Donnerstag, 25. November 2010

Ran an die Mandeln: Torta Caprese

Jetzt ist die Zeit, in der sich die gemahlenen Mandeln in den Supermärkten bis an die Decke türmen. Das ist nicht weiter verwunderlich, sie sind ja auch eine essentielle Zutat für die Weihnachtsbäckerei. Wobei wir schon beim Thema wären. Normalerweise läute ich meine persönliche Vorweihnachtszeit ja etwas früher ein, aber dieses Jahr heißt es Back to the Roots: Ab 1. Advent geht´s los, und wenn die drei Könige Gold, Weihrauch und Myrrhe abgeliefert haben ist Schicht im Schacht, zack, bumm, peng! Aber gemahlene Mandeln sind ja so fein und ich hatte noch zwei Päckchen im Vorrat, als ich auf dieses schöne, schnelle Rezept gestoßen bin. Mit Tomaten und Mozzarella hat die Torta Caprese ja offensichtlich nichts zu tun, nur der Enstehungsort ist der selbe wie bei der Insalata Caprese, die schöne Insel Capri (auf der ich niemals war, dafür ist meine Zunge schon unzählige Male an einem Capri-Eis festgeklebt, einmal fast unlösbar, aber das ist eine andere Geschichte).


Hier kommt das Rezept für eine Springform (26 cm):
250 g gemahlene Mandeln
150 g Zartbitter-Schokolade
6 Eier
200 g weiche Butter
150 g Zucker
Abrieb von einer Zitrone
1 Spritzer Zitronensaft
1 Prise Salz
Puderzucker zum Bestäuben

Backofen auf 170°C vorheizen. Die Mandeln in einer beschichteten Pfanne ohne Fett goldbraun anrösten. Schokolade fein hacken und im Wasserbad schmelzen. Eier trennen. Die Butter mit dem Zucker schaumig rühren und die Eigelbe nach und nach unterrühren, dann die Schokolade, Zitronenschale und die Mandeln zugeben und gut vermengen.
Eiweiß mit einer Prise Salz und einem Spritzer Zitronensaft steif schlagen und unter die Masse heben. Springform einfetten, die Masse einfüllen und glatt streichen. Im vorgeheizten Ofen ca. 45 Minuten backen. Abkühlen lassen, aus der Form nehmen und mit Puderzucker bestäubt servieren.


Das Rezept stammt, wie die Pralinen im vorangegangenen Beitrag, aus der aktuellen Ausgabe von "So isst Italien". Und ich kann nur sagen: Wer total auf saftige, schmatzige, voluptuöse Kuchen steht (und das wohlgemerkt ohne eine von Stress und Schnickschnack geprägte Zubereitung), der kommt um´s Nachbacken nicht herum...

Sonntag, 21. November 2010

Mit ordentlich Schuss: Amaretto-Pralinen

Kennt ihr auch die ein oder andere Dame im Bekanntenkreis, die - wenn auch meist fernab vom Alkoholismus - ihr Schnäpschen oder Likörchen ganz gerne in Pralinenform zu sich nimmt? Bei der einem zur Begrüßung manchmal eine dezente Mon Chérie-Fahne entgegen weht und die bei Marc de Champagne-Trüffeln aus der Konditorei in freudiger Erwartung richtig Puls bekommt? Mhm, ich habe nichts anderes erwartet. Nun gibt es ja zum Glück viele Gelegenheiten, bei denen sich ein kleines Schächtelchen Pralinen ganz wunderbar schenken lässt. Als Mitbringsel, als kleines Dankeschön, als Nervennahrung und und und. Aber immer mit der Packung Edle Tropfen anzutanzen ist ja auch irgendwie doof, oder? Doch freuet euch, denn es naht die Erlösung, die uns alle vor allzu einseitigem Pralinennachschub mit alkoholischem Inhalt für die Lieben bewahrt: Selber machen! Das ist nämlich gar nicht so schwer und man hat mit wenigen Zutaten in kurzer Zeit ein paar kleine Sünden mit Schuss produziert. Mit dem Amaretto war ich nicht ganz so sparsam wie im Rezept angegeben, dafür knallen meine Pralinen geschmacklich auch ordentlich rein - wenn schon, denn schon!


Hier kommt das Rezept für ca. 30 Pralinen:
100 ml Sahne
125 Vollmilchkuvertüre
125 Zartbitterkuvertüre
15 ml Amaretto (das ist die Menge aus dem Originalrezept, bei mir gab es etwas mehr Bums!)
1 Kastenform (ca. 12x16 cm)
100 g Zartbitterkuvertüre zum Überziehen
Silberperlen zur Dekoration, evtl. Pralinenförmchen

Die Kastenform mit Backpapier auslegen. Kuvertüre grob hacken. Die Sahne aufkochen und die Kuvertüre einrühren, bis sie vollständig geschmolzen ist. Den Amaretto unterrühren. Die Masse in die Form füllen und im Kühlschrank ca. 2 Stunden erhärten lassen. Dann aus der Form lösen und mit einem Messer in ca. 2x2 cm breite Stücke schneiden, das klappt am besten, wenn man das Messer vorher kurz unter heißes Wasser hält (und dann abtrocknet!). Die übrige Kuvertüre im heißen Wasserbad schmelzen und die Pralinen damit überziehen. Ich habe sie dafür jeweils auf einen Löffel gelegt, kurz ins Kuvertürebad eingetaucht und dann auf Backpapier trocknen lassen. Wenn man die Pralinen auf einem Gitter einfach mit der Kuvertüre übergießt, klappt es aber auch gut. Jeweils eine Silberperle auf die Pralinen geben und gut trocknen lassen. Dann in Pralinenförmchen setzen oder anderweitig hübsch verpacken.


Übrigens, bei älteren Schnapsdrosseln sei noch vor den Silberperlen zur Dekoration gewarnt, die sehen zwar hübsch aus, sind aber steinhart und nicht gerade förderlich für die Dritten! Die Rezeptidee stammt aus der aktuellen Ausgabe von "So isst Italien" 1/11, ich habe wieder ein paar Änderungen vorgenommen und die Vorgehensweise angepasst. 

Donnerstag, 18. November 2010

Für Saucen-Royals: Rouladen mit Morchelsauce

... oder: Morchelsauce mit Rouladen. Oh mein Gott, war das ein Sößchen! Ich hätte mich reinlegen können, und das, obwohl ich Morcheln lange Zeit absolut gar nicht mochte. Viel zu dominant im Geschmack und noch dazu erinnerte mich alleine das Wort schon an eklige Kriechtiere oder eine Krankheit (in beiden Fällen würde man wohl unter akutem Morchelbefall leiden). Aber das Schöne ist: Der menschliche Geschmack kann sich auch im fortgeschrittenen Alter von über 20 noch weiterentwickeln und lernt gewisse Aromen zu schätzen. Was ein Glück! Aber ganz schön teuer sind die Biester ja schon, so bleibt es also ein seltener Genuss. Oder sitzt irgendjemand zuhause zufällig an einer günstigen Morchelquelle? Nicht, dass ich irgendwelche Absichten verfolgen würde, aber mein kindliches Morchelkrankheits-Trauma wäre dann ein für alle Mal geheilt, wenn der Satz "der hat die Morcheln" auf einmal eine ganz andere Bedeutung bekäme. Ach so, ja, die Rouladen dazu waren übrigens auch gut, als Beilage gab´s hauchdünne Bratkartoffeln.


Hier kommt das Rezept für zwei Portionen:
10 g getrocknete Morcheln
100 ml warmes Wasser
1 Zwiebel
2 kleine Gewürzgurken
2 Rinderrouladen (á ca. 200 g)
2 TL Senf
4 Scheiben roher Schinken
Mehl zum Bestäuben
1 EL Butterschmalz
1 TL Tomatenmark
150 ml trockener Rotwein (bei mir war´s ein Saumur)
250 ml Rinderfond
1 EL Butter
1 EL gehackte Petersilie zum anrichten

Die Morcheln im warmen Wasser einweichen. Währenddessen die Zwiebel schälen und vierteln. Die Rouladen auf beiden Seiten mit Salz und Pfeffer würzen und auf einer Seite mit jeweils 1 TL Senf bestreichen. Mit je zwei Scheiben Schinken, einem Stück Zwiebel und einer Gurke belegen und der Länge nach fest einrollen. Mit Rouladennadeln fixieren und mit etwas Mehl bestäuben. Die übrigen Zwiebelstücke würfeln. Morcheln abgießen, dabei das Morchelwasser auffangen. Evtl. durch einen Kaffeefilter abseihen, damit der Sand entfernt wird. Sehr große Morcheln halbieren. Butterschmalz erhitzen, die Rouladen darin kräftig anbraten bis sie rundum angebräunt sind. Herausnehmen und beiseite Stellen. Zwiebelwürfel und Morcheln im Bratfett andünsten, Tomatenmark dazugeben und verrühren, mit Wein ablöschen und kurz aufkochen lassen. Fond dazugeben, aufkochen, Rouladen wieder einlegen und zugedeckt ca. 1 Stunde bei kleiner Hitze schmoren, dabei nach und nach das Morchelwasser angießen. Die Rouladen aus der Sauce nehmen, alles gut einkochen und die Butter einrühren. Ggf. mit etwas Mehl binden. Sauce abschmecken, Rouladen dazugeben und nochmals gut durchwärmen. Mit Petersilie bestreut servieren. 


Übrigens, dieses Gericht soll gleichzeitig eine kleine Hommage an alle "Saucenköniginnen" (und gendermäßig korrekt natürlich auch -könige) sein. Diejenigen aus meiner Familie (mich eingeschlossen) und all die anderen da draußen, die schon während dem Kochen einen geschätzen halben Liter Sauce aus dem Topf löffeln (und dies mit einem lässigen "nur mal probieren" quittieren), bei denen die Beilagen manchmal nur noch schwimmend auf dem Teller zu sichten sind und die auch den letzten Rest Sauce mit Brot auftunken oder vom Teller kratzen (zur Not mit der Zunge). Lasst euch die Lust nicht verderben und scheut euch nicht, im Restaurant nach einem Extra-Kännchen Sauce zu fragen, wenn sie euch so wahnsinnig gut schmeckt und mal wieder nur drei Tropfen auf den Tellerrand geträufelt sind.