Sonntag, 30. Mai 2010

Spontanentscheidung: Orangen-Tiramisu

Heute Vormittag hat mir eine liebe Freundin einen Link zu einem Artikel über eine meiner Lieblings-Dessert-Sünden geschickt: Tiramisu. Doch was muss ich da lesen, Tiramisu sei gar kein Dessert? Zu gehaltvoll um nach einem gelungenen Hauptgang noch Platz zu haben, sagt einer, der´s wissen muss, nämlich Luigi aus Italien. Da gäbe es das nur bei den ganz großen Familienfesten wie Hochzeiten oder Beerdigungen, die sich ewig hinziehen und bei denen sich am Abend alle hungrig auf die Mascarpone-Bombe stürzen. Mein Weltbild wurde wieder einmal gründlich durchgerüttelt! Aber irgendwie hat er ja Recht, ich selbst finde es auch schöner, wenn ich nach einem köstlichen Menüabschluss nicht das Gefühl haben muss, dass meine Tischnachbarn und ich gleich in Fetzen durch die Luft fliegen. Hach, aber so ein feines Tiramisu, jetzt, so... Huh, was war denn das? Hab ich da Stimmen aus dem Kühlschrank gehört? Ich könnte schwören gerade hat jemand gerufen: "Hey, na mach schon, hol mich hier raus! Ich bin´s, die Mascarpone, und ich habe nur noch wenige Tage zu leben, also bereite mir gefälligst einen schönen Lebensabend!" Herrje, die hatte ich ja ganz vergessen. Gut, jetzt habe ich sowieso große Lust auf Tiramisu, und die Mascarpone soll ja auch nicht leiden wie ein armer Hund. Aber ich habe keine Löffelbiscuits im Haus! "Hhhnnnghh", ächzt es leise aus der Nähe der Kaffeemaschine. Ja Mensch, die Cantuccini! Sie sind wohl auch schon etwas älter, dann nehme ich doch die. Dennoch schade, die letzten Erdbeeren habe ich ins Frühstücksmüsli gerührt, also kann ich das im Link angegebene Rezept nicht ausprobieren. "Hey, wir sind auch noch da!" Mein Blick schießt auf die Obstschale. Oh, Hallo. Aber ihr seid alte, schrumpelige Saftorangen, die ich in einem Anfall von außersaisonalen Gelüsten gekauft habe. Wenn Orangenblicke töten könnten... 


Hier kommt das Rezept für 4-6 Portionen:

250 g Mascarpone
250 g Magerquark
120 g Puderzucker, fein gesiebt
1 Orange
5 EL Grand Marnier
50 ml Orangensaft
200 g Cantuccini
Je nach Geschmack: Weißes Kakaopulver zum Bestäuben


Die Mascarpone mit dem Magerquark verrühren, dabei den Puderzucker einrieseln lassen und gut unterrühren. Die Orange filetieren und in schmale Scheiben schneiden. Grand Marnier und Orangensaft mischen. Die Cantuccini mit dem Grand Marnier-Gemisch tränken, aber Achtung, ich hatte das Gefühl sie zerfallen viel schneller als Löffelbiscuits. Den Boden einer Form mit den getränkten Cantuccini auslegen. Dann eine Schicht Mascarpone-Crème darüber verteilen und mit den Orangenscheiben belegen. Es folgen je eine weitere Schicht Crème, Cantuccini und zum Abschluss noch einmal eine Crèmeschicht. Im Kühlschrank mindestens 3 Stunden durchziehen lassen und vor dem Servieren gegebenenfalls mit weißem Kakaopulver bestreuen.

Donnerstag, 27. Mai 2010

Für angenehmen Filmgenuss: Linsenconfit mit Paratha-Brot

Manchmal ist so ein kleiner Fernsehabend doch etwas Nettes. Bezüglich des Verhaltens dabei gibt es jedoch je nach Programm beträchtliche Unterschiede. Wenn beim Mädelsabend die Akronym-Shows über den Bildschirm flimmern, ist es eher nebensächlich, was dort passiert. Würde man sowieso nicht verstehen, wir sind viel zu sehr mit quatschen beschäftigt. Wenn man jedoch mit weniger Leuten einen spannenden Film anschaut, ist man eher still und verfolgt das Geschehen aufmerksam, um nicht ein wichtiges Detail zu verpassen. So ist das bei den meisten Menschen zumindest. Nicht so bei einer alten Freundin aus Ponyhof-Zeiten. Sie fiebert nämlich immer besonders mit. Sie schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, wenn einer das Auto gegen die Wand fährt. Sie beißt sich in die Faust und reißt die Augen auf, wenn ein Psychopath ums Haus schleicht. Sie lacht, liebt und leidet mit dem Protagonisten und unterstützt ihn mit verbaler Präzision: "Nicht diese Tür! NICHT DIESE TÜR, NEIIIIN!!! ... Verdammt, ich hab´s dir doch gesagt, du Vollpfosten!" Ansatzweise genervter Seitenblick meinerseits. "Pass auf, er hat ne Knarre! Da! Dadadaaaaaa!!!" Ich erkläre: "Du, der Film ist fertig abgedreht im Kasten, da kannste Kopfstand machen und trotzdem nichts ändern, Schätzchen." Fünf Sekunden Stille. "Oh nein, da ist er schon wieder, auf die Zwölf, Junge! Hau rein! Yeeaah!!" Dabei schwingt sie bedrohlich die Faust über dem Kopf. Ich seufze und zücke meine einzige Waffe: Essen. "Da, iss." ... und halt die Klappe! Den letzten Teil natürlich nur gedacht.


Hier kommt das Rezept für 4 Portionen:


Für die Paratha:
125 g Weizenmehl
125 g Vollkornmehl
1 TL Salz, 2 EL Öl
3 EL Ghee (ersatzweise Butterschmalz)
Mehl zum Arbeiten


Für das Püree:
3 Schalotten, geschält und fein gehackt
100 ml Rotweinessig
50 ml Wasser
1 gestr. EL Zucker
250 g schwarze Berglinsen
100 g rote Linsen
1 EL Kreuzkümmel
3 EL Sesampaste (Tahina)
4 EL Sesamöl
1 EL Olivenöl
Salz, Pfeffer


Für die Paratha die beiden Mehlsorten und Salz mischen. Öl und 125 ml Wasser zufügen. Den Teig in eine geölte Schüssel legen und mit Folie bedeckt etwa 30 Minuten ruhen lassen.
Für das Linsenconfit gesalzenes Wasser separat in zwei Töpfen zum kochen bringen. Im ersten Topf die schwarzen Linsen ca. 25 Minuten kochen, im zweiten die roten Linsen für ca. 10 Minuten. Wenn die Linsen gar sind (die roten müssen noch sehr bissfest sein, damit sie später ihre Form behalten), separat abgießen und dabei das Kochwasser der schwarzen Linsen auffangen. In einer Pfanne das Olivenöl erhitzen, die Schalotten dazugeben und andünsten. Drei Esslöffel vom aufbewahrten Kochwasser, den Essig und den Zucker dazugeben und einköcheln lassen, bis die Flüssigkeit aufgebraucht ist und die Schalotten zu karamellisieren beginnen. In einer Schüssel die schwarzen Linsen, 3 EL Sesamöl, den Kreuzkümmel und die konfierten Schalotten mit einem Mixstab pürieren, dabei das restliche Kochwasser nach und nach einlaufen lassen, bis ein geschmeidiger Püree entsteht. Nun die Sesampaste und die roten Linsen unterrühren, salzen und pfeffern und den verbleibenden EL Sesamöl dazugeben und gut vermischen. Es empfiehlt sich, einen EL rote Linsen erst ganz zum Schluss vor dem Servieren vorsichtig unterzuheben, denn sollten sie auch nur einen Tick zu weich gekocht sein, gehen sie bei zu starkem Rühren in der schwarz-braunen Masse unter und es sieht nicht mehr so appetitlich aus. 
Den Parathi-Teig in 8 gleich große Portionen zerteilen und auf einer bemehlten Arbeitsfläche zu dünnen Fladen mit einem Durchmesser von ca. 15 cm ausrollen. Ghee oder Butterschmalz in einer Pfanne erhitzen und die Fladen nacheinander von jeder Seite etwa zwei Minuten braten, vor dem Wenden jeweils die Oberfläche mit etwas Ghee oder Butterschmalz bestreichen. Die Fladen aus der Pfanne nehmen und sofort zu Dreiecken falten und mit dem Linsenconfit servieren. 


Mit den knusprigen Paratha lassen sich die Linsen wunderbar dippen. Wer den Geschmack von Sesamöl und vor allem Sesampaste nicht mag, sollte hiermit sparsamer umgehen, da man es doch gut herausschmeckt (was mir persönlich gefällt). Das Rezept für das Linsenconfit stammt aus der Zeitschrift Saveurs No°175, es ist nur geringfügig abgeändert, das Rezept für die Paratha ist aus dem Heft Kreativ Küche Indien 2/2007.

Montag, 24. Mai 2010

Die wilden Hühner: Hähnchen-Saltimbocca mit Tomatenspaghetti und Rucola

Nachdem kürzlich erst der Fleischwolf-Schocker an der Reihe war, könnte ich euch als nächsten Horror-Schwank aus der Kindheit die Geschichte vom Kopflosen Gockel erzählen. An diese muss ich immer denken, wenn ich Hühnchen esse. Aber erstens ist heute das Wetter zu schön für düstere Gedanken und zweitens ist das hier keine Geisterbahn und ihr sollt euch nicht ängstigen. Deswegen verzichte ich auf Details wie diese, dass der Gockel, nachdem ihm der Kopf mit einem rostigen Beil abgeschlagen wurde, blutspritzend über den Hof rannte und erst nach ein paar Metern hinter der Scheune zu Fall kam und den Geist aufgab. So richtig mochte ich sowieso nicht an ein Splatter-Hähnchen glauben und auf meine Nachfrage, was denn um Himmels Willen in das arme Tier gefahren sei, hieß es nur "Nervenzuckungen". Is klar, ne. Aber rennt noch über den Hof wie eine gesengte...! Wie dem auch sei, hier kommt das Rezept.


Zutaten für zwei Personen:
2 Hähnchenschnitzel
2 Scheiben Parmaschinken
6 Salbeiblätter
Salz, Pfeffer
2 EL Olivenöl

2 große, fleischige Tomaten
2 EL Olivenöl
1/2 rote Chilischote, Kerne entfernt und in feine Ringe geschnitten
1 Knoblauchzehe, geschält und fein gehackt
50 ml Weißwein
1 Handvoll Rucola
Salz, Pfeffer
250 g Spaghetti


Die Hähnchenschnitzel flach klopfen, auf beiden Seiten salzen und pfeffern und jeweils die untere Hälfte mit einer Scheibe Parmaschinken und drei Salbeiblättern belegen. Die obere Hälfte darüber klappen und die Ränder mit Holz- oder Metallspießen verschließen. 
Tomaten in einen Topf mit kochendem, leicht gesalzenem Wasser geben und sprudelnd kochen lassen, bis die Haut aufplatzt. Herausnehmen und mit kaltem Wasser abschrecken. Jetzt lässt sich die Haut leicht entfernen. Die gepellten Tomaten grob würfeln. 2 EL Olivenöl in einem Topf erhitzen, Knoblauch und Chiliringe darin andünsten und mit Weißwein ablöschen. Gewürfelte Tomaten dazugeben, salzen und pfeffern, und ein paar Minuten köcheln lassen. Zum Schluss den Rucola dazugeben. 
Währenddessen die Nudeln nach Packungsangabe abkochen und die Saltimbocca zubereiten. Dafür 2 EL Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und die Saltimbocca von beiden Seiten anbraten, bis sie gerade gar sind. Schnell die Nudeln abgießen, abtropfen lassen und zu der Tomaten-Rucola-Sauce in die Pfanne geben. Alles gut vermischen und zusammen mit den Hähnchen-Saltimbocca auf vorgewärmten Tellern anrichten. 


Die Idee für das Hähnchen-Saltimbocca stammt von der Chaosqueen, ich wollte es eigentlich hier schon einmal machen. Die Tomatenspaghetti basieren auf einem Jamie-Oliver-Rezept aus seinem Italien-Kochbuch, sie werden eigentlich mit Garnelen zubereitet - auch lecker!