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Freitag, 20. Januar 2012

Marsala-Balsamico-Hühnchen: Vom Suchen und Finden

Etwas zu suchen ist oft ein langwieriger und nervenaufreibender Prozess. Etwas zu finden dagegen ist meistens schön. Ein neues Rezept, Dinge, die man lange vermisst hat oder endlich wieder den Fahrradschlüssel, damit man noch einmal davor verschont bleibt mit einer Metallsäge in aller Öffentlichkeit sein eigenes Schloss zu knacken. Um das Finderglück zumindest für Materielles ein bisschen zu forcieren, habe ich mal wieder einen Trick parat, der manchmal innerhalb von Sekunden zu einem kleinen Vermögen führen kann: Ich stecke einen Feinkniestrumpf über das Staubsaugerrohr, so dass er noch ein bisschen über hängt, fixiere ihn gut mit einem engen Gummiband und fange auf höchster Stufe an, unter den Autositzen zu saugen. Was dort alles zum Vorschein kommt, ist immer wieder erstaunlich: Geld, hier und da ein Ohrring oder Lippenstift, auch mal ein Strafzettel oder ein Päckchen vom Lieblings-Chlorophyll-Kaugummi aus Frankreich. Wenn ich fertig bin, löse ich das Gummiband und ziehe den Strumpf aus dem Rohr, dann habe ich den ganzen Kram im Säckchen, wie praktisch. Voraussetzung dafür ist natürlich ein nicht hyperpenibel gepflegtes Auto, allerdings hat sich die Vorgehensweise auch für die schwer zugängliche Stelle hinter der Kommode bewährt. Findet ihr total albern? Hey, es hat schon Leute gegeben, die aus Versehen den Familienschmuck eingesaugt haben! 
Neulich habe ich zuhause noch ein kleines Fläschchen Marsala gefunden, das ich irgendwann mal gekauft hatte und das seitdem im hintersten Eckchen der Vorratskammer ein trauriges Dasein fristete. Schon vor zwei Wochen habe ich es dann für dieses feine Hühnchen mit Marsala und Balsamico verwendet und damit auch gleich noch ein Rezept mit Wiederholungsgarantie gefunden. Die süßliche, fast schwarze Sauce war eine Wucht!

Hühnchen Balsamico Marsala

Hier kommt das Rezept "Marsala-Balsamico-Hühnchen" für 2 Personen: 
4 Hühnerschlegel (oder andere Teile) 
frisch gemahlener schwarzer Pfeffer und Salz 
2 EL Olivenöl 
8 kleine Schalotten, geschält 
2 kleine Knoblauchzehen, geschält 
180 ml Marsala 
100 ml Balsamico 
1 Zweig Rosmarin 
3 EL Sahne 

Hühnerschlegel salzen und pfeffern. Öl in einer Pfanne erhitzen und Hühnerschlegel darin anbraten, bis sie schön Farbe genommen haben. Herausnehmen und beiseite stellen. Schalotten und Knoblauch in die Pfanne geben und im Bratfett bräunen. Das Fleisch wieder dazugeben und Marsala und Balsamico hinzugießen. Rosmarinzweig einlegen, die Pfanne abdecken und das Hühnchen 40 Minuten lang leicht köcheln lassen, dabei die Hühnerschlegel einmal wenden. Nach Ablauf der Zeit die Schlegel, Schalotten und Knoblauch in eine vorgewärmte Servierschüssel geben. Die Sauce etwa zur Hälfte einkochen lassen, die Sahne unterrühren und ggf. mit Salz und Pfeffer nachwürzen. Über die Hühnerteile gießen und servieren. Dazu schmeckt Reis oder Weißbrot.

Hühnchen Balsamico Marsala
Ich verwende zur Zeit einen recht süßlichen Balsamico-Essig. Je nach dem, wie euer Essig schmeckt, könnte das Hühnchen ein bisschen säuerlicher geraten. Das finde ich persönlich auch fein, wem die Sauce dann aber zu säuerlich und Balsamico-lastig ist, der füge einfach etwas Zucker oder gegebenenfalls mehr Marsala hinzu.

Donnerstag, 28. April 2011

Platz genommen: Beer Butt Chicken

Ich muss schon zugeben, ich kann mich immer noch nicht richtig entscheiden, ob ich es entwürdigend oder eher äußerst cool finde, wie das feiste Hähnchen da so auf der Bierdose thront. Fakt ist jedoch: Diese Art der Zubereitung wollte ich schon immer mal ausprobieren! Puristische Cowgirls (ja klar, und Cowboys, nicht dass die Gender-Polizei uns ertappt...) nehmen zum Würzen des Bierhähnchens nur Meersalz, damit der Biergeschmack nicht von anderen Zutaten übertüncht wird. Die richtig harten unter uns stopfen die Bauchhöhle mit höllisch scharfen Chilischoten aus und setzen den Gockel quasi unter Feuer. Rezepte für Grillhähnchen gibt es, schätze ich mal, so grob an die 627362, denn was die Füllung und die Zusammenstellung der Marinade betrifft, sind keine Grenzen gesetzt. Ich habe einfach ein bisschen zusammengemischt, was mir in den Sinn gekommen ist und was der Vorrat hergegeben hat und habe damit einen Treffer gelandet, denn das Hähnchen war superlecker!


Hier kommt das Rezept für 2-3 Portionen:

1 ganzes Freilandhähnchen, küchenfertig ausgenommen
1 große Dose Bier

Für die Marinade:
1 kl. Bund Thymian
3 Zweige Rosmarin
4 EL Olivenöl
2 EL Bier
1 TL Zitronensaft
1/4 TL abgeriebene Zitronenschale
1 TL Chilipulver
1/2 TL Cayennepfeffer
1 TL brauner Zucker
Meersalz, Peffer

Bierdose öffnen und erstmal einen großen Schluck nehmen. Kräuter kurz abbrausen und gut ausschütteln. Die Hälfte vom Thymian und den Rosmarin fein hacken. Die übrigen Zutaten für die Marinade gut verrühren und kräftig mit Salz und Pfeffer abschmecken. Gehackte Kräuter dazu geben. Nun mit den Händen das Hähnchen mit der Marinade einreiben, dabei auch die schwerer zugänglichen Stellen wie z.B. unter den Flügeln berücksichtigen. Die restlichen Thymianzweige von oben in das Hähnchen stecken. Hähnchen in einen großen Gefrierbeutel geben und ggf. mit der restlichen Marinade übergießen, dabei darauf achten, dass auch ein Teil davon ins Innere des Hähnchens läuft. Im Kühlschrank für 2 Stunden marinieren, den Beutel dabei ab und zu wenden, damit sich die Marinade besser verteilt.
Die Dose Bier sollte noch etwa halb voll sein (wie, schon leer? Dann schnell eine neue aufmachen!). Ofen auf 200°C vorheizen. Ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech auf den Boden des Ofens stellen. Das Hähnchen mit der unteren Öffnung über die Bierdose stülpen und auf das Backblech stellen. Für ca. 80-90 Minuten im Ofen braten, dabei nach ca. 50 Minuten mit einer Messerspitze an mehreren Stellen leicht einstechen, dann läuft das Fett besser ab und die Haut wird schön knusprig. Wenn das Hähnchen oben zu dunkel wird, ggf. mit etwas Alufolie abdecken. Nach Ende der Bratzeit das gesamte Blech vorsichtig aus dem Ofen nehmen. Das Hähnchen von der Dose heben (am besten im Waschbecken, falls die Dose umfällt), mit einer Geflügelschere zerlegen und servieren. Dazu schmecken Kartoffelecken oder Weißbrot. Ach ja, und Bier! ;-)


Stilecht wird das Bierhähnchen auf einem Kugelgrill zubereitet, der hoch genug ist, um Hahn und Dose zu beherbergen. So einen großen Grill haben wir leider noch nicht, deswegen musste der Backofen herhalten - das klappt auch wunderbar! Je nach dem wie groß eurer hähnisches Exemplar ist, könnte sich die Garzeit auch etwas verkürzen oder verlängern. Das Fleisch wird jedenfalls supersaftig und befördert euch hoffentlich für ein paar Stunden in den 7. Hähnchen-Himmel!

Montag, 11. April 2011

Des einen Freud, des anderen Leid: Hähnchenkeulen mit Bärlauch-Mayonnaise

Freunde, es ist Bärlauch-Zeit! Ja quasi Hochsaison! Ich hoffe es gibt noch niemanden, dem die grünen Blättchen jetzt schon zum Hals raushängen. Wenn doch: Stark sein (- und trotzdem weiterlesen, denn die Hühnerschlegel sind auch `ne feine Sache). Es ist ja wohl kaum ein saisonales Kraut so allgegenwärtig wie der Bärlauch, findet ihr nicht? Ab März gibt es kaum ein Restaurant, in dem die Pasta nicht mit Bärlauch-Pesto serviert wird, kaum ein Foodblog, durch den nicht mindestens ein Bärlauch-Rezept geistert. Ich freue mich darüber, denn die Saison ist kurz, da muss man sich ranhalten und es darf ruhig mal die ein oder andere Bärlauch-Überdosis geben. Ich mache meinen Auftakt heute mit einem Rezept, das ich unbedingt ausprobieren musste, weil es mich optisch total angesprochen hat. Außerdem hatte ich alles auf Vorrat, der Gefrierschrank hat noch ein paar Hühnerschenkel ausgeworfen, nur ein Bund Bärlauch musste ich kaufen. 


Hier kommt das Rezept für 2 Personen:
Für die Mayonnaise:
2 Eier
30 g Bärlauch
50 ml Sonnenblumenöl
1/2 TL Senf
50 g Vollmilchjoghurt
1 TL Weißweinessig
Salz

Für die Keulen:
2 größere Hähnchenkeulen 
1 geh. EL Mehl
1/2 TL Paprikapulver rosenscharf
Salz, Pfeffer
1 Ei 
1 EL Milch
40 g Panko-Brösel
2 EL Sonnenblumenöl

Für die Mayonnaise die Eier ca. 10 Minuten hart kochen. Bärlauch waschen, trockenschleudern und die Stiele entfernen. 1 Blatt beiseite legen, die restlichen grob hacken und mit dem Öl pürieren. Eier abschrecken, schälen und das Eigelb in einen hohen Rührbecher geben. Senf und Joghurt zugeben und pürieren. Bärlauchöl langsam zugießen, dabei weiterpürieren. Mayonnaise mit Essig und Salz abschmecken und beiseite stellen.
Backofen auf 180°C vorheizen. Die Hähnchenkeulen häuten. Mehl, Paprikapulver, Salz und Pfeffer in einem tiefen Teller mischen. Eier und Milch in einem Teller verquirlen und Panko-Brösel in einen dritten Teller geben. 
Öl in einer großen, beschichteten Pfanne erhitzen. Die Keulen nacheinander zuerst im Mehl wenden, dann durch das Ei ziehen und zuletzt in den Panko-Bröseln wenden. Bei mittlerer Hitze ca. 5 Minuten goldbraun anbraten, dabei einmal wenden. Kurz auf Küchenpapier abtropfen lassen. Auf einem Backblech im vorgeheizten Ofen auf der 2. Schiene von unten ca. 20 Minuten zu Ende braten. 
Restlichen Bärlauch hacken, unter die Mayonnaise rühren und zu den Keulen servieren. 


Das Rezept stammt aus E&T 4/11, ich habe lediglich das Rapsöl durch Sonnenblumenöl ersetzt und die Mengenangaben auf zwei Personen angepasst. Die Keulen waren innen wunderbar saftig und außen ultra-knusprig! Da leistet das Panko wirklich ganze Arbeit, wer das nicht bekommt, kann die Keulen natürlich auch mit normalen Semmelbröseln panieren. Dazu passen im Ofen gebackene Kartoffelecken oder frisches Weißbrot. Wer noch mehr Bärlauch-Rezepte sucht, sollte auch mal bei Mestolo vorbeischauen, da gab es neulich gleich eine ganze Bärlauch-Woche!

Donnerstag, 17. Februar 2011

Flottes Federvieh: Zitronenhuhn mit Kartoffeln und Schalotten

Manchmal gibt es Tage, da muss alles ruckzuck gehen! Da macht man Überstunden bei der Arbeit, zuhause haben sich Monteur und Gasableser gleichzeitig angemeldet und dann taucht im Kalender auch noch mindestens ein Termin auf, den man schon vor Wochen abgemacht hat und jetzt nicht mehr absagen möchte. Kurzum: Es geht zu wie im Affenstall! Da muss man hin und her flitzen und einen auf Multitasking-Göttin machen und ich für meinen Teil rede dann auch entweder so schnell oder dermaßen zusammenhanglos, dass ich manchmal meine Sätze gar nicht mehr zuende... Naja, jedenfalls: Gut essen will man ja trotz allem! Da braucht man Gerichte, die sich quasi von alleine kochen. Hier kommt das supereinfache all-in Hühnchen mit viel frischer Zitrone. Sauer macht ja bekanntlich lustig und den Humor soll man auch und gerade an stressigen Tagen nicht verlieren, gell!


Hier kommt das Rezept für 2-3 Portionen: 
2-3 Hühnerschenkel (oder andere Hühnerteile)
1 unbehandelte Zitrone 
400 g kleine Bio-Kartoffeln (die Schale bleibt dran) 
Salz, Pfeffer 
6 EL Olivenöl 
1 Stiel Salbei 
2 Stiele Thymian 
4 Knoblauchzehen 
150 g Schalotten 
100 ml Geflügelbrühe 

1/3 Zitrone auspressen, restliche Zitrone in feine Scheiben schneiden. Kartoffeln waschen, abtropfen lassen, größere Exemplare evtl. halbieren. Hühnerschenkel mit der Hautseite nach oben auf einen flachen Teller legen, mit Salz und Pfeffer würzen und mit Zitronensaft und 4 EL Olivenöl beträufeln. Salbei und Thymian auf die Schenkel legen, mit Klarsichtfolie abdecken und im Kühlschrank mindestens 1 Stunde marinieren (jetzt kann man schnell den Termin einschieben! ;-)). 
Backofen auf 160°C vorheizen. Knoblauch und Schalotten pellen und in 1 EL Olivenöl in einer Pfanne zusammen mit den Kartoffeln kurz andünsten (ca. 5 Min.). Alles in eine flache Auflaufform bzw. Saftpfanne geben. Hühnerschenkel mit der Hautseite nach oben und Zitronenscheiben ebenfalls in die Saftpfanne legen und die Marinade darüber gießen. Salzen und pfeffern und mit dem restlichen Olivenöl beträufeln. Brühe angießen und alles im vorgeheizten Ofen auf der unteren Schiene 1 ½ Stunden garen, dabei ca. 2-3 mal mit der am Boden der Saftpfanne gesammelten Flüssigkeit begießen (genug Zeit um die restlichen Aufgaben zu erledigen!). Nach Ende der Garzeit die Schenkel mit Kartoffeln, Schalotten und Knoblauch anrichten und mit dem Bratfond beträufeln. 


Die Rezeptidee stammt aus E&T 1/05, ich habe die Mengen allerdings wieder etwas abgewandelt.