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Dienstag, 16. April 2013

Rote Linsensuppe mit Kokosmilch und Kalonji-Samen: Tschüss, Kälte!

Nachdem die Temperaturen in den letzten Tagen schon so etwas wie Frühling vermuten ließen, der Gesang der Vögel bei geöffnetem Schlafzimmerfenster sich zu einem polyphonen Meisterwerk steigerte, der alljährliche tussieske Schock über das (vermeintliche) Fehlen von Frühlingsklamotten eingetreten war und übers Wochenende die Nase um ein paar Sommersprossen reicher wurde, ist es nun an der Zeit, die Kälte ein für alle Mal zu verabschieden. Juhu! In den letzten Wochen haben wir vor allem abends oft Gemüsesuppen gegessen, das geht nach einem langen Bürotag schnell und wärmt das kleine Bumperherzchen. Ich habe ganz einfach mit Brühe und ein bisschen Sahne das püriert, was an Gemüse im Kühlschrank so herumlag, und dann nach Gusto mit Gewürzen verfeinert. Für diese Rote Linsensuppe mit Kokosmilch braucht´s ein klein wenig mehr Aufwand, der sich aber absolut lohnt, denn es war die allerbeste Suppe, die wir seit langem gegessen haben und sie ist wärmstens zu empfehlen. Neu war für mich die Art der Zubereitung, nämlich zuerst die Gewürze in purem Wasser zu kochen und dann erst die Linsen und die Brühe hinzuzufügen. Also, ich würde sagen: Man darf diese Suppe auch im Frühling essen, auch wenn sie dank ihrer Gewürzvielfalt und Cremigkeit recht "gemütlich und einheizend" und somit auch ideal für kühlere Tage ist. Gibt´s eben doppelt warme Gedanken. ;-)


Hier kommt das Rezept: 

Rote Linsensuppe mit Kokosmilch und Kalonji-Samen für 2-3 Portionen 
140 g rote Linsen 
1 große Knoblauchzehe, geschält 
1/2 Zwiebel, grob gewürfelt 
ein etwa daumengroßes Stück Ingwer, geschält 
1 kleines Stück Zimtstange, etwa 3 cm 
3 Nelken 
1 TL Kardamomkapseln 
1 TL Pfefferkörner 
2 Lorbeerblätter 
½ rote Chilischote 
½ gestr. TL Salz 
reichlich frisch gem. schwarzer Pfeffer 
1 TL Kurkuma 
1 TL Paprikapulver (rosenscharf) 
375 ml Gemüsebrühe 
75 ml Kokosmilch 
Salz, eine Prise Zucker 

Außerdem für das Gewürz-Topping: 
1 Knoblauchzehe 
1 Frühlingszwiebel 
½ rote Chilischote 
2 EL rote Zwiebel, fein gehackt 
1 TL Öl
½ gestr. TL Kreuzkümmel 
½ TL Kalonji-Zwiebelsamen 



Die Linsen kurz abbrausen und in einem Sieb gut abtropfen lassen. 250 ml Wasser zum Kochen bringen. Zimt, Nelken, Kardamom, Pfefferkörner und Lorbeerblätter in ein Teesieb geben. Chili waschen, putzen und fein würfeln. Knoblauch, Zwiebel, Ingwer, Chili und übrige Gewürze zusammen mit dem Teesieb ins heiße Wasser geben, 10 Minuten kochen lassen, dann Teesieb herausnehmen. Linsen und Gemüsebrühe zufügen und etwa 15 Minuten köcheln lassen. Mit Salz und Zucker abschmecken. 
Für das Topping Knoblauchzehe abziehen und in feine Scheiben schneiden, Frühlingszwiebel und Chilischote in feine Ringe schneiden. Öl in einem Topf erhitzen, Kreuzkümmel und Kalonji-Samen unter Rühren 1 Minute erhitzen, dann rote Zwiebeln, Frühlingszwiebeln, Knoblauch und Chili dazugeben und alles leicht anbräunen lassen. 
Eine Kelle voll Linsen aus dem Topf nehmen und beiseite stellen, den Rest fein durchpürieren. Nun die Kokosmilch gut unterrühren. Wenn die Suppe zu dick ist, etwas mehr Kokosmilch oder ggf. Wasser hinzugeben. Auf tiefe Teller verteilen, übrige Linsen wieder darauf verteilen und mit dem Gewürz-Topping servieren.



Das Rezept habe ich beim Blättern in einem alten Indien-Special der Zeitschrift Kreativ-Küche aufgeschnappt. Habt noch eine schöne Woche!
... äh, und irgendwie ist die Suppe doch eher gelb als rot, oder? ;-)

Dienstag, 1. Januar 2013

Happy 2013 und ein Wohlfühl-Eintopf mit weißen Bohnen, Linsen und Hackfleisch

Hi there, ich hoffe ihr hattet alle einen glücklichen Start ins neue Jahr und habt schön gefeiert! Habt ihr vielleicht sogar eine klitzekleine oder auch größere Matschbirne? Ist ja nicht schlimm, hat an Neujahr doch fast jeder. Ich hatte das sogar schon als Kind. Nicht etwa, weil schadenfrohe Verwandte Vodka in die Fruchtbowle gemischt haben, sondern weil einfach alles so aufregend und spannend war. Man durfte lange aufbleiben und um zwölf hat der Opa die Raketen direkt aus der Hand in den Himmel zischen lassen (don’t try this at home). Man selbst stand wie ein Michelin-Männchen verpackt daneben, wackelte vor Begeisterung mit den Ärmchen und hüpfte umso mehr auf und ab, je bunter das Feuerwerk war. Und es gab Knallerbsen – für mich damals die Ausgeburt pyrotechnischer Genialität! Sie funktionierten ganz ohne Feuer, an das man als Kind ja bekanntlich nur schwer herankommt, und es gelang mir sogar einmal, ein paar davon aufzuheben und mit in den Kindergarten zu schmuggeln. Dort galt ich an diesem Tag als Magierin, als Herrscherin über die Knallgewalt, der man mit Tonnen von Spielzeug huldigen musste, um sie gnädig zu stimmen. Das funktionierte so lange außerordentlich gut, bis die erste Knallerbse zwischen den Füßen der Kindergärtnerin landete. Mit der Zeit ist die Knallerei deutlich in den Hintergrund gerückt und ich beschränke mich aufs Kreischen, wenn Raketen und Böller durch die Gegend fliegen. Am Neujahrstag - heute - genieße ich die Ruhe, die über der Stadt liegt. Ich beginne also dieses Jahr mit einem einem Rezept für einen Eintopf zum Wohlfühlen, der dazu einlädt, es sich mit einem großen Löffel und einem tiefen Teller gemütlich zu machen.
Ich wünsche euch ein wunderbares Jahr 2013 und nicht zuletzt weiterhin viele kulinarische Höhepunkte und Unmengen von Spaß an den Kochtöpfen! Es ist schön, dass ihr hier seid. Vielen Dank für eure Besuche, die lieben Kommentare und Nachrichten, auch in den Zeiten, in denen hier nicht so viel (äh...gar nichts) los war. 



Hier kommt das Rezept für 2-3 Portionen 
2 EL Olivenöl 
2 Schalotten, fein gehackt 
2 Stangen Sellerie, fein gewürfelt 
2 kleine Karotten, fein gewürfelt 
1 Knoblauchzehe, fein gehackt 
400 g Hackfleisch vom Rind 
1 TL Kreuzkümmel, gemahlen 
1 Prise Zimt 
1 Prise Zucker 
2 Lorbeerblätter 
2 EL Tomatenmark 
ca. 800 ml Gemüsebrühe 
300 g Tomatenstücke (abgetropft aus der Dose) 
100 g Linsen 
300 g weiße Bohnen (gekocht oder abgetropft aus der Dose) 
½ Bund Petersilie, gehackt 
Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer 



Olivenöl in einem großen Topf erhitzen. Schalotten, Sellerie und Karotten darin andünsten und ein bisschen Farbe nehmen lassen. Knoblauch und Hackfleisch sowie Kreuzkümmel dazugeben und unter braten, bis das Hackfleisch leicht gebräunt und krümelig ist. Zimt, Zukcer, Lorbeerblätter und Tomatenmark zufügen, die Brühe angießen und mit Deckel ca. 45 Minuten leise köcheln lassen. Tomaten und Linsen unterrühren und weitere 20 Minuten köcheln lassen, bis die Linsen gar sind. Der Eintopf sollte dabei etwas eindicken, ggf. die Temperatur erhöhen und stärker einkochen lassen. Die weißen Bohnen unterrühren und 10 Minuten ziehen lassen, zum Schluss kräftig mit Salz und Pfeffer abschmecken und die Petersilie unterrühren. Mit Weißbrot servieren.


Dienstag, 14. Februar 2012

Set fire to the Rhön: Linseneintopf mit Rhönwurz und Chili

Ich weiß, es ist langweilig und nervtötend, wenn man ständig über´s Wetter nörgelt und auch noch darüber schreibt. Ich hoffe ihr seht es mir noch einmal nach. Just in diesem Moment schneit es auch schon wieder dicke Flocken und so langsam habe ich die Kälte wirklich satt und sehne mir nichts inständiger herbei, als das Frühjahr und Wärme! Mittlerweile helfen auch meine Anti-Kälte-Vorrichtungen nichts mehr, auch nicht, dass ich mich abends nach der Arbeit an der Straßenbahnhaltestelle extra nahe vor die überdimensionalen Werbetafeln mit David Beckham in Unterwäsche stelle. Es muss also wie so oft die Wärme von innen sein, die mich bis zu den ersten warmen Sonnenstrahlen rettet. Was eignet sich da besser als feurige Chili? Ok, hätte ich Chorizo anstelle von Rhönwurz verwendet, wäre es noch ein bisschen schärfer geworden. Rhönwurz hatte ich aber noch hier und weil sie mir als Einlage in diesem Steckrübeneintopf so gut geschmeckt hat, gibt´s hier ein Revival mit neuer Begleitung. 


Hier kommt das Rezept für 4 Personen:
400 g Berglinsen
2 Zwiebeln
2 Knoblauchzehen
1/2 Knollensellerie
3 Karotten
3 rote Chilischoten
4 Stück getrocknete, in Öl eingelegte Tomaten
2 Stangen Lauch
2 EL Butterschmalz
2 TL Tomatenmark
200 ml Rotwein (trocken)
ca. 800 ml Gemüsebrühe
4 Stück Rhönwurz (oder eine andere Sorte, z.B. Kaminwurz oder gleich Chorizo, dann wird´s noch feuriger)
4 EL Balsamico-Essig
1/2 Bund Petersilie

Linsen gut waschen und über einem Sieb abtropfen lassen. 1 Zwiebel, Knoblauchzehen, Knollensellerie und Karotten schälen und in kleine Würfel hacken. Chilischote waschen und in feine Ringe schneiden (ich lasse je nach Schärfegrad die Kerne drin, ihr könnt sie aber auch entfernen). Getrocknete Tomaten in Scheiben schneiden, Lauch waschen und in Ringe schneiden. In einem großen Topf 1 1/2 EL Butterschmalz erhitzen, Zwiebeln, Knoblauch und 2/3 der Chiliringe darin andünsten. Tomatenmark, Karotten, die getrockneten Tomaten, Sellerie und Lauch kurz mit anbraten. Abgetropfte Linsen dazugeben und alles gut verrühren. Mit Rotwein ablöschen, dann Brühe angießen und mit geschlossenem Deckel ca. 30 Minuten leise köcheln lassen. Die übrige Zwiebel schälen und in feine Ringe schneiden, Rhönwurz in 1-2 cm breite Scheiben schneiden. 1/2 EL Butterschmalz erhitzen, Rhönwurz, 1/3 der Chiliringe und Zwiebelringe darin anbraten. Linseneintopf mit Balsamico-Essig abschmecken und mit etwas Salz und Pfeffer würzen. Petersilie kurz abbrausen, trocken schütteln und fein hacken. Zum Eintopf geben und mit Rhönwurz, Chili- und Zwiebelringen servieren.


Was die Überschrift soll? Kennt ihr etwa nicht das Lied "Set fire to the Rhön"? Wenn mir ein Weltstar wie Adele die Rezeptidee quasi entgegenbrüllt, kann man ja wohl nicht Nein sagen.
... und ich schwöre euch, ich werde das Lied nie wieder wie früher hören können und muss ab jetzt immer an die Wurst denken! Ihr auch? ;-)

Sonntag, 13. November 2011

Wilde Saucengefühle: Hirschmaultäschle auf Linsensauce

Im letzten Beitrag habe ich ja schon erwähnt, dass bei uns die Hirsche im Gegensatz zum gesuchten Wildschwein den Jägern offenbar leichter vor die Flinte hüpfen. Deswegen gibt´s heute doch mal was mit Hirsch! Und das, obwohl das Rezept eigentlich Reh als Füllung vorsieht. Aber die Verfügbarkeit von Wild lässt sich nur schwer beeinflussen, und so essen wir gerne, was da ist. Die Linsensauce dazu fanden wir den absoluten Knaller und ich habe schon wieder ungehalten und entgegen meines Abkommens mit mir selbst während dem Kochen aus dem Topf gelöffelt. Eher geschaufelt. Ähähäm. Aber ich verbuche das einfach unter "ausschweifendem Abschmecken". Ach, und die rasende Liebeswut des verrückten Keilers hat übrigens ein Ende - mausetot liegt er im hessischen Zentrallabor und wird seziert. 



Hier kommt das Rezept für 3-4 Personen:
(Im Originalrezept wird Reh verwendet.)
Für den Teig:
150 g Mehl
30 g Hartweizenmehl (ich habe ganz feinen Hartweizengrieß genommen)
3 Eigelbe
1 Ei
1 TL Olivenöl
Salz
1 EL fein geschnittene Petersilie
1 Eigelb zum Bestreichen

Füllung:
100 g Hirschfleisch
20 g durchwachsener Räucherspeck
1/8 l Milch
1 Brötchen vom Vortag
100 g Spinat
Salz
1 Zwiebel
1 EL Butter
1 Ei
2 EL fein geschnittene Petersilie
Pfeffer, 2-3 zerstoßene Wacholderbeeren
Frisch geriebene Muskatnuss

Für die Linsensauce
100 g Berglinsen
2 Zwiebeln
1 Knoblauchzehe
2 Möhren
1 EL Butter
¼ l kräftiger Rotwein
¼ l Fleischbrühe
1 kl. Kartoffel
½ Bund Thymian
½ Bund Petersilie
1 kleine Tomate
2 EL Essig
Salz, Pfeffer
Frisch geriebene Muskatnuss


Die Linsen für die Sauce 2 Stunden oder länger in Wasser einweichen.
Für den Nudelteig die beiden Mehlsorten in eine Schüssel geben und eine Mulde eindrücken. Eigelbe, Ei, Öl und eine Prise Salz hineingeben und alles zu einem sehr festen Teig verkneten. Zunächst etwas weniger Mehl nehmen und den Teig weich „ankneten“. Dann immer mehr Mehl unterkneten bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. Die Petersilie unterkneten, Teig in Frischhaltefolie gewickelt ca. 30 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen.
Inzwischen für die Füllung das Hirschfleisch sehr fein schneiden oder durch den Fleischwolf drehen. Speck sehr fein würfeln. Milch erhitzen. Brötchen würfeln, mit der Milch übergießen und einweichen lassen. Spinat putzen, waschen und in reichlich kochendem Salzwasser ca. 1 Minute blanchieren. Eiskalt abschrecken, gut ausdrücken und fein schneiden. Die Zwiebel schälen, würfeln, in der Butter anrösten und in eine Schüssel geben. Das Brötchen ausdrücken und mit Hirschhackfleisch, Speck, Spinat, Ei und Petersilie dazugeben. Alles mit Pfeffer, Salz, Wacholder und Muskat würzen und gut durchkneten, damit die Füllung eine Bindung bekommt.
Für die Linsensauce Zwiebeln, Knoblauch und Möhren schälen und würfeln. Zwiebeln und Knoblauch in der Butter anrösten, Möhren und eingeweichte Linsen dazugeben. Knapp ¼ l Rotwein und die Brühe angießen. Die Kartoffel schälen und in die Linsen reiben. Alles ca. 30 Minuten kochen lassen, bis die Linsen weich sind. Inzwischen Thymian und Petersilie waschen und trocken schütteln. Blättchen abstreifen bzw. hacken. Tomate waschen und ohne den Stilansatz würfeln und zum Schluss mit Thymian, Petersilie und Essig untermischen. Alles aufkochen und soviel Rotwein dazugießen, dass die Sauce eine sämig-flüssige Konsistenz hat. Die Sauce mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken.
Inzwischen mit einer Nudelmaschine oder einem Nudelholz den Teig zu dünnen Platten ausrollen. Eine Teigplatte im Abstand von ca. 5 cm jeweils mit 1 TL Füllung belegen. Freie Teigfläche zwischen den Füllungen mit verquirltem Eigelb bepinseln. Eine zweite Teigplatte darüberlegen und gut andrücken, Füllung flach drücken. Maultaschen ausschneiden und zum Servieren ca. 10 Minuten in leicht kochendem Salzwasser garen. Die Hirsch-Maultäschle auf der Linsensauce anrichten. 


Das Rezept stammt von Vincent Klink, einer der Köche, von dem ich mit am liebsten lerne. Die Maultäschle waren in Ordnung, allerdings würde ich das nächste Mal das Fleisch doch durch den Wolf drehen, damit die Masse homogener wird, ich habe es zu grob geschnitten. Und ich muss noch stärker und deftiger würzen. Mir ist die Masse eher bröckelig und zu fad geraten und im Vergleich zur wirklich supertollen Linsensauce gingen die Maultäschle etwas unter, obwohl ich ihnen eigentlich zu Beginn die Hauptrolle zuordnen wollte. 

Mittwoch, 7. September 2011

Viele Löffel voller Gemütlichkeit: Lammtopf mit Kichererbsen und Linsen

Es wird immer herbstlicher da draußen, findet ihr nicht? Für mich ist es jedenfalls an der Zeit, das Strickjackenabteil des Kleiderschranks wieder mal genauer anzuschauen und nachts nicht mehr sämtliche Fenster offen zu lassen. Brrrr! Aber es ist doch eine wunderbare Einrichtung der Natur, dass just in diesen Tagen auch wieder meine Lust auf wärmende Eintöpfe und Schmorgerichte erwacht. Gestern gab es einen feinen Lammtopf, der eher aus einer Not heraus entstanden ist. Ich habe nämlich zum ersten Mal selbst einen Lammnacken ausgelöst und ehrlich, seitdem könnte ich glaube ich in jedem Horrorfilm als Bösewicht mitspielen. Was für ein Gemetzel, ich bin froh, dass ich noch alle Finger habe! Es hat Ewigkeiten gedauert, ich bin fast wahnsinnig geworden und am Ende gab es einen riesenhaften Berg Fett und Sehnen, einen Knochen und ein mickriges Häufchen fein marmoriertes Lammfleisch, das definitiv zu wenig für einen Alleingang war. Wahrscheinlich habe ich irgendwas falsch gemacht, aber diese schönen, zarten Fleischpartien haben sich wie verhext besonders fest am Knochen festgekrallt. Das nächste Mal bitte ich wohl lieber wieder meinen Metzger, das Auslösen für mich zu erledigen, und beschränke mich auf´s Kochen. Den Knochen kann man sich für die Herstellung eines Lammfonds ja trotzdem einpacken lassen. 


Hier kommt das Rezept für 2 Personen: 
2 EL Olivenöl 
1 Zwiebel, gehackt 
1 Stange Sellerie, gewürfelt 
1 Karotte, gewürfelt 
2 Knoblauchzehen, fein gehackt 
1 TL Kreuzkümmel, gemahlen 
300 g Lammfleisch (meins war aus dem Nacken, das ist gut zum schmoren) 
1 TL Kurkuma, gemahlen 
1 TL Paprikapulver 
½ TL Cayenne-Pfeffer 
1 Prise Zimt 
½ TL Zucker 
1 Lorbeerblatt 
1 EL Tomatenmark 
600 ml Lammbrühe (geht auch mit Gemüsebrühe) 
200 g Kichererbsen (über Nacht eingeweicht und nach Packungsanweisung gegart oder aus der Dose) 
100 g Linsen 
1 Dose stückige Tomaten, abgetropft 
Salz 
eine Handvoll Petersilie, gehackt 
Fladenbrot zum Servieren

Öl in einem großen Topf erhitzen. Zwiebeln, Sellerie und Möhren darin andünsten und leicht anbräunen. Knoblauch, Kreuzkümmel und Lamm dazugeben und mitbraten. Gewürze, Zucker, Lorbeerblatt und Tomatenmark unterrühren und die Brühe angießen. Ca. 1 Stunde zugedeckt köcheln. 
Tomaten, Kichererbsen und Linsen dazu geben und weitere 30 Minuten kochen, bis die Linsen gar sind. Kräftig mit Salz abschmecken und die gehackte Petersilie unterrühren (dabei etwas zur Garnitur aufheben). Mit frischem Fladenbrot servieren. 



Das hat so schön deftig und gemütlich geschmeckt, jetzt kann der Herbst von mir aus kommen. Ich kann mir bei diesem Gericht übrigens auch eine vegetarische Variante sehr gut vorstellen, dann eben die Lammbrühe durch Gemüsebrühe ersetzen. Ein schnelles Rezept für Fladenbrot findet ihr übrigens am Ende dieses Beitrags. 

Montag, 18. April 2011

Lückenbüßer II: Brokkoli-Kartoffelsalat mit Ei

Die Sonne scheint, es wird Zeit ans Grillen und die dazugehörigen Beilagensalate zu denken! Und wie sollte es auch anders sein, da ist es wieder, mein Kartoffelsalat-Dilemma. Nach gefühlten 21635 Versuchen habe ich es nun wirklich fast aufgegeben, einen schlichten Kartoffelsalat mit tatsächlich nur Kartoffeln so perfekt hinzubekommen wie die werte Frau Mama. Ich mache nun einfach immer "Kartoffelsalat+", also noch mit irgendetwas anderem als Kartoffeln dazu. Zum Beispiel wie hier Kartoffelsalat+Brokkoli. Ach ja, und +Ei, +Radieschen und +Linsen auch noch. Also quasi Kartoffelsalat++++. Schmeckt auch gut! Ich wünsche euch allen einen guten Wochenstart mit viel Sonne und Vorfreude auf ein schönes, langes Osterwochenende.


Hier kommt das Rezept für 2 Portionen: 
400 g festkochende Kartoffeln
400 g Brokkoli
250 ml Gemüsebrühe
30 g rote Linsen
2 Eier
50 g Radieschen
Für das Dressing:
2 EL Weißweinessig
3 EL Sonnenblumenöl
Salz, Pfeffer, Zucker
1/2 Kästchen Kresse

Kartoffeln schälen und in ca. 0,5 mm dicke Scheiben schneiden. Brokkoli putzen, in kleine Röschen teilen und waschen. Gemüsebrühe aufkochen, Kartoffeln dazugeben und ca. 3 Minuten garen. Brokkoli und Linsen zugeben und weitere 8-10 Minuten garen. Abgießen, in eine Schüssel geben und abkühlen lassen. Eier ca. 8 Minuten hart kochen, abschrecken, schälen und vierteln. Radieschen waschen, in dünne Scheiben schneiden und unter den Brokkoli mischen. 
Für das Dressing Essig und Öl mit Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker verrühren. Kresse abschneiden. Brokkoli, Linsen, Kartoffeln und Radieschen mit dem Dressing vermischen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Auf Teller verteilen, Eier dazusetzen und mit Kresse bestreut servieren.


Quelle: Köstlich Vegetarisch 2/11, ich habe die Mengenangaben leicht an unsere Vorlieben angepasst.

Übrigens: Wenn ihr ein 1a-bombensicheres Kartoffelsalatrezept für mich habt, würde ich mich freuen, wenn ihr es in den Kommentaren verlinkt oder aufschreibt, denn das würde ich gerne ausprobieren. 

Sonntag, 10. Januar 2010

Orient Express: Warmer Linsensalat mit gegrillter Paprika und Frühlingszwiebeln

Ein gutes Kochbuch ist die beste Lektüre! Zu meinen neueren Errungenschaften gehört Sam & Sam Clark´s Moro East. Ein wunderschön designtes Werk mit vielen authentischen Fotografien und einer spanisch-marokkanisch-mediterranen Küche ganz nach meinem Geschmack. Es ist bereits das dritte Kochbuch der beiden Sams, die in London das dazugehörige Restaurant betreiben – und ich bin ganz verwundert warum ich nicht schon viel früher darauf aufmerksam geworden bin. Gestern hat mir das Buch als Bettlektüre gedient, ein mit umfangreichen Kochbüchern manchmal durchaus schwieriges Unterfangen. Ich bin immerhin noch bis Seite 134 gekommen bevor mir die Augen zugeklappt sind – dann ist mir der Linsensalat mit gegrillten Frühlingswiebeln und Paprika sozusagen ins Gesicht gefallen. Wem das auch schon mal mit einem über ein Kilo schweren Buch passiert ist, der weiß, dass das ordentlich reinhaut. Grund genug zur Rache: „Dich koch ich morgen weg, du ver******* Linsensalat!“



Hier ist das Rezept für 4:
175 braune Linsen
300g Frühlingszwiebeln
2 rote Paprikaschoten
1 kleines Bund glatte Petersilie, grob gehackt

Dressing:
4 EL Olivenöl
1 EL Rotwein- oder Sherryessig mit ½ TL Zucker
½ kleine Knoblauchzehe, mit Salz zu einer Paste zerrieben




Zubereitung:
Für das Dressing alle Zutaten miteinander vermischen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Linsen in einen Topf geben und mit Wasser bedeckt zum kochen bringen. Dann die Hitze reduzieren und 15-20 Minuten leicht köcheln lassen bis sie gerade durch sind. Es ist wichtig, dass sie ihre Form behalten und nicht zerfallen. Vom Herd nehmen, etwas salzen und beiseite stellen.
Die Frühlingszwiebeln und Paprika im Ganzen auf dem Grill oder über einer Flamme grillen (ich habe sie auf dem Rost bei 230°C im Backofen gegrillt) bis die Haut bräunt und die Gemüse weich werden. Herausnehmen und in einem Gefrierbeutel oder unter Frischhaltefolie etwas ruhen lassen, die Haut wird dadurch weicher. Wenn alles ein bisschen abgekühlt ist, dunkle Stellen an den Frühlingszwiebeln entfernen und sie dann in 5cm lange Stücke schneiden. Die Paprika enthäuten, entkernen und in dünne Streifen schneiden. Frühlingszwiebeln und Paprika in einer großen Schüssel mit der Petersilie vermischen. Die noch warmen Linsen abgießen, dabei 3-4 TL vom Abgießwasser auffangen. Dann die Linsen mit dem Dressing und dem Abgießwasser in die Schüssel mit den anderen Zutaten geben, alles gut vermengen und servieren. 

Sonntag, 8. November 2009

Linsenliebe

Schon als Kind lernte ich zwei Dinge grundlegend zu unterscheiden: Die dünnflüssige, versalzene Linsensuppe meiner Tante von dem dampfenden, cremigen Linseneintopf meiner Oma. Während wir bei meiner Tante die Linsen in der grauen Brühe schon fast suchen mussten, saßen wir bei meiner Oma in der kleinen Wohnküche auf der gemütlichen Eckbank und konnten die schweren Silberlöffel gar nicht schnell genug zu unseren Mündern führen, so köstlich schmeckte es uns. Besonders gerne hatte ich die feinen Spätzle, die meine Oma immer mit ihrem großen Messer von einem Holzbrett direkt in kochendes Salzwasser schabte. Mal wurden sie dicker, mal dünner, und immer durften wir Kinder sie mit der alten, verbeulten Schaumkelle aus dem Topf fischen. Im Ofen brannte derweil ein kleines Feuerchen während draußen der kalte Herbstwind an den Fensterläden rüttelte. Noch heute ist dieses Gericht für mich pure Zufriedenheit zum Löffeln.




Rezept für 4:
400 g Linsen
ca. 1l Gemüsebrühe
2 Knoblauchzehen
1 Lorbeerblatt
200 g Suppengrün
1 Zwiebel, fein gewürfelt
2 Kartoffeln, fein gewürfelt
50g Speck, fein gewürfelt
8 Wienerle (oder ca. 400g Fleischwurst)
2 EL Essig
Salz, Pfeffer
1/2 Bund Petersilie, gehackt

Für die Spätzle:
200g Mehl
2 Eier
60ml Wasser
Salz


Die Linsen in der Gemüsebrühe zum Kochen bringen und mit dem Knoblauch und dem Lorbeer ca. 1 Stunde leicht köcheln lassen. Währenddessen die Zwiebel, das Suppengrün, die Kartoffeln und den Speck in einer Pfanne 10 Minuten braten und anschließend zu den Linsen geben.
Für die Spätzle Mehl, Eier, Wasser und eine Prise Salz zu einem zähflüssigen Teig verrühren. Wasser in einem großen Topf zum Kochen bringen und den Teig mit einem Spätzlehobel oder mithilfe eines Brettchens und Messers direkt hineinschaben. Sobald die Spätzle an der Oberfläche schwimmen, mit einer Schaumkelle herausnehmen. Abtropfen lassen und zu den Linsen geben. Den Eintopf mit dem Essig, Salz und Pfeffer abschmecken. Knoblauchzehen und Lorbeerblatt entfernen, Wienerle in Stücke schneiden und dazugeben. Mit der Petersilie bestreut servieren.