getrockneten Tomaten, meine obligatorischen Partyschneckchen, einmal mit Speck, einmal mit Spinat und Fetakäse, feines Sauerteig-Krustenbrot, noch mal den Schokoladenkuchen vom letzten Posting und ein Schwarzwälder Tiramisu. 

Mittwoch, 17. August 2011

Test one, two ... : Chinesische Nudelsuppe mit Pak Choi-Koriander-Hackbällchen

Zur Zeit befinde ich mich in einer Koriander-Testphase. Schon immer mochte ich das gemahlene Gewürz gerne, das Kraut bescherte mir allerdings Alpträume. Schrecklich metallischer Geschmack und dieser Geruch, uuaaahhh!! Not nice. Weil ich die asiatische Küche aber ganz gerne mag, beinhaltet ein ziemlich großer Teil der Rezepte, die ich irgendwann einmal noch ausprobieren möchte, frisches Korianderkraut als Zutat. Das habe ich bisher immer ohne mit der Wimper zu zucken mit dem ersetzt, was gerade an anderen Kräutern da war. Nun verleiht aber der Zusatz "mit Petersilie und Schnittlauch" einem balinesischen Meeresfrüchtecurry oder einer thailändischen Tom Yam Kum irgendwie einen Touch gutbürgerlich deutscher Küche und ich habe immer ein bisschen Bedenken, ob nicht doch gerade das Korianderkraut einem solchen Gericht den letzten Schliff gibt. Begründet, ich weiß. Und dazu habe ich bei mir auch schon bemerkt, dass mir manche Sachen nach ein paar Mal essen dann doch ganz gut schmecken, oder ich sie zumindest "so seltsam" finde, dass ich sie dauernd essen muss, weil deren Geschmack auf einmal so faszinierend-komisch ist. So ist das zum Beispiel mit Lakritz, einerseits verziehe ich das Gesicht und die Augen treten aus den Höhlen, andererseits schmeckt es irgendwie lecker und abgefahren. Äh, ja. Lange Rede, kurzer Sinn: Das Korianderkraut bekommt noch eine Chance, hier mit einem Rezept, bei dem es in Fleischbällchen verpackt ist und sich geschmacklich nicht zu sehr in den Vordergrund drängen kann. 


Hier kommt das Rezept für 2 Personen:
1 EL Erdnussöl
3 Knoblauchzehen, fein gehackt
1 daumengroßes Stück Ingwer, fein gerieben
150 g Pak Choi, in feine Streifen geschnitten
300 g Hackfleisch (vom Schwein oder gemischt)
1 Eiweiß
1 TL Speisestärke
1/4 TL weißer Pfeffer, gemahlen
4 EL Sojasauce
2 EL chinesischer Reiswein
3 Frühlingszwiebeln
2 Stengel Koriandergrün
1 l kräftige Hühnerbrühe
150 g Mie-Nudeln

Erdnussöl in einem Wok (oder einem Topf) erhitzen. Knoblauch, die Hälfte des Ingwers und den Pak Choi 3 Minuten braten. Beiseite stellen und kurz abkühlen lassen. Inhalt des Woks in eine Schüssel geben und mit Hackfleisch, dem Eiweiß, der Stärke, dem Pfeffer, 2 EL Sojasauce, 1 EL Reiswein, und je der Hälfte der Frühlingszwiebeln und des Korianders mischen. Die Masse 30 Minuten kalt stellen. Dann aus der Masse mit den Händen kleine Bällchen formen (ca. 3 cm Durchmesser).
Die Brühe in den Wok geben und aufkochen, Hitze reduzieren und leise köcheln lassen. Restlichen Ingwer, Sojasauce und Reiswein dazugeben und weitere 5 Minuten kochen lassen. Die Bällchen dazugeben und ca. 10 Minuten kochen, bis sie gar sind und nach oben steigen.
Währenddessen die Nudeln in kochendem Salzwasser 2 Minuten kochen, bis sie sich voneinander trennen lassen. Abgießen und mit kaltem Wasser abschrecken. Die Nudeln in Schalen verteilen und die Suppe mit den Hackbällchen darüber schöpfen. Mit den restlichen Frühlingszwiebeln und dem Koriander dekorieren und servieren.


Fazit: Test bestanden, die Suppe war lecker und ich bin bereit für eine Dosiserhöhung, was das Kraut betrifft. Ach, und ich habe diesmal sogar Korianderkraut mit Wurzeln bekommen, was ich mit denen anstelle, muss ich mir noch überlegen ...

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Dick eingepackt: Rotkohlrouladen mit Cranberries

Was ist denn jetzt los? Draußen ist es ja auf einmal schweinekalt geworden! Zeit, alles und jeden dick einzuwickeln. Nachdem ich gestern schon michelinmännchenartig verpackt bei der Arbeit aufgeschlagen bin, ist jetzt das Essen dran: Hackfleisch und Cranberries bekommen eine hübsches Mäntelchen aus Rotkohl, dazu ein feiner Kartoffelpüree. Nee, wat schön! Besonders angetan war ich von dem Sößchen, übrigens eine Premiere, denn lilafarben gab´s das bei mir noch nie. Gutes Kontrastprogramm zum grauen Herbstwetter. Und Cranberries enthalten darüber hinaus eine Ladung Antioxidantien (Falten, Mädels, ich sag nur Falten!) und erhöhen die Werte von Salicylsäure im Körper, letztere ist auch in bekannten Schmerzmitteln enthalten und wirkt entzündungshemmend. Cranberries schützen also sogar vor Grippe und anderen bösen Sachen. So, jetzt habt ihr den Salat und müsst sofort Cranberries essen, sonst befällt euch der Schnupfen innerhalb der nächsten 5 Minuten! 


Hier kommt das Rezept für 2 Personen: 
50 ml Rotwein
35 g getrocknete Cranberries
1 Rotkohl
1 trockenes Brötchen (vom Vortag)
1 Zwiebel
300 g Hackfleisch
1 Ei
Salz, Pfeffer
1 EL Butterschmalz
1 Lorbeerblatt
1 Gewürznelke
250 ml Rotwein
250 ml Brühe
2 EL Saure Sahne
ggf. etwas Speisestärke zum Binden der Sauce
ggf. Küchengarn zum Fixieren der Rouladen
Petersilie für die Deko

Die Cranberries im Wein einweichen. Vom Kohl den Strunk keilförmig herausschneiden und die äußeren Blätter entfernen. 2 l Wasser zum Kochen bringen und den Kohl darin kochen, bis sich die Blätter lösen lassen. Abgießen und 4-6 Blätter ablösen. Die Blattrippen mit einem scharfen Messer flach schneiden, dann lassen sich die Blätter später besser rollen. Den Rest Kohl anderweitig verwenden, evtl. zu Rotkraut schmoren. Zwiebel schälen und fein hacken. Die Hälfte der Zwiebeln, das Brötchen, Hack, Ei, Salz und Pfeffer miteinander verkneten. Die Cranberries abtropfen lassen und untermengen. Jeweils 2-3 Kohlblätter (je nach Größe) überlappend nebeneinander legen, die Hackfüllung darauf verteilen und das ganze zu Rouladen zusammenrollen, dabei die Seitenränder nach innen klappen, damit nichts von der Masse ausläuft. Ggf. mit Küchengarn fixieren. Butterschmalz erhitzen und die Rouladen darin anbraten. Die andere Hälfte der Zwiebeln, Lorbeer, Gewürznelke, Brühe und Wein zugeben und würzen. Zugedeckt ca. 45 Minuten schmoren. Die Rouladen herausnehmen, warm stellen und den Fond kräftig einkochen. Zum Schluss die saure Sahne unterrühren. Sollte die Sauce noch zu dünnflüssig sein, 1 gestr. TL Speisestärke mit etwas Wasser glatt rühren und in die Sauce einrühren, dann erneut kurz aufkochen lassen. Rouladen mit der Sauce anrichten und mit Petersilie bestreut servieren. Dazu schmeckt Kartoffelpüree. 


Das Rezept stammt leicht angepasst aus ARD Buffet 9/10.

Sonntag, 17. Oktober 2010

News und Hack: Keema-Curry

Es gibt eine kleine Neuerung: Ihr kennt das doch auch, wenn man Hunger hat und noch nicht genau weiß auf was, dann wälzt man Kochbücher oder durchforstet das Internet nach Köstlichkeiten, die sich gut anhören und - vor allem - den vorhandenen Gelüsten entsprechend aussehen, oder? Ok, ich mache das eigentlich nicht nur wenn ich Hunger habe sondern ... irgendwie immer. Ziemlich oft zumindest. So wie jüngst auch bei diesem Keema-Curry, und das hat mich auf die Idee gebracht meine Rezepte nicht nur in einem schlichten Verzeichnis aufzuführen, sondern auch diesen kleinen "What you see is what you eat"-Link oben rechts in der Navigationsleiste einzubauen. Hier werde ich nach und nach meine gesamten Rezeptfotos noch einmal im Miniaturformat verlinken, dann hat es das Auge etwas leichter und vor allem muss sich die Hand nicht erst durch das gesamte Rezeptverzeichnis klicken um an die Bilder und Rezepte zu kommen. Happy Clicking euch allen (und mir, denn ich weiß oft selbst nicht mehr was ich gekocht habe und nutze diese Option um meinen lahm gelegten Gehirnzellen auf die Sprünge zu helfen). Zurück zum Keema-Curry: Hier gibt es gefühlte 372 829 Zubereitungsarten, kaum verwunderlich, denn es ist sowohl ein indisches als auch ein pakistanisches Traditionsgericht und jede Oma und Mama brutzelt das nach ihren eigenen Vorlieben. Die Hauptbestandteile sind meistens Hackfleisch, Ingwer, Tomaten und Joghurt, die Gewürze und Einlagen variieren je nach Region. Hier kommt meine Version.


Zutaten für 2 Personen:
2 EL Öl
1 große rote Zwiebel, fein gehackt
1 TL frisch geriebener Ingwer
1 Knoblauchzehen, fein gehackt
1 grüne Chilischote, Kerne entfernt und in feine Ringe geschnitten 
1 Gewürznelken
1/2 Zimtstange
350 g Rinderhackfleisch
1 EL gem. Koriander
1 TL Garam Masala
1 TL gem. Kreuzkümmel
1/2 TL gem. Kurkuma
eine Prise Cayenne-Pfeffer
1 Dose gehackte Tomaten (ca. 240 g)
3 Kartoffeln
1 TL Salz
150 g Erbsen (TK)
Etwas Petersilie (oder wer möchte Koriander) zum Bestreuen

Öl in der Pfanne erhitzen und die Zwiebeln darin 10 Minuten anbraten. Ingwer, Knoblauch, Chili, Zimtstange und Gewürznelken hinzufügen und ein paar Minuten weiterbraten. Das Hackfleisch dazugeben und scharf anbraten, bis es bräunt. Koriander, Garam Masala, Kreuzkümmel, Kurkuma und eine Prise Cayennepfeffer untermischen. Kartoffeln schälen und würfeln und zusammen mit den Tomaten und dem Salz zum Hackfleisch geben. 200 ml Wasser angießen und mit Deckel ca. 20 Minuten köcheln lassen, bis die Kartoffeln gar sind. Joghurt und Erbsen untermischen, noch einmal 5 Minuten gut durchwärmen und mit Petersilie bestreut servieren. Dazu schmeckt Reis oder Fladenbrot.


























Im Nachhinein betrachtet ist das Keema-Curry vielleicht nicht unbedingt die beste Wahl um ein Plädoyer für "Das Auge isst mit" anzubringen, denn so richtig erkennen WAS man gerade da isst, tut man dabei nicht. Ginge rein bildlich auch als Chili con Carne, Erbseneintopf oder eine neue Napoli-Version durch, finde ich. An dieser Stelle merkt man eben doch, dass bei aller Befriedigung über´s Auge der Geschmack letztendlich entscheidend ist. Der war hier übrigens ganz wunderbar. 

Sonntag, 9. Mai 2010

Vom Wolf geschluckt: Hühnerbällchen mit Garam Masala

Manche Geschichten aus der Kindheit vergisst man nie. Eine davon kommt mir immer in den Sinn, wenn ich den Fleischwolf-Aufsatz auf die Küchenmaschine schraube: Das Kind, das am Fleischwolf krepierte. Früher durfte ich jedes Mal, wenn mein Opa den Fleischwolf aus der Speisekammer holte und an der Küchentheke festgeschraubt hatte, die Kurbel betätigen und so einen Beitrag zum sonntäglichen Hackbraten oder zur köstlichen Füllung für die Weihnachtsgans leisten. Mit Argusaugen wurde jedoch darauf geachtet, dass meine Hand sich nicht eine Portion des zu zerfleischenden Guts nahm und sich damit dem dunklen Schlund des Fleischwolfs näherte, aus Angst vor Verletzungen. Um sicher zu gehen, dass ich es auch unter keinen Umständen versuchen würde, erzählte meine Oma, dass im Dorf vor vielen Jahren ein kleines Kind die Finger zu tief in den Fleischwolf gesteckt hatte, so dass dessen ganze Hand zerquetscht und zerschnitten wurde und es schließlich sterben musste. Passend dazu gab es auf dem Friedhof ein kleines Kindergrab, das mir bei dieser Gelegenheit als Fleischwolfgrab vorgestellt wurde. Vor meinem inneren Auge sah ich als Fünfjährige also ein kleines Kind, das kopfüber im Fleischwolf steckte, und Stück für Stück weiter zu Brei gedreht wurde, bis schließlich nur noch die Füßchen oben herausschauten. Gehörig beeindruckt und mit einem Heidenrespekt vor der Stahlmaschine konnte ich nur noch sagen: "Okay Opa, drück du mal das Zeug durch!"


Hier kommt das Rezept für 2 Portionen: 
1 Zwiebel
1 Knoblauchzehe
350 g Hühnerbrust ohne Haut, in grobe Stücke geschnitten
1/2 Bund Petersilie
1/2 TL Salz
1 gestr. EL Garam Masala 
2 EL Olivenöl
200 ml Kokosmilch
1 EL Tomatenmark
1/4 TL Kurkuma
1/4 TL Salz
2 Kaffir-Limettenblätter
1 EL getrocknete Chilies (je nach Schärfe) und/oder 1 EL Chilifäden


Die Zwiebel schälen und vierteln, Knoblauch abziehen. Zusammen mit der Hühnerbrust durch den Fleischwolf drehen und in einer Schüssel auffangen. Petersilie fein hacken und zu dem Hack in die Schüssel geben. Alles gut mit Garam Masala und Salz verkneten. Nun aus dem Fleischteig kleine Bällchen mit ca. 3 cm Durchmesser formen.  Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und die Hühnerbällchen von allen Seiten ca. 10 Minuten anbraten, bis sie gerade gar sind. Man kann ja vorab eines opfern um den Garzustand zu testen.  Nun die Kokosmilch angießen, das Tomatenmark sowie Kurkuma und Salz einrühren und die Kaffir-Kimettenblätter und die getrockneten Chilies zugeben. Alles ein paar Minuten köcheln lassen, gegebenenfalls nachwürzen und servieren.


Dazu gab es schlichten Reis. Ich habe fertig abgemischtes Garam Masala aus dem Bioladen genommen, die Würzmischung lässt sich aber auch einfach mit Koriander, Kreuzkümmel, schwarzem Pfeffer, Kardamom und Nelken selbst herstellen, hierfür gibt es viele Rezepturen im Netz. Ach und übrigens: Jahre später habe ich herausgefunden, dass das kleine Kind tatsächlich an einer Blutvergiftung gestorben ist. Ob diese durch den Fleischwolf hervorgerufen wurde bleibt jedoch bis heute ein Geheimnis. 

Montag, 22. März 2010

Roll it up: Farsu Magru - Sizilianischer Rollbraten

"Es wird mit Recht ein guter Braten / Gerechnet zu den guten Taten / Und daß man ihn gehörig mache / Ist weibliche Charaktersache." Die ersten beiden Verse kann ich voll und ganz unterschreiben, dass aber im Gegensatz zur Meinung Wilhelm Buschs auch Männer einen exzellenten Braten zustande bringen, habe ich vor ein paar Wochen festgestellt, nämlich als ich bei lamiacucina diesen Sizilianischen Rollbraten entdeckt habe. Sprichwörtlich riecht man den Braten eben manchmal schon beim ersten Anblick und man weiß sofort: Das muss ich nachkochen! In diesem Sinne: Der Kluge isst den Braten sofort und das Brot später. Mille Grazie, Roberto!


Hier kommt das Rezept für zwei Portionen:
Für die Füllung:
100 g Rinderhackfleisch
1 Ei
30 g Semmelbrösel
2 EL geriebener Pecorino
1 Knoblauchzehe gehackt
Thymian und Rosmarin nach Belieben
Salz, schwarzer Pfeffer  

Zum Einrollen:
2-3 Rinderrouladen, insgesamt ca. 250-300g (oder eine große Scheibe Rindfleisch am Stück)
50 g Pancetta in dünnen Scheiben
1 hartgekochtes Ei, geschält, in Scheiben
30 g Provolone in dünnen Scheiben
30 g roher Schinken in dünnen Scheiben
Salz, schwarzer Pfeffer, etwas Mehl

Für die Sauce:
2 EL Olivenöl
1 Zwiebel, grob gehackt
Kräuterzweige (Lorbeer, Rosmarin)
100 ml Rotwein
1 kleine Dose gehackte Tomaten
Salz, Pfeffer

Rinderhackfleisch, Ei, Semmelbrösel und Pecorino mischen und mit dem Knoblauch, den Kräutern, Salz und Pfeffer würzen. Die Rouladen zwischen Plastikfolie noch etwas flachklopfen und dann auf der Arbeitsfläche nebeneinander ganz leicht überlappend auslegen. Die Hackfleischmasse darauf verteilen und glattstreichen. Ringsum einen Rand von 2 cm frei lassen. Pancetta, Eierscheiben, rohen Schinken und Provolone gleichmässig auf der Hackfleischschicht verteilen. Nun den Braten wie eine Roulade fest aufrollen und mit Rouladenspießen feststecken oder mit Garn zusammenbinden, anschließend mit Salz und Pfeffer würzen und ganz leicht mit Mehl bestäuben. Den Braten in einem Bräter in Olivenöl rundum anbraten bis er von allen Seiten angebräunt ist, dann wieder herausnehmen und kurz beiseite stellen. Die gehackten Zwiebeln im Bratfett glasig dünsten, die Kräuterzweige nach Belieben dazugeben und mit dem Rotwein ablöschen. Nun die Dose gehackte Tomaten dazugeben, schonmal mit Salz und Pfeffer abschmecken, den Braten in die Sauce legen und mit geschlossenem Deckel im vorgeheizten Ofen (untere Schiene, ca. 170°C) für 2 Stunden schmoren lassen. Dabei den Braten einmal wenden und gegebenenfalls ab und zu mit der Sauce beträufeln. Zum Schluss aufschneiden und servieren. Wir hatten dazu (wenn auch absolut untypisch italienisch) Kartoffelpaunzen.

Am Rezept habe ich ein paar Dinge geändert, da mir die Zutaten gefehlt haben. Auch die Mengenangaben habe ich nicht ganz genau genommen. Geschmacklich war das Gericht dennoch ganz vorzüglich und hat gute Chancen ein Sonntags-Dauerbrenner zu werden.

Dienstag, 15. Dezember 2009

Reise nach Amerika: Sher Ping Pancakes

Manchmal würde ich gerne wie Mary Poppins in Bilder hüpfen können, deren Inhalt dann Realität wird. Ich würde dann natürlich ein Kochbuch nach dem anderen abklappern und mir sämtliche gutaussehenden Speisen einverleiben. Das wäre ein Spaß! Bis ich meine magischen Fähigkeiten entdecke bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als alles selbst nachzukochen. Ein Rezept, dessen Abbildung mich sofort zum Ausprobieren animiert hat, sind diese deftig gefüllten Pfannkuchen von Jamie Oliver. Abgesehen davon, dass ich die Rezeptbilder in seinem neuen Amerika-Kochbuch sowieso wieder wunderschön finde, haben es mir die Sher Ping Pancakes besonders angetan, da sie einige meiner Lieblingszutaten vereinen: Ingwer, Koriander und - Hackfleisch!



Hier ist das Rezept für 4:
Teig:
450g Weizenmehl
4 EL Pflanzenöl
Meersalz


Füllung:
400g Hackfleisch (Jamie sagt "vom Schwein", ich sage "gemischt ist auch ok")
1 Handvoll fein geraspelter Weißkohl
1 kleines Bund Koriandergrün, Blätter und Stiele fein gehackt
1 daumengroßes Stück Ingwerwurzel, geschält und fein gerieben
4 frühlingszwiebeln, geputzt und fein gehackt
1 Knoblauchzehe, geschält und fein gerieben
Meersalz
frisch gemahlener Szechuanpfeffer 


Zum Servieren: 
süße oder scharfe Chilisauce
Sojasauce
2 Limetten, in Spalten geschnitten


Zubereitung: Mehl, 225 ml Wasser und eine Prise Salz in einer Schüssel mit einer Gabel verrühren und anschließend mit den Händen zu einem glatten Teig verarbeiten und unter Frischhaltefolie ein paar Stunden ruhen lassen. Die Zutaten für die Füllung in einer Schüssel vermengen, dabei kräftig salzen und pfeffern (wirklich kräftig, der Teig zieht später beim Braten viel Würze heraus).



Den Teig in acht gleich große Portionen teilen und aus der Füllung ebenfalls 8 Kugeln formen. Ein Backblech oder eine andere, glatte Fläche einölen und den Rest des Öls zwischen den Händen verreiben. Nun die Teigstücke nacheinander zu etwa 12 cm großen und 1 cm dicken Fladen drücken. Die Füllung jeweils in die Mitte setzen und ebenfalls flach drücken, dann die Teigränder vorsichtig um die Füllung herumlegen und oben zusammenkneifen.



Dann den Pfannkuchen wieder etwas flach drücken, so dass er am Ende etwa 2,5 cm hoch und 8 cm breit ist. Wenn alle Pfannkuchen fertig gefüllt sind für 20 Min. kalt stellen. Dann eine große Pfanne auf mittlerer Stufe vorheizen, Öl hineingeben und die Pfannkuchen portionsweise mit der "Naht" nach unten hineinlegen und mit einem Bratenwender noch etwas flacher drücken, bis sie am Ende ca. 1 cm dick und 10 cm breit sind. Wichtig: Die Pfanne darf nicht zu heiß sein, sonst verbrennt der Teig und die Füllung ist noch nicht gar. Nach etwa vier Minuten sollte der Teig auf der einen Seite schön braun sein, dann die Pfannkuchen wenden, noch einmal leicht flach drücken und weitere 4 Min. braten. Die Pfannkuchen mit Chili- und Sojasauce sowie Limettenspalten servieren. 
Quelle: Jamies Amerika

Auch am nächsten Tag schmecken diese Pfannkuchen noch kalt. Allerdings: Der Ingwer-Geschmack ist sehr dominant, wem das nicht so gefällt, der sollte dementsprechend nur ein klitzekleines Stückchen verwenden.