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Mittwoch, 9. November 2011

Herbstliches Dessert: Schokoladen-Spätburgundercrème mit Cranberries

Zur Zeit treibt in den angrenzenden Wäldern um Darmstadt ein wild gewordener Keiler sein Unwesen - nicht tollwütig aber dafür scheinbar liebestoll, was manchmal ja ähnliche Symptome heraufbeschwören kann, zumindest hat er schon einige von ihm als Nebenbuhler angesehene Spaziergänger verletzt und Hunde attackiert. Ehrlich, ein bisschen mulmig ist mir seitdem bei meinen Laufrunden durch den Wald schon zumute. Zwar liegen meine bevorzugten Strecken nicht direkt im Keiler-Gebiet, aber man weiß ja nie, ob sich das Tier mal kurz für einen kleinen Spaziergang entscheidet um sich einen neuen Wirkungskreis zu suchen und mir nebenbei die Beißerchen in die Wade zu hauen. Ich wollte dann eigentlich gestern auch einen kleinen Wildschweinbraten mit Cranberry-Sauce machen, in der Hoffnung, dass man dem wilden Schwein vielleicht telepathisch übermitteln könnte, was mit ihm passiert, wenn er nicht aufhört sich zu gebärden wie ein Verrückter! Schade nur, dass ich zwar Cranberries aber kein Wildschwein bekommen habe, im Moment hüpfen den Jägern hier vornehmlich Hirsche vor die Flinte. Die passen zwar auch zu Cranberries, aber ich habe dann auf einmal viel mehr Lust bekommen, die Beeren für ein Dessert zu verwenden ...


Hier kommt das Rezept für 3-4 Portionen:
100 ml Spätburgunder Rotwein
30 g Zucker
50 g Cranberries
90 ml Sahne
100 g dunkle Schokolade (mindestens 70% Kakao)
1 superfrisches Bio-Ei
1 Prise Zimt
1 Msp. gem. Kardamom


Burgunder in einem kleinen Topf erhitzen und Zucker darin auflösen. Cranberries hinzugeben und kurz aufkochen, bis die Cranberries leicht aufplatzen. Sie sollen dabei ihre Form behalten und nicht verkochen. Cranberries in ein Sieb gießen, Weinsud dabei auffangen und wieder zurück in den Topf geben. Auf ca. 1-2 Esslöffel einkochen, bis der Wein etwas dickflüssiger wird. Sahne in einem weiteren Topf erhitzen aber nicht kochen, Schokolade in kleine Stücke zerbrechen und mit einem Schneebesen in die Sahne einrühren bis sie schmilzt. Topf vom Herd ziehen und kurz ein bisschen abkühlen lassen, damit gleich das Ei nicht gerinnt. Burgunder und Ei dazugeben und gut unterrühren. Zimt und Kardamom sowie die Cranberries vorsichtig einrühren und die Créme in kleine Förmchen füllen. Im Kühlschrank mindestens 3 Stunden fest werden lassen.


Wegen der langen Kühlzeit lässt sich das Dessert entspannt vorbereiten, wenn Gäste kommen. Je nach Geschmack könnt ihr die Menge der verwendeten Cranberries variieren. Rotwein und Schokolade passen in diesem Fall wieder sehr gut zusammen, durch den Wein bekommt die Schokoladencréme eine feine Säure, die nochmal schön gesteigert wird, wenn man die kleinen Cranberries mit der Zunge am Gaumen zerdrückt und sich deren Saft im Mund mit der Schokolade mischt - ein Träumschä!

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Apfelernte: Apfel-Wildheidelbeer-sowaswie-Crumble

In den letzten Tagen war ich viel unterwegs, wurde schön bekocht und hatte keine Zeit zu bloggen, dafür wollte ich euch heute eigentlich DAS ultimative weil besondere und so hübsch aussehende Apfelkuchenrezept präsentieren (kein Grill- oder Bratrezept für Chihuahua, was auch schon im Bekannten- und Verwandtenkreis vorgeschlagen wurde *wimmer*), aber dann ... 


Erstmal von vorne: Derzeit ist ja wieder Apfelernte auf unserem Familiengrundstück. Meine Lieblingszeit! Weil es mich sehr an meine Kindheit erinnert und weil es so fern von dem ganzen Trubel in den Städten eine ruhige, besinnliche Atmosphäre ist. Zudem liebe ich den Herbst mit seiner klaren Luft und den kräftigen Farben, ich glaube sogar, er ist meine liebste Jahreszeit. In diesem Jahr hängen die Äpfel so zahlreich an den Bäumen wie schon lange nicht mehr, was sicherlich an dem besonders regenreichen Sommer liegt. Die Natur folgt ihrem Lauf früher als sonst, man kommt mit dem Pflücken kaum hinterher und so liegen die Äpfel schon zu Hunderten auf dem Boden. Zur Zeit dürfen nicht mal die natürlichen Rasenmäher, die Pferde, auf das Grundstück, weil das saftige Gras in Verbindung mit dem exzessiven Apfelgenuss (den sie 100% betreiben, ich kenn' sie doch, die Pappenheimer!) zu bösen Koliken führen kann. 


Das ist jedenfalls genau die Zeit, in der ich mich, wie im letzten Jahr, wieder mit meinem Kistchen anpirsche, um mich für die nächsten Wochen mit natürlich gewachsenen, ungespritzten Traumäpfeln einzudecken. Zuhause baue ich dann damit extra für euch, wie ihr seht, eine Apfel-Orgelpfeifen-Reihe. Es gibt viele verschieden Sorten, die roten aber sauren Nikolausäpfel, die auch besonders schön zur Dekoration aussehen, unsere kleinen, zuckersüßen Lieblingsäpfel, es gibt Boskop, die meine Mutter ganz besonders gerne mag, Lohrer und Winteräpfel, die sich gut über mehrere Wochen im dunklen Keller lagern lassen. Außerdem welche, die man nur zum Backen nimmt, und Einkoch-Äpfel. Wie all die Sorten genau heißen, das weiß ich nicht, für das nächste Jahr habe ich mir aber vorgenommen ein bisschen genauer nachzuforschen. 


Also wieder zum Rezept. Es las sich so lecker mit Nüssen und Beeren, und da in unserem Apfelwäldchen und auf unserem Acker auch jeweils ein Nussbaum steht, und ich in der Speis’ noch ein verstecktes Glas Wildheidelbeeren gefunden habe, musste ich es einfach ausprobieren. Alles war auch schnell und einfach bewältigt und der Kuchen duftete herrlich im Ofen, aber dann habe ich die Form nicht aufbekommen. Selbst unter größtmöglicher Krafteinwirkung mit Hammer und Zange nicht. Dann habe ich versucht ein Stückchen Kuchen irgendwie so herauszuhebeln, und dabei festgestellt, dass der Boden nicht fest geworden ist. Das heißt doch, ganz unten ist er karamellisiert, deswegen klebte auch die Form zusammen. Der Rest war eine halbfeste, mit den Äpfeln vermischte Pampe. Dann habe ich probiert und es hat so dermaßen fein geschmeckt, dass ich dem Liebsten flugs eine mit Puderzucker bestäubte Portion auf dem Tellerchen serviert und es als DAS neue Herbstdessert, ein Apfel-Crumble mit Wildheidelbeeren, verkauft habe. Hat auch gut geklappt und ist wieder einmal ein schöner Beweis, dass misslungen nicht zwangsweise komplett misslungen bedeuten muss. 


Hier kommt das Rezept für eine Springform mit 26 cm Durchmesser (OR bedeutet Originalrezept, falls sich jemand doch noch einmal daran versuchen möchte, aus dem ganzen einen richtigen Kuchen zu backen, vielleicht gelingt es euch ja. Das Rezeptbild im Heft sah jedenfalls köstlich aus): 

1 kg säuerliche Äpfel 
5 EL Zitronensaft 
60 g Butter 
50 g Zucker 
75 g gehackte Walnüsse (OR: gehackte Mandeln) 
1 Glas (370 ml) Wildheidelbeeren (OR: Wildpreiselbeeren in Saft) 
Für den Teig: 
150 g weiche Butter 
1 Prise Salz 
100 g Zucker 
1 Pk. Vanillezucker 
3 Eier 
125 g kernige Haferflocken 
50 g Mehl 
1 geh. TL Backpulver 
1 Prise Zimt 
(OR: ¼ TL gem. Kardamom) 
Quelle: ARD Buffet 9/10 

Äpfel schälen, vierteln und entkernen. Die Stücke grob würfeln und mit Zitronensaft mischen. Butter, Zucker und Mandeln in einem Topf schmelzen, Apfelwürfel einrühren und auskühlen lassen. Heidelbeeren gut abtropfen lassen. 
Für den Teig weiche Butter, Salz, Zucker und Vanillezucker mit den Schneebesen des Handrührgeräts sehr cremig rühren. Eier einzeln gründlich unterrühren. Haferflocken, Mehl, Backpulver und Zimt mischen und in 2-3 Portionen kurz unter die Ei-Butter-Masse rühren. Backofen auf 180 Grad vorheizen. Springform mit Backpapier auslegen und Ränder einfetten. Zwei Drittel des Teiges glatt darin verstreichen. Apfelstücke und Heidelbeeren darauf verteilen, übrigen Teig in Klecksen darauf setzen. 
Kuchen im heißen Ofen ca. 50-60 Minuten goldbraun backen, evtl. in den letzten Minuten mit Backpapier abdecken. Kuchen herausnehmen, in der Form auskühlen lassen und mit Puderzucker bestäubt servieren. <-- Das ist der eigentliche letzte Satz. Meiner ist: Kuchen herausnehmen, in der Form auskühlen lassen, wundern, weil die Form nicht aufgeht, wie wild an der Form rütteln, die Form verfluchen, mit einem Löffel frustriert die Hälfte direkt aus der Form löffeln, dann die zündende Idee haben und das Rezept in Apfel-Wildheidelbeer-sowaswie-Crumble umbenennen, wieder kurz anwärmen und mit Puderzucker kaschiert servieren. Ta-daah!



Freitag, 22. Juli 2011

Wenn´s mal wieder matschig wird: Stachelbeer-Bananen-Konfitüre

Was die Konsistenz von Nahrungsmitteln betrifft, so hat ja jeder seine Vorlieben. Ich muss zugeben, ich stehe manchmal auf eine gewisse Matschigkeit. Insgeheim finde ich es klasse, Beilagen mit der Sauce bis zur Unkenntlichkeit zu vermischen, ich esse viel lieber ein knautschiges, fluffiges Brötchen als knuspriges Baguette und ich habe mir eine Zeitlang sogar abends mein Müsli mit Früchten und Joghurt zubereitet, damit am nächsten Morgen alles schön im Kühlschrank zu einer homogenen, matschigen Masse aufgequollen war. Das hört sich nicht sehr chic an, oder? Ich weiß, und es sieht auch nicht schön aus, das kann ich euch sagen. Aber zu meiner Verteidigung: Im Gegensatz dazu können mir andere Dinge gar nicht knackig genug sein. Neben Salat, Keksen, Bratkartoffeln, Männ..., diversen Gemüse- und Obstsorten vor allem eines: Bananen! Pur kann ich sie wirklich nur essen, wenn sie ihre Farbe gerade mal von grün nach hellgelb gewechselt haben, und ihr könnt euch sicher vorstellen, dass die drei Kandidaten, die mit bereits schwarz-gelb gemusterter Schale in meinem Obstkorb lagen, keine guten Karten hatten. Da ich keine Lust auf Bananenshake hatte (meine sonstige Notlösung) und ich sowieso mal wieder Marmelade einkochen wollte, habe ich Gelierzucker und ein paar Beeren besorgt und schon ging´s los...


Hier kommt das Rezept für ca. 6 Gläser á 200g
650 g Stachelbeeren
350 g Bananen
500 g Gelierzucker 2:1
Saft von 1 Zitrone

Stachelbeeren waschen und gut abtropfen lassen, anschließend Stiel- und Blütenansätze entfernen und die Beeren in einem großen Topf grob pürieren. Die Bananen schälen und 350 g abmessen. In Scheiben oder kleine Stücke schneiden und zu den Beeren in den Topf geben. Zitronensaft und Gelierzucker dazugeben, alles gut vermischen (vermatschen, yeah!) und mindestens 2 Stunden Saft ziehen lassen. Dann aufkochen und unter ständigem Rühren ca. 5 Minuten kochen lassen. Sofort in saubere Gläser füllen, verschließen und die Gläser "auf den Kopf" stellen, damit sich ein Vakuum bildet. Gut auskühlen lassen, dann sind sie bereit zum Verschenken oder selber essen. Haltbarkeit: ca. 12 Monate.

Wichtig für Konfitüren-Neulinge: Die Gläser müssen vorher wirklich blitzsauber sein und möglichst heiß, wenn ihr die Marmelade einfüllt. Sonst ist die Haltbarkeit in Gefahr, denn Keime führen schnell zu Schimmel. Ich bringe zum Sterilisieren einen großen Topf Wasser zum Kochen, lege Gläser und Deckel für wenige Minuten hinein, hebe sie mit einer Küchenzange heraus und stelle sie umgekehrt auf ein sauberes Küchentuch. Dann fülle ich die heiße Konfitüre ein und verschließe die Gläser sofort. Bisher habe ich damit gute Erfahrungen gemacht und die Konfitüren, Marmeladen und Gelées haben lange gehalten. Ich habe auch schon gelesen, dass manche die Gläser einfach im heißesten Gang durch den Geschirrspüler jagen und danach sofort befüllen, das geht bestimmt auch. Was die Gläser betrifft, so sammle ich das ganze Jahr über kleine bis mittelgroße Twist-off-Gläser, anstatt sie zum Altglas zu bringen. So muss man nicht extra welche kaufen. 


Die Konfitüre ist wirklich unglaublich easy-peasy gemacht und schmeckt fein! Bananen sollte man aber tatsächlich mögen, denn obwohl sie in diesem Rezept gewichtsmäßig in der Unterzahl sind, schmeckt man sie deutlich heraus. Die feine Säure der Stachelbeeren ist allerdings eine perfekte Ergänzung, so ist die Konfitüre nicht zu süß, ihr könnt aber natürlich die Mengen ganz nach eurem Geschmack variieren. Zum Verzieren der Gläser habe ich diesmal etwas festeres Packpapier und Paketschnur verwendet. Außerdem hatte ich schon lange ein Kästchen voll mit kleinen Dekoherzen herumliegen, die ich jetzt einfach mit Holzkleber auf schlichte Holzklammern geklebt habe. Vielleicht ein bisschen kitschig aber trotzdem schööön! ;-)

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Dick eingepackt: Rotkohlrouladen mit Cranberries

Was ist denn jetzt los? Draußen ist es ja auf einmal schweinekalt geworden! Zeit, alles und jeden dick einzuwickeln. Nachdem ich gestern schon michelinmännchenartig verpackt bei der Arbeit aufgeschlagen bin, ist jetzt das Essen dran: Hackfleisch und Cranberries bekommen eine hübsches Mäntelchen aus Rotkohl, dazu ein feiner Kartoffelpüree. Nee, wat schön! Besonders angetan war ich von dem Sößchen, übrigens eine Premiere, denn lilafarben gab´s das bei mir noch nie. Gutes Kontrastprogramm zum grauen Herbstwetter. Und Cranberries enthalten darüber hinaus eine Ladung Antioxidantien (Falten, Mädels, ich sag nur Falten!) und erhöhen die Werte von Salicylsäure im Körper, letztere ist auch in bekannten Schmerzmitteln enthalten und wirkt entzündungshemmend. Cranberries schützen also sogar vor Grippe und anderen bösen Sachen. So, jetzt habt ihr den Salat und müsst sofort Cranberries essen, sonst befällt euch der Schnupfen innerhalb der nächsten 5 Minuten! 


Hier kommt das Rezept für 2 Personen: 
50 ml Rotwein
35 g getrocknete Cranberries
1 Rotkohl
1 trockenes Brötchen (vom Vortag)
1 Zwiebel
300 g Hackfleisch
1 Ei
Salz, Pfeffer
1 EL Butterschmalz
1 Lorbeerblatt
1 Gewürznelke
250 ml Rotwein
250 ml Brühe
2 EL Saure Sahne
ggf. etwas Speisestärke zum Binden der Sauce
ggf. Küchengarn zum Fixieren der Rouladen
Petersilie für die Deko

Die Cranberries im Wein einweichen. Vom Kohl den Strunk keilförmig herausschneiden und die äußeren Blätter entfernen. 2 l Wasser zum Kochen bringen und den Kohl darin kochen, bis sich die Blätter lösen lassen. Abgießen und 4-6 Blätter ablösen. Die Blattrippen mit einem scharfen Messer flach schneiden, dann lassen sich die Blätter später besser rollen. Den Rest Kohl anderweitig verwenden, evtl. zu Rotkraut schmoren. Zwiebel schälen und fein hacken. Die Hälfte der Zwiebeln, das Brötchen, Hack, Ei, Salz und Pfeffer miteinander verkneten. Die Cranberries abtropfen lassen und untermengen. Jeweils 2-3 Kohlblätter (je nach Größe) überlappend nebeneinander legen, die Hackfüllung darauf verteilen und das ganze zu Rouladen zusammenrollen, dabei die Seitenränder nach innen klappen, damit nichts von der Masse ausläuft. Ggf. mit Küchengarn fixieren. Butterschmalz erhitzen und die Rouladen darin anbraten. Die andere Hälfte der Zwiebeln, Lorbeer, Gewürznelke, Brühe und Wein zugeben und würzen. Zugedeckt ca. 45 Minuten schmoren. Die Rouladen herausnehmen, warm stellen und den Fond kräftig einkochen. Zum Schluss die saure Sahne unterrühren. Sollte die Sauce noch zu dünnflüssig sein, 1 gestr. TL Speisestärke mit etwas Wasser glatt rühren und in die Sauce einrühren, dann erneut kurz aufkochen lassen. Rouladen mit der Sauce anrichten und mit Petersilie bestreut servieren. Dazu schmeckt Kartoffelpüree. 


Das Rezept stammt leicht angepasst aus ARD Buffet 9/10.

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Ein sahniges Halali: Jägertorte mit Preiselbeeren

"Auf der Jagd nach Preiselbeeren" könnte die Überschrift auch lauten, denn die hatte ich beim ersten Einkauf vergessen. Also nochmal los und wieder zuhause dann das: Es sind die falschen Preiselbeeren! Ich brauche sie pur, in einfache Flüssigkeit eingelegt, und was habe ich gekauft? Die mit Glibber. Ihr wisst schon, die, die wie Marmelade im Glas und am Löffel kleben bleiben. Aber wie so oft ist das Glück mit den Dummen und ich habe festgestellt, dass ich mir auf diese Art einen beträchtlichen Arbeitsschritt gespart habe - nämlich das Einkochen und Gelieren der Preiselbeer-Masse, die äußerst wahrscheinlich ganz genau so schmecken würde wie mein vermeintlicher Fehlkauf. Die Torte entpuppt sich für mich also zu einem wahren Schnellschuss, was die Zubereitung betrifft. Was die Tortendekoration anbelangt, so verläuft die Grenze zum Kitsch oft fließend und auch dieses Mal musste ich hysterisch kichern, als plötzlich die Sahnehäubchen zu weißen Mini-Tannenbäumchen mutierten und ich mir vorstellte, wie Fuchs und Hase sich auf meinem bunten Sahne-Preiselbeer-Schokoladen-NichtZitronenmelissedafürMinze-Traum Gute Nacht sagen. Fehlt nur noch der Playmobil-Hirsch, oder? Ach ja, und den Bock auf dem Bild habe ich ausnahmsweise mal nicht selbst geschossen. 


Für eine Springform mit 26cm Durchmesser:
Für den Rührteig:
150 g Butter
150 g Zucker
1 Pk. Vanille-Zucker
4-5 EL Rum
1 Prise Salz
4 Eigelb
60 g Mehl
2 gestr. EL Backpulver
1 Tafel geraspelte Edelbitterschokolade
150 g gemahlene Mandeln
4 Eiweis

Für die Füllung (ich gebe jetzt die "vorgesehene Preiselbeerversion" an, wer es sich einfach machen möchte, so wie ich, kauft die Gelee-artigen Preiselbeeren im Glas):
2 Gläser Preiselbeeren im Saft (Abtropfgewicht je 135 g)
1 Pk. roter Tortenguss
250 ml Preiselbeersaft (aus den Gläsern)
1 TL Zucker
600 g Sahne
2 Pk. Sahnesteif
2 Pk. Vanillezucker
Zum Garnieren: Zitronenmelisseblätter (ich habe Minze genommen, die war gerade noch vorrätig) und ca. 30 g geriebene Edelbitterschokolade

Für den Teig die Butter mit dem Handrührgerät geschmeidig rühren. Nach und nach Zucker, Vanillezucker, Rum und Salz unterrühren. So lange rühren, bis eine gebundene Masse entstanden ist. Die Eigelb nach und nach unterrühren. Mehl mit Backpulver mischen, sieben und unterrühren. Schokoladenraspel und Mandeln unterrühren (übrigens: Ich habe die Schokolade mit einem großen, glatten Messer auf einem Brett feingehackt, das hat für mich persönlich besser geklappt als das ganze zu reiben). Eiweiß steif schlagen und vorsichtig unter den Teig heben. 
Eine Springform fetten und den Boden mit Backpapier auslegen. Den Teig hineingeben, glattstreichen und im vorgeheizten Ofen bei 180°C etwa 40 Min. backen. 
Nach Ende der Backzeit den Gebäckboden aus der Form lösen, auf ein Kuchengitter stürzen und abkühlen lassen. Den Boden einmal waagrecht durchschneiden. 
Für die Füllung die Preiselbeeren in einem Sieb abtropfen lassen, den Saft dabei auffangen und 250 ml abmessen. Einen Guss aus Tortengusspulver, Preiselbeersaft und Zucker nach Packungsanweisung zubereiten. Die Hälfte der Preiselbeeren unterrühren (dieser gesamte Teil entfällt natürlich, wenn ihr die Glibber-Preiselbeeren gekauft habt, da ist die Masse schon fest genug und kann direkt auf den unteren Gebäckboden gegeben werden). Den unteren Gebäckboden auf eine Tortenplatte legen. Die Preiselbeermasse darauf verteilen, dabei einen 1 cm breiten Rand frei lassen. Die Masse gut erkalten lassen. Sahne mit Sahnesteif und Vanillezucker steif schlagen. Unter die Hälfte der Sahne die Hälfte der Preiselbeeren (also die Hälfte der übrigen Hälfte sozusagen) rühren und auf der Preiselbeermasse verteilen. Den oberen Gebäckboden darauf setzen. Die Tortenoberfläche mit der Hälfte der restlichen Sahne überziehen, die andere Hälfte in eine Spritztülle füllen und damit die Torte verzieren. Mit den restlichen Preiselbeeren, Zitronenmelisseblättern und Raspelschokolade bestreuen. Und den Playmobilhirsch nicht vergessen. 


Das Rezept stammt leicht abgewandelt aus dem Oetker-Buch "Backen auf dem Lande". 

Sonntag, 18. Juli 2010

Morgendliches Kraftgepansche: Geeister Beeren-Ingwer-Cocktail

Feste Mahlzeiten durch Flüssignahrung ersetzen? Gar kein Problem! Im Münchner Hofbräuhaus hat mir ein Urbayer erklärt, dass man statt ein Schnitzel zu bestellen lieber zwei Maß trinken soll. Das sei schließlich die Götternahrung. Er musste es ja wissen, denn seinem Zustand nach zu urteilen hatte er schon diverse Schnitzel durch zwei Maß ersetzt, um als ergebener Untertan des Gottes der Volltrunkenheit seinem Herrscher zu frönen! Abgesehen davon habe ich morgens jedoch weder Lust auf Bier noch auf Schnitzel. Und Sommerzeit ist für mich außerdem auch Cocktailzeit! Ich brauche was kaltes, erfrischendes mit Früchten. Aber ein fruchtiger Mai Tai zum Frühstück wäre auch nicht gerade förderlich und würde die Tagesgestaltung deutlich verkomplizieren. Also heute auf jeden Fall ohne Alkohol. Beim Durchblättern von alten Rezeptheftchen bin ich fündig geworden und herausgekommen ist ein Getränk, das es in sich hat: Zink, Eisen, Calcium, Magnesium, Vitamine en masse, Antioxidantien und und und. Da kriegt man fast schon Angst.


Hier ist das Rezept für 2 Gläser:
150 g tiefgekühlte gemischte Beeren
1 Grapefruit
1 Stück Ingwer (frisch, ca. 2 cm lang)
30 ml Apfelsaft
80 ml Mineralwasser mit Kohlensäure
2 EL Haferflocken
Minze zum Dekorieren

Beeren antauen lassen, die Grapefruit auspressen, den Ingwer schälen und in dünne Scheiben schneiden. Alle Zutaten mit einem Pürierstab zerkleinen und locker aufschlagen. In Gläser füllen und mit Minze dekorieren. 


Wem dieser Cocktail morgens zu kalt ist , der kann die Beeren auch über Nacht auftauen lassen. Mir war er süß genug, gegebenenfalls kann man mit Honig oder (mein Favorit) Agavendicksaft nachsüßen.

Donnerstag, 8. Juli 2010

Beeren-Alarm: Johannisbeer-Marmelade, Chutney und ein feiner Sommerkuchen

Letztes Wochenende stand ein Familienfest auf dem Lande an. Für mich immer ein Grund zur Freude, denn das bedeutet praktisch Urlaub. Handy und Laptop bleiben die meiste Zeit aus oder werden schlichtweg vergessen und es gibt keinerlei Verpflichtungen. Außer vielleicht ein gutes Buch lesen, in der Sonne herumhängen, Sektchen schlürfen und nette Verwandtschaftsbesuche tätigen. So kann man leben, oder? Und wenn man sich doch zu etwas entschieden hat, was Arbeit bedeutet, wird es heimlich von der fast 90-jährigen Oma erledigt, bevor man überhaupt dazu kommt. Während die anderen Enkelinnen und ich morgens um 7 noch lange nicht ans Aufstehen denken, hat sie schon einen ganzen Eimer Johannisbeeren aus dem Garten zusammengepflückt, den ich mit nach Hause nehmen darf. Ich habe mich sehr gefreut und natürlich keine einzige Beere verkommen lassen. Zum Frühstück gibt´s ab jetzt feine Johannisbeer-Marmelade mit Schuss auf´s Brötchen, das Saucen-Sortiment für´s Grillen wird um ein süßsaures Chutney ergänzt und - das beste zum Schluss - der Nachmittag wird mit Kaffee und einem wirklich köstlichen Kuchen versüßt. 


Johannisbeermarmelade mit Vanille und Amaretto:
(Für 4-6 Gläser)
1 kg rote Johannisbeeren, Stiele und Blätter entfernt
500 g Gelierzucker 2:1
1 Vanilleschote
5 EL Amaretto


Johannisbeeren in einen großen Topf geben und grob zerstampfen. Erhitzen und unter Rühren den Gelierzucker und das ausgekratzte Mark der Vanilleschote dazugeben. 5-10 Minuten kochen lassen und dabei den Schaum abschöpfen, der sich an der Oberfläche bildet. Vom Herd nehmen und den Amaretto gut unterrühren. Noch heiß in saubere Schraubgläser füllen, verschließen und auf den Deckel gestellt abkühlen lassen. Wem die Kerne in der Marmelade nicht gefallen, der sollte das Ganze vor dem Abfüllen durch ein Sieb passieren. Dann gibt´s eben Gelee.

Hübsch beschriftet und mit einer Serviette oder einem Stück Stoff und einem Schleifchen verziert lassen sich die Gläser supergut verschenken. Es geht doch nichts über selbstgemachte Marmelade!

Johannisbeer-Chutney:
(Für 2-3 Gläser)
150 g Schalotten 
1 rote Chilischote
1 EL Zucker
80 ml Rotwein
50 ml Rotwein-Essig
2 Lorbeerblätter
eine Prise Salz
350 g Johannisbeeren, Stiele entfernt
100 g Gelierzucker 2:1


Schalotten in feine Streifen schneiden. Die Chilischote von den Kernen befreien und in Streifen schneiden.  Zusammen mit Zucker, Rotwein, Essig, Lorbeerblättern und Salz in einem Topf zum Kochen bringen und 5 Minuten einkochen lassen. Johannisbeeren dazugeben und Gelierzucker unterrühren. Unter Rühren weitere 5 Minuten sprudelnd kochen und sich bildenden Schaum abschöpfen. Eventuell eine Gelierprobe machen und ggf. mehr Gelierzucker hinzufügen. Allerdings sollte das Chutney nicht so stark gelieren wie Marmelade. Noch heiß in saubere Gläser füllen und verschließen. Auf dem Kopf stehend auskühlen lassen. Hält sich mindestens 2 Wochen im Kühlschrank. Das Chutney schmeckt gut zu gegrilltem Fleisch, aber auch zu Wild und Tafelspitz. 

Und jetzt kommt der Kuchen, den ich übrigens definitiv in meine Sommer-Favoritenliste aufnehmen werde. Gut gekühlt schmeckt er am besten!

Johannisbeer-Schmand-Kuchen: 
(Rezept für 12 Stücke bzw. eine Tarteform mit 26 cm Durchmesser)
Für den Mürbteig:
200 g Mehl
1/2 TL Backpulver, 1 Prise Salz
75 g Zucker
1 Pk Vanillezucker
100 g Butter


Für den Belag:
500 g Johannisbeeren
4 Eier
100 g Zucker
1 TL abgeriebene Zitronenschale
Saft von 1/2 Zitrone
50 g sehr fein gemahlene Mandeln
500 g Schmand
Puderzucker zum Bestäuben

Für den Mürbteig alle Zutaten in einer Schüssel mit 1-2 EL kaltem Wasser rasch zu einem glatten Teig verkneten. Eine Tarteform fetten. Teig auf wenig Mehl etwas größer als die Form dünn ausrollen. Die Form mit dem Teig auslegen, dabei einen Rand formen und alles 30 Minuten kalt stellen.


Die Johannisbeeren von den Rispen streifen, kurz unter fließendem Wasser abspülen und gut abtropfen lassen. Den Backofen auf 180°C vorheizen. Für den Guss Eier, Zucker und Zitronenschale mit dem Handrührer schaumig schlagen. Zitronensaft und Mandeln unterrühren und den Schmand unterheben. Erst die Hälfte der Johannisbeeren auf dem Mürbteigboden verteilen, dann den Guss darübergeben und zum Schluss die restlichen Beeren auf dem Guss verteilen. Den Kuchen im vorgeheizten Backofen auf mittlerer Schiene ca. 45 Minuten backen. Nach Ende der Backzeit in der Form auskühlen lassen und anschließend mit Puderzucker bestäubt servieren.  

Donnerstag, 1. Juli 2010

Für die sommerliche Kaffeetafel: New York Cheesecake mit Heidelbeeren

Endlich ist das Sommerwetter beständig und man kann die Mahlzeiten und die Kaffeekränzchen nach draußen verlegen. Wenn man es aushält! Was waren wir weinerlich über das Schmuddelwetter im Mai und teilweise Juni, aber dass es dann gleich so runterbrezelt? Der Wahnsinn! Denken und Bewegungen fallen schwerer bei diesen Temperaturen, teilweise sogar das Essen. Deswegen greift man gerne auf kühle Salate und leichte Sommergerichte zurück. Ähm, ja...Und welches Stichwort vom letzten Satz passt jetzt nicht wirklich zu diesem Rezept? Genau! Und wem macht das überhaupt gar nichts aus? Hey, schon wieder richtig!


Hier kommt das Rezept für 8 Stücke:
Für den Boden:
300 g Vollkornkekse
150 g flüssige Butter

Für den Belag: 
500 g Quark
350 g Doppelrahmfrischkäse
100 g Zucker
50 g Speisestärke
2 TL Vanillezucker
3 Eier
80 g Schlagsahne
100 g weiße Schokolade
150 g Heidelbeeren


Backofen auf 175°C vorheizen. Die Kekse fein zerkleinern und mit der flüssigen Butter mischen. Die Keksmischung auf dem mit Backpapier ausgelegten Boden einer Springform (23 cm) verteilen und gut andrücken. Im vorgeheizten Ofen auf mittlerer Schiene 10 Minuten backen, dann herausnehmen und abkühlen lassen. 
Den Frischkäse mit dem Quark glattrühren. Zucker, Speisestärke und Vanillezucker mischen und unter die Quarkmasse rühren. Die Eier nacheinadner unterrühren, die Sahne steif schlagen und ebenfalls unterheben. 
Schokolade grob zerkleinern und über einem warmen Wasserbad schmelzen, dann in die Quarkcreme rühren. Die Creme auf dem gebackenen Boden verteilen und glatt streichen. Heidelbeeren waschen, gut abtropfen lassen, trocken tupfen und auf dem Kuchen verteilen. Auf der mittleren Schiene im Backofen 40 Minuten backen (eventuell die letzten Minuten mit Alufolie abdecken, damit der Kuchen nicht zu dunkel wird - ratet, wer das vergessen hat!). Nach Ende der Backzeit noch ein paar Minuten im ausgeschalteten Ofen ruhen lassen. Danach auskühlen lassen. 


Das Rezept stammt aus der nagelneuen deutschen Version der Zeitschrift Food and Travel, von der ich angenehm angetan bin, nicht zuletzt wegen den schönen Fotografien. Ich habe die Mengenangaben etwas verändert und den Kuchen sogar noch deutlich entmächtigt. Er hat uns gut geschmeckt, das nächste Mal werde ich aber doch etwas vom geliebten Zitronenabrieb mit drangeben, der bei einem Käsekuchen für mich nicht fehlen darf.