Donnerstag, 31. März 2011

Nostalgie in der Küche

Heute gibt es nichts zu essen, ich möchte euch aber ein paar kleine Helferlein vorstellen, die ich wirklich sehr liebe. Auch wenn sie nicht mehr in Gebrauch sind, sondern nur noch zu Dekorationszwecken dienen. Alles begann mit einem Flohmarktbesuch. Ich bummele gerne zwischen den Ständen herum und schaue mir entzückende alte Sammeltässchen und angelaufenes, schweres Silberbesteck an. Obgleich ich den Gedanken mag, dass die Dinge ihre ganz eigene Geschichte erzählen, kaufe ich jedoch in den seltensten Fällen etwas. Nun hatte jedoch eine ältere Dame gleich ein ganzes Sammelsurium an Trödel, und neben vergilbten Tupperdosen und deformierten Barbiepuppen sah ich einen hübschen, alten Bohnenschneider in einem zarten pastellblau auf einer Decke am Boden liegen. Peng! Das war Amors  Pfeil, oder eher: sein Maschinengewehr! Denn ich habe mich an Ort und Stelle verliebt. Nun hat so ein gut erhaltenes Relikt aus älteren Tagen bestimmt seinen Preis, dachte ich zumindest. Auf meine Frage, was denn das gute Stück koste, sagte die Frau: „`n Euro...“  „WAS?!“ Ich glaube mir traten die Augen aus den Höhlen! Ich konnte mich ja nur verhört haben. Die Dame daraufhin: „Na gut, dann halt 50 Cent.“ „WIE BITTE???!!!“ „Nein, also noch weiter gehe ich nicht runter, überlegen Sie sich´s!“ So schnell kann das gehen. Hier ist das gute Stück: 


Ich war also glücklich über mein Schnäppchen und eine Leidenschaft war geboren. An dieser Stelle kommt wieder meine Oma ins Spiel. Denn meine Oma wäre nicht meine Oma, hätten sie -und ihre Freundinnen- nicht noch ein paar Überraschungen parat gehabt, die ganz und gar in mein Beuteschema passten. So habe ich nach und nach aus verschiedenen alten, dunklen Kellern, Schränken, Dachböden und Scheunen weitere hübsche Küchenhelfer geschenkt bekommen – jeder einzelne mit vielen Erinnerungen an unzählige Stunden in der Küche ihrer Besitzer behaftet. Hier ist eine kleine Auswahl: 

Im Bild oben ist mein schönstes und wohl auch ältestes Stück zu sehen, ein massiver Schneider, der kaum größer ist als meine Hand und trotzdem fast ein ganzes Kilogramm wiegt. Schaut euch die hübschen Details an, die Verzierung an der Schraube und die Ornamente am Gewinde und an der Einfüllöffnung. Ich bin ganz begeistert von ihm!



Viele mögen die kleinen Mühlen, Reiben und Schneider als Ramsch bezeichnen, mich versetzen sie in Nostalgie und sie führen mir immer wieder vor Augen, wie einfach wir es doch heute haben, mit unseren Pürierstäben, Küchenmaschinen, elektrischen Schneebesen, Brotbackautomaten, Eismaschinen, Dampfgarern und ... ach, die Liste ist endlos. Ich bin dennoch froh, dass ich heute mit den gegebenen Mitteln so kochen kann, wie ich es tue, aber eins steht für mich fest: So entzückend wie damals sieht heute kein Bohnenschneider mehr aus.

Sonntag, 27. März 2011

Urlaubsgefühle: Gefüllte Tintenfischtuben mit Zucchini und Ricotta

Es gibt vieles, das ich mit Urlauben im Süden verbinde, und ganz weit vorne dabei sind Tintenfische. Ob in Ringe geschnitten in der Paella oder frittiert mit ein paar Spritzern Zitrone, mariniert, gegrillt, gefüllt, ich mag sie in jeder Form. Bei so schönem Wetter, wie wir es zur Zeit haben, hole ich mir auch zuhause ein bisschen Urlaubsgefühl auf den Teller und packe eine meiner liebsten Cannelloni-Füllungen einfach in zwei feine Tintenfischtuben. Dank der Zeitumstellung kann man die Sonne ab diesem Wochenende ja auch eine Stunde länger genießen... irgendwie muss man sich das frühere Aufstehen am Montagmorgen ja schönreden, oder?


Hier kommt das Rezept für 2 Personen:
2 Tintenfischtuben, ausgenommen 
3 EL Olivenöl
1 kleine Zwiebel, fein gehackt
2 Knoblauchzehen
1 Zucchini 
200 g Ricotta
1 kleine Handvoll Pinienkerne, grob gehackt
Salz, Pfeffer
1 rote Chilischote, in feine Ringe geschnitten
2 EL gehackte Petersilie

Die Tintenfischtuben waschen und trockentupfen. In einer Pfanne 2 EL Olivenöl erhitzen und Zwiebel darin anbraten. 1 Knoblauchzehe fein hacken, Zucchini waschen, Enden entfernen und ebenfalls in feine Stücke hacken. Beides zu den Zwiebeln in die Pfanne geben und ca. 5-8 Minuten braten, bis die Zucchini glasig werden. Kurz abkühlen lassen. Ricotta in eine Schüssel geben, gebratene Zucchini dazugeben und reichlich mit Salz und Pfeffer würzen. Pinienkerne kurz in einer Pfanne anrösten und dann unter die Masse heben. Dabei einen TL für die Deko aufbewahren. Mit Hilfe eines Teelöffels oder, wenn die Öffnungen der Tuben sehr eng sind, mit einer Spritztülle die Masse in die Tintenfischtuben füllen. Die Enden mit Zahnstochern oder Rouladennadeln verschließen. Gefüllte Tuben salzen und Pfeffern.
In einer Pfanne das restliche Öl erhitzen, die verbleibende Knoblauchzehe in feine Scheiben schneiden und zusammen mit den Chiliringen in die Pfanne geben. Gefüllte Tintenfischtuben dazugeben und von allen Seiten anbraten, bis sie Farbe annehmen. Das sollte schnell geschehen und die Pfanne muss sehr heiß sein, denn sonst wird euer Tintenfisch zum Gummifisch!
Auf vorgwärmten Tellern anrichten und mit den restlichen Pinienkernen, Petersilie und frisch gehobeltem Parmesankäse bestreuen. Wer mag kann etwaige Reste der Füllung dazu geben, in jedem Fall würde ich empfehlen das Bratöl darüberzugießen, denn das hat durch Knoblauch und Chili einen herrlich würzigen Geschmack bekommen. 


Bei uns gab´s die Tuben zwar im Alleingang, als Beilage würde meine Wahl jedoch auf frisches Weißbrot fallen. Damit lassen sich das Bratöl und die Füllung bestimmt schön aufditschen! ;-) 

Sonntag, 20. März 2011

Ab ins Freie: Frühlingshafte Röllchen

Wie bei den meisten anderen auch, steht und fällt das Leben auf unserem Balkon mit dem Schönwettergrad. Über den gesamten Winter betrete ich ihn höchstens, um das Mini-Vögelhäuschen mit Kürbiskernen zu bestücken (die hessischen Vögel sind wählerisch, denen braucht man gar nicht erst mit Meisenknödeln zu kommen) oder um den "Kältecheck" zu machen. Der entscheidet dann darüber, ob es tatsächlich wieder nötig ist, im Michelin-Männchen-Look auf die Straße zu gehen oder ob endlich eine etwas schlankere Jackenvariante genügt. Sobald dann aber die erste Schönwetterperiode kommt, wird der Balkon auf Vordermann gebracht: An so einem sonnigen Wochenende wie diesem wird der alte Holztisch gesäubert und eingeölt, widerstandsfähige Kräuter wie Rosmarin und Lavendel wandern von ihrem Winterquartier nach draußen und die ersten Frühlingsblüher werden in kleinen Töpfchen auf dem Regal drapiert. Außerdem kann ich endlich wieder draußen fotografieren, ohne dass meine Hand am Objektiv festfriert! Nur zum Essen ist es auf dem Balkon meist noch ein bisschen zu frisch, zumindest sobald die Sonne hinter dem Nachbarhaus verschwindet. Da diese etwas anderen Frühlingsröllchen aber so handlich sind, dass man sie quasi auch im Laufen essen kann, war der Umzug ins Haus kein großes Problem. Ich freue mich schon auf die warmen Monate, in denen der Balkon dann endlich wieder zu unserem fünften Zimmer wird und es am Wochenende ausgedehnte Frühstücksorgien in der Sonne gibt!


Hier kommt das Rezept für 2 Rollen:
10-12 große Blätter Kopfsalat
1 kl. Bund Radieschen (ca. 10 Stück)
1 Handvoll Rote Rettichsprossen
200 g Frischkäse
evtl. etwas Milch
Salz, Pfeffer

Die Salatblätter putzen und waschen und mit einem scharfen Messer vorsichtig den Strunk (d.h. die dicke Blattrippe in der Mitte) rausschneiden. Radieschen putzen, waschen und in feine Stückchen schneiden. Rote Rettichsprossen kurz abbrausen und gut ausschütteln. Frischkäse mit Radieschen und Rettichsprossen verrühren und mit Salz und Pfeffer würzen. Sollte die Masse noch deutlich zu fest sein, einen kleinen Schuss Milch unterrühren. Aber hiervor sei gewarnt, die Masse darf auf keinen Fall zu flüssig werden, sonst lässt sie sich nachher nicht mehr gut rollen. 
Nun für eine Rolle jeweils 5-6 Salatblätter in zwei Schichten übereinanderlappend auslegen. Als Unterlage und zur späteren Rollhilfe empfiehlt sich eine Bambusmatte, wie man sie zum Rollen von Sushi verwendet (s. Fotos), es klappt aber auch mit einem Stück Frischhaltefolie. Nun auf der unteren Hälfte der Salatblätter jeweils die Hälfte der Frischkäsemasse verteilen. Mit Hilfe der Bambusmatte oder Frischhaltefolie das Ganze zu einer festen Rolle aufrollen. Mit einem scharfen Messer vorsichtig in ca. 2 cm breite Stückchen schneiden und mit Zahnstochern versehen servieren. 


Die Röllchen eignen sich gut für ein frühlingshaftes Buffet oder als kleiner, frischer Zwischensnack.