Donnerstag, 4. November 2010

Apfelernte: Die vielseitigste aller Obstsorten

Es ist Apfelzeit, das merkt man alleine schon daran, dass die Apfelkuchen-Rezepte gerade wieder Hochsaison haben. Ich freue mich sehr darüber, denn es gibt doch kaum etwas schöneres, als an einem grauen, kalten Herbstnachmittag mit einer Tasse dampfendem Kaffee und einem großen Stück frisch gebackenem, noch warmem Apfelkuchen auf dem Sofa zu sitzen. 


Meine Familie besitzt seit vielen Jahren ein kleines Apfelbaumgrundstück am Waldrand. Früher, als ich die Ferien oft bei meiner Oma auf dem Land verbracht habe, war es selbstverständlich, dass alle bei der Apfelernte geholfen habe. Mit langen Holzstöcken wurden die Äpfel erst von den Bäumen geschlagen und dann vom Boden in großen Säcken gesammelt. Dann fuhr man zur Kelterei der Familie Ziegler um die Äpfel zu Saft zu pressen. Der Saft wurde dann in großen Tanks im Keller meiner Oma gelagert und vergor im Laufe der Zeit zu Apfelwein, von dem sich mein Opa jeden Tag ein Gläschen genehmigte. Heute werden die Äpfel nicht mehr selbst gekeltert, ein paar Säcke werden noch gesammelt und der Rest bleibt liegen für die Pferde, die nun das ganze Jahr über eine natürliche Grundstückspflege betreiben. Was bleibt, sind schöne Erinnerungen. Zum Beispiel daran, wie wir beim Keltern direkt aus der Presse den frisch gespressten Saft getrunken haben - dieser Geschmack ist unvergleichlich. Und ich bin immer wieder sehr froh darüber, dass ich als eigentliches "Stadtkind" die Möglichkeit habe, immer wieder zu meinen Lieben auf´s Land zu fahren.

Den Apfelkuchen, den man auf den Bildern sieht, habe ich schon Anfang letzter Woche gebacken und wollte euch heute eigentlich das Rezept dafür liefern. Aber, und das ist mir ja noch nie passiert: Ich finde es nicht mehr! Ich weiß nur noch, dass es aus irgendeiner Zeitschrift stammte, ich habe geblättert, verglichen und gesucht, ja zum Hirsch bin ich deswegen fast geworden. Schmand und Marzipanrohmasse sind meine einzigen Anhaltspunkte. Aber trotzdem nichts gefunden, war das der Apfelwein??? Stattdessen preise ich eben noch einmal eines meiner Lieblingsrezepte, nämlich diese französische Apfeltarte, an.

Hier kommen noch ein paar andere schöne Apfelkuchenrezepte (unter noch vielen mehr): Bei Nur das gute Zeugs gibt es gleich ein ganzes Blech, Lamiacucina backt einen riesen Apfelpfannkuchen, auf Barbaras Spielwiese wartet ein Traum mit Schuss und Baiserhaube und Foto e Fornelli verrät uns gar ein feines Mama-Rezept.

Montag, 1. November 2010

Fein umwickelt: Nudelrolle mit Rosenkohlfüllung und Safransoße

Manche Rezepte sieht man und weiß genau: Das ist fällig und zwar SOFORT! Die Kriterien für die Auswahl variieren je nach Jahreszeit und psychischer Verfassung. Bei mir ist es dann soweit, wenn etwas ausgesprochen gut aussieht (das Auge... und so), wenn die Zutaten nicht komplett abwegig sind (drei verschiedene Asia-Shops, Tropenfruchtzuchtverein und zwei Großmärkte? Ich hab doch keine Zeit!) und wenn das Rezept sich nicht anhört wie ein Low-Carb-No-Fat-No-Fun-Essen (das ist jetzt sozusagen die Variable, im Herbst interessiert sich doch kein Mensch für die Bikini-Figur). Hinzu kommt meine derzeitige Lust alles einzuwickeln. Taadaah - schon war´s um mich geschehen. Allerdings hat mir der Gemüsemensch bei dieser feinen Nudelrolle dann doch noch einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht, denn er hatte keinen Wirsing, der im Originalrezept eigentlich als Füllung vorgesehen war. Rosenkohl hatte ich noch einen ganzen Sack zuhause, und, auch wenn ich es immer schade finde die hübschen Röschen mit dem Monstermesser zu shreddern, es war eine würdige, herbstliche Alternative und hat mir sehr gut geschmeckt.


Hier kommt das Rezept für 3-4 Personen:
Für den Nudelteig:
300 g Mehl
3 Eier
1/2 TL Salz
2 EL Wasser
Für die Füllung:
500 g Rosenkohl
50 g geriebener Parmesankäse
250 g Ricotta
2 Eier
1/2 TL gem. Koriander
je 1 Prise geriebene Muskatnuss und Chilipulver
1 TL Zitronensaft
60 g gehackte Walnüsse
Für die Sauce:
200 g Zwiebeln
30 g Butter
100 ml Weißwein
1 gehäufter EL Mehl
500 ml Milch
1/4 TL gem. Safran
1/2 TL Bio-Gemüsebrühepulver
100 ml Sahne
Mehl für die Arbeitsfläche, Öl zum Braten, Petersilie zum Bestreuen

Für den Teig die Zutaten mit den Händen gut verkneten und 1 Stunde kalt stellen. Für die Füllung Rosenkohl putzen, Strunk kreuzweise einschneiden und in kochendem Salzwasser ca. 15 Minuten garen. Abgießen, abschrecken, etwas auskühlen lassen und mit einem Messer grob hacken. Parmesan, Ricotta, Eier, Gewürze und Zitronensaft vermischen, Rosenkohl und Walnüsse gut unterrühren und alles ordentlich salzen und pfeffern. Den Teig auf bemehlter Arbeitsfläche dünn ca. 35x40 cm groß ausrollen. Die Füllung darauf verteilen, dabei einen Rand von ca. 4 cm lassen. Von der langen Seite her aufrollen, die Enden und den Rand gut zusammendrücken, damit die Rolle verschlossen ist. In ein sauberes Geschirrtuch wickeln, beide Enden zubinden und die Rolle in einem großen Topf oder (besser) Bräter in kochendem Salzwasser 20 Minuten garen. 
Für die Sauce die Zwiebeln schälen, fein hacken und in zerlassener Butter ca. 5 Minuten anschwitzen. Den Weißwein dazu geben und etwas einkochen lassen. Mit Mehl bestäuben, die Milch angießen, Safran und Gemüsebrühpulver dazugeben und unter Rühren ca. 10 Minuten köcheln lassen. Die Sauce pürieren, Sahne steif schlagen und unterziehen, salzen und pfeffern und warmhalten. 
Die Nudelrolle noch warm auswickeln und auskühlen lassen, in 2-3 cm dicke Streifen schneiden und im heißen Öl von beiden Seiten knusprig anbraten. Die Scheiben auf einem Teller zusammen mit der Safransauce anrichten und mit Petersilie bestreut servieren. 


Das Rezept stammt (mit minimalen Anpassungen) aus der aktuellen Ausgabe von Köstlich Vegetarisch 6/10.

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Vollkorn-Ecstasy: Müslistangen mit Pecannüssen

Dass ein guter Start in den Tag wichtig ist, wurde mir schon als Kind immer wieder vorgebetet und spätestens seit Studienzeiten weiß ich, dass da was dran ist. Das Problem: Ich bringe früh morgens nichts runter. Außer einem Becher 50/50-Kaffee (halb Milch, halb Milde Bohne). Dann geht´s hektisch zur Arbeit, Handy, Portemonnaie, Lippenstift und wenigstens ne Flasche Wasser fliegen in die Tasche, aber um ein Brot zu schmieren bleibt oft keine Zeit. Wenn dann gegen 11 Uhr der erste kleine Hunger kommt, bin ich dank Bahnhofsbäckerei gewappnet: Im Vorbeigehen kaufe ich hier meist noch meine heiß geliebte Müslistange für... - STOP! - (bitte jetzt die volle Aufmerksamkeit) für 1,75 €! Eineurofünfundsiebzig! Macht hochgerechnet 8,75 € pro Woche! Das sind im Monat mindestens 35 € und im Jahr über 420 €! Für Müslistangen!!! Bei dieser Erkenntnis brauche ich den Schock-Schnaps nicht einfach so, sondern intravenös! Aber nicht mehr mit mir, Bio hin oder her, das ist ne Menge Schotter für ein so verhältnismäßig kleines Stängelchen, also habe ich eine Müslistangen-Kopie ausgetüftelt, die dem Original wie ich finde ziemlich nahe kommt. Das ist richtiges Kraftfutter und ich kann für eine viertel Stunde nicht reden, weil ich mit Kauen beschäftigt bin (böse Zungen behaupten, das müsse eine Wohltat für meine Kollegen sein). Ich backe sie auf Vorrat und gefriere sie ein, so habe ich jeden Tag frische Müslipower für die Arbeit.


Zutaten für 4 Müslistangen:
10 g frische Hefe (das ist ca. 1/4 Stück)
150 ml warmes Wasser 
4 EL Agavendicksaft (ersatzweise Honig oder Rohrohrzucker)
125 g Roggenvollkornmehl
125 g Weizenvollkornmehl
1 Prise Salz (3-5 g)
4 EL Haferflocken
2 EL Leinsamen
60 g getrocknete Pflaumen, in kleine Stücke gehackt
80 g Pekannüsse, grob gehackt
eine Handvoll getrocknete Cranberries (die waren von den vorangehenden Kohlrouladen noch übrig)
Haferflocken zum Wälzen

Hefe im warmen Wasser auflösen und den Agavendicksaft einrühren. Die Mischung ein paar Minuten stehen lassen. Die beiden Mehlsorten miteinander in eine Schüssel geben, eine Mulde hineindrücken und die Hefemischung zugeben und gut verkneten. Die übrigen Zutaten hinzufügen und noch einmal durchkneten. Der Teig ist relativ klebrig, bemehlte Hände schaffen etwas Abhilfe - jedoch nicht zuviel zusätzliches Mehl zufügen, sonst werden die Müslistangen steinhart. Schüssel mit einem Tuch abdecken und an einem warmen Ort ca. 1 Stunde gehen lassen (nicht erschrecken, der Teig geht nicht sehr stark). Dann den Teig noch einmal kurz kneten und 4 Stangen formen, in den Haferflocken wälzen und die Oberseite dreimal schräg einschneiden. Die Müslistangen auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen und für weitere 30 Minuten gehen lassen. Währenddessen den Backofen auf 180°C vorheizen. Die Müslistangen im Ofen ca. 25 Minuten backen. Sie sollen nicht stark bräunen (bei mir sahen sie fast aus wie zuvor ungebacken) und beim Herausnehmen noch weich sein. Wenn sie abkühlen werden sie härter, das ist jedoch gewollt und bei den Original-Müslistangen auch so. 




Die verschiedenen Zutaten können natürlich variiert werden, je nach dem, was man gerade so zuhause hat. Verschiedene Nüsse und Trockenfrüchte eignen sich gut, man kann jedoch auch ein paar Esslöffel zuckerfreie Müslimischung unterkneten, dann hätte man sozusagen gleich das all-in-one-Paket.