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Mittwoch, 4. Februar 2015

Chili con Carne: Was Mexikaner mit Garn so alles machen

Heidewitzka, schon wieder ein abgeluchstes Rezept! Zum unmexikanischsten aller mexikanischen Eintöpfe (weil Chili con Carne ja angeblich gar nicht aus Mexiko stammt) hatte ich bisher eine etwas seltsame Assoziation. Das liegt daran, dass Teile meiner Familie die Aussprache einen winzig kleinen Hauch verbadisiert haben: „Chili con Gaaan“.
Als Kind war das „Garn“ im Chili für mich also ein unverständliches Mysterium, das mich zu wilden Spekulationen über die Etymologie des Begriffs und den Verstand der Mexikaner verführte. Ich dachte mir komische Geschichten aus, in denen Mexikaner Töpfe voller Chili mit drahtseildickem Garn am Sattel ihrer störrischen Esel festbanden, und hatte einfach keine Ahnung, wie man einem so guten Gericht einen so bescheuerten Namen geben konnte. Heute weiß ich natürlich nicht nur, wie es richtig heißt, sondern auch, dass mein bisheriges Chili con Carne-Rezept doch nicht so spektakulär war, wie ich bisher gedacht habe. Denn seit ich das Chili von meinem Freund gegessen habe, bin ich um ein Gericht, bei dem meine Augen vor Verzückung zu Platztellern (jajaa, in Herzchenform) werden, reicher. Und in Bezug auf das Ausplaudern der bis dato von ihm penibel geheimgehaltenen Rezeptur, wirkt eine Tüte Haribo-Schlümpfe manchmal Wunder ... ;-)
Ach und übrigens: So doof ist die Idee mit Garn im Chili con Carne gar nicht, es könnte euch sogar einen echt miesen „Fehlbiss“ ersparen, wie zum Beispiel hier bei der Pizza Hawaii.



Hier kommt das Rezept für Chili con Carne aka Garn aka Carlo (siehe unten): 

Zutaten für 4 Personen (ähm ... zwei ;-)):
 
500 g Rindfleisch
3 rote Zwiebeln, gehackt
2 EL brauner Zucker
1 EL Chilipulver (je nach dem wie scharf es ist, variiert hier ein bisschen)
15 g grob gehackte sehr dunkle Schokolade (mind. 80%, ansonsten ersatzweise 1 EL ungesüßtes Kakaopulver)
1 TL Oregano
1,5 gestr. EL Kreuzkümmel
1 TL Koriander, gemahlen
1 TL Niora (das ist sehr erdig riechende getrocknete Paprika, ist jedoch optional und nicht total schlimm, wenn es fehlt)
1 TL Salz
30 ml Öl
500 g Hackfleisch vom Rind
2 Dosen á 400 ml (Abtropfgewicht etwa 240g) gehackte Tomaten
3 Knoblauchzehen, fein gehackt
etwa 100g Tomatenmark, das ist ca. 1/2 Tube
250 ml Schwarzbier
200 ml starker Kaffee (das hochheilige Procedere für die perfekte Stärke zumindest mit unserer Kaffeemaschine ist: 2 Espressi mit normalem Kaffee auf 200 ml auffüllen)
200 ml Rinderbrühe
1 getrocknete Chilischote
3 Dosen schwarze oder braune kleine Bohnen, abgewaschen und abgetropft 




Zubereitung Chili con Carne:
Rindfleisch mit einem großen scharfen Messer in feine Würfelchen schneiden. Das dauert. ;-)
In einer Schüssel die Rindfleischwürfelchen mit den gehackten Zwiebeln gut vermengen. Ihr müsst es richtig fest durchkneten, am besten mit den Händen, damit der Zwiebelsaft austritt und sich mit dem Rindfleisch vermischt. Lasst es euren Kerl machen und schaut ihm dabei auf die Oberarme ... uh yeahhh! 

Jetzt bereitet ihr die Gewürzmischung vor: Braunen Zucker, Chilipulver, Schokolade, Oregano, Kreuzkümmel, Koriander, Niora und Salz in einer kleinen Schüssel vermischen.
Öl in einem großen Topf erhitzen, Hackfleisch anbraten, nach etwa 2 Minuten Rindfleisch mit Zwiebeln dazu geben und etwas anbräunen. 1 Dose gehackte Tomaten, Knoblauch, Tomatenmark und die Hälfte der Gewürzmischung dazugeben und verrühren.

Wenn es ein bisschen eingekocht ist, Bier, Kaffe, Brühe, Chilischote, die verbleibende Dose gehackte Tomaten und den Rest der Gewürzmischung dazugeben. Gut unterrühren, aufkochen lassen und dann bei schwacher Hitze etwa 1 1/2 Stunden leise köcheln lassen. Wir machen das mit Deckel, lassen ihn aber einen kleinen Spalt offen. Ab und zu umrühren. Nach etwa 45 Min. mal probieren und abschmecken, ggf. jetzt schon etwas nachsalzen. Wenn das Chili con Carne etwas zu sehr einkochen sollte, einfach etwas Brühe oder Bier nachgießen, wenn es zu flüssig ist, entfernt den Deckel und lasst es etwas stärker einkochen. Zum Schluss die schwarzen Bohnen zugeben und unterrühren, etwa eine halbe Stunde weiterköcheln lassen. That´s it!



Übrigens: Mein Rechtschreibprogramm macht aus Chili con Carne immer Chili con Carle - aus dem gedanklich innerhalb von Sekunden Chili con Carlo wurde. Ob Chili con Carne nicht vielleicht doch ursprünglich aus Italien ... ? ;-)

Sonntag, 10. Februar 2013

Feuert die Bazillen weg: Pastinakencremesuppe mit Chili-Crostini

Warum liegen Urlaub und krank sein eigentlich immer so nah beieinander? Irgendwie ist es doch meist so: Entweder wird man davor, währenddessen oder danach krank. Ich hatte die komplette letzte Woche die Ehre und pünktlich, nachdem die Snowboards im Keller verstaut und auf dem heimischen Sofa Pläne für einen entspannten Brunch für den nächsten Tag geschmiedet waren, ging es los: Erst ein zartes Hüsteln, dann ein lautes Öhö-Öhö und später selbstmitleidsträchtiges Röcheln in Begleitung von Fieber und Schüttelfrost. Es ist bekannt, dass es etwas mit Anspannung und Entspannung zu tun hat, dass der Körper oft erst im Urlaub mal ein bisschen runterfährt und durch niedrigeren Blutdruck und eine verminderte Energiezufuhr fiesen Viren und anderen Garstigkeiten freie Bahn auf die sich gerade entspannt zurücklehnen wollenden Schleimhäute lässt. Vor Jahren schon haben Wissenschaftler sogar einen Begriff dafür erfunden, die sogenannte „Freizeit-Krankheit“ (Leisure Sickness). Kann ja sein, ich wage aber noch frech eine Behauptung aufzustellen: Mein Körper will Chili! Denn das ist meist das einzige, was ich mit meinen in Mitleidenschaft gezogenen Geschmacksnerven noch schmecke und so bin ich quasi gezwungen, etwas davon mitzuverarbeiten. Die Chili-Crostini hier im Rezept spielen definitiv die Hauptrolle (auch wenn das Pastinakensüppchen ebenfalls eine feine Sache ist - ein bisschen was habe ich dann doch noch geschmeckt) und ich kann sie mir auch wunderbar im Alleingang als Knusperhäppchen zu Wein und Pläuschchen vorstellen. 



Hier kommt das Rezept für 2 Portionen: 
Für die Pastinaken-Suppe: 
1 kleine weiße Zwiebel 
350 g Pastinaken 
1 TL Butter 
2 EL Noilly Prat 
50 ml Weißwein 
400 ml Gemüsebrühe 
2 getrocknete kleine rote Chilies (Birds Eye) 
100 ml Sahne 
etwas fein gehackte Petersilie und ein paar Chiliringe zum Garnieren 

Für die Chili-Crostini: 
2 EL Olivenöl 
4 Scheiben Ciabatta 
2 EL Frischkäse 
50 g geriebener Parmesankäse 
1 Chilischote (bitte voher testen, wenn es ein besonders scharfer Kanditat ist, die Menge entsprechend reduzieren), entkernt und in feine Ringe geschnitten 
Salz, Pfeffer, fein gehackte Petersilie



Zwiebel fein würfeln, Pastinaken schälen und in Stücke schneiden. Butter erhitzen, Zwiebeln darin glasig dünsten, Pastinaken dazu geben und kurz mitdünsten. Mit Noilly Prat und Weißwein ablöschen und mit der Gemüsebrühe auffüllen. Chilischoten dazugeben und abgedeckt etwa 20 Minuten köcheln, bis die Pastinaken weich sind. Sahne unterrühren, die Chilis unbedingt wieder herausfischen (bewährt hat sich übrigens dieser Trick, um Gewürze beisammen zu halten oder man nimmt einfach ein Teesieb bzw. einen Filter) und die Suppe fein pürieren. Mit Salz und Pfeffer anschmecken und warm halten. 
Backofen auf 200 Grad vorheizen. Olivenöl in einer beschichteten Pfanne erhitzen und die Ciabatta-Scheiben darin knusprig anrösten. Frischkäse mit Parmesan und Chilischote vermischen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Auf den Brotscheiben verteilen und im Backofen etwa 8-10 Minuten gratinieren, bis die Oberfläche leicht bräunt. 
Suppe kurz vor dem Servieren noch einmal mit dem Pürierstab leicht aufschäumen. Auf Teller verteilen, mit gehackter Petersilie und Chiliringen garnieren und zusammen mit den Chili-Crostini servieren. 

Hier gab es übrigens auch schon mal ein krankheitserprobtes Wurzelgemüserezept mit Chili. Habt eine schöne, gesunde Woche!

Dienstag, 1. Januar 2013

Happy 2013 und ein Wohlfühl-Eintopf mit weißen Bohnen, Linsen und Hackfleisch

Hi there, ich hoffe ihr hattet alle einen glücklichen Start ins neue Jahr und habt schön gefeiert! Habt ihr vielleicht sogar eine klitzekleine oder auch größere Matschbirne? Ist ja nicht schlimm, hat an Neujahr doch fast jeder. Ich hatte das sogar schon als Kind. Nicht etwa, weil schadenfrohe Verwandte Vodka in die Fruchtbowle gemischt haben, sondern weil einfach alles so aufregend und spannend war. Man durfte lange aufbleiben und um zwölf hat der Opa die Raketen direkt aus der Hand in den Himmel zischen lassen (don’t try this at home). Man selbst stand wie ein Michelin-Männchen verpackt daneben, wackelte vor Begeisterung mit den Ärmchen und hüpfte umso mehr auf und ab, je bunter das Feuerwerk war. Und es gab Knallerbsen – für mich damals die Ausgeburt pyrotechnischer Genialität! Sie funktionierten ganz ohne Feuer, an das man als Kind ja bekanntlich nur schwer herankommt, und es gelang mir sogar einmal, ein paar davon aufzuheben und mit in den Kindergarten zu schmuggeln. Dort galt ich an diesem Tag als Magierin, als Herrscherin über die Knallgewalt, der man mit Tonnen von Spielzeug huldigen musste, um sie gnädig zu stimmen. Das funktionierte so lange außerordentlich gut, bis die erste Knallerbse zwischen den Füßen der Kindergärtnerin landete. Mit der Zeit ist die Knallerei deutlich in den Hintergrund gerückt und ich beschränke mich aufs Kreischen, wenn Raketen und Böller durch die Gegend fliegen. Am Neujahrstag - heute - genieße ich die Ruhe, die über der Stadt liegt. Ich beginne also dieses Jahr mit einem einem Rezept für einen Eintopf zum Wohlfühlen, der dazu einlädt, es sich mit einem großen Löffel und einem tiefen Teller gemütlich zu machen.
Ich wünsche euch ein wunderbares Jahr 2013 und nicht zuletzt weiterhin viele kulinarische Höhepunkte und Unmengen von Spaß an den Kochtöpfen! Es ist schön, dass ihr hier seid. Vielen Dank für eure Besuche, die lieben Kommentare und Nachrichten, auch in den Zeiten, in denen hier nicht so viel (äh...gar nichts) los war. 



Hier kommt das Rezept für 2-3 Portionen 
2 EL Olivenöl 
2 Schalotten, fein gehackt 
2 Stangen Sellerie, fein gewürfelt 
2 kleine Karotten, fein gewürfelt 
1 Knoblauchzehe, fein gehackt 
400 g Hackfleisch vom Rind 
1 TL Kreuzkümmel, gemahlen 
1 Prise Zimt 
1 Prise Zucker 
2 Lorbeerblätter 
2 EL Tomatenmark 
ca. 800 ml Gemüsebrühe 
300 g Tomatenstücke (abgetropft aus der Dose) 
100 g Linsen 
300 g weiße Bohnen (gekocht oder abgetropft aus der Dose) 
½ Bund Petersilie, gehackt 
Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer 



Olivenöl in einem großen Topf erhitzen. Schalotten, Sellerie und Karotten darin andünsten und ein bisschen Farbe nehmen lassen. Knoblauch und Hackfleisch sowie Kreuzkümmel dazugeben und unter braten, bis das Hackfleisch leicht gebräunt und krümelig ist. Zimt, Zukcer, Lorbeerblätter und Tomatenmark zufügen, die Brühe angießen und mit Deckel ca. 45 Minuten leise köcheln lassen. Tomaten und Linsen unterrühren und weitere 20 Minuten köcheln lassen, bis die Linsen gar sind. Der Eintopf sollte dabei etwas eindicken, ggf. die Temperatur erhöhen und stärker einkochen lassen. Die weißen Bohnen unterrühren und 10 Minuten ziehen lassen, zum Schluss kräftig mit Salz und Pfeffer abschmecken und die Petersilie unterrühren. Mit Weißbrot servieren.


Montag, 5. Dezember 2011

Schnell vorbereitet: Wirsing-Pastete

What goes around, comes around, sagt man ja so schön. Und ich bin mir auch ganz sicher, dass da eine Menge dran ist. Am eigenen Leibe erfahren habe ich das letzten Freitag, als ich mich am Telefon gemeinsam mit einer lieben Freundin über deren kränklichen Freund und das Leiden der Spezies "Erkältete Männer" im Allgemeinen lustig machte. Wir lachten über die gleich mehrere Zentimeter vorgeschobene Unterlippe, über die sonst so starken Arme, die zitternd nach der Cola (!) auf dem Sofatisch ausgestreckt werden, über "ich kann nur Fußball schauen, alles andere verstärkt die Kopfschmerzen", über das Krächzen nach überdimensionalen Burgern statt nach Hühnersuppe und über die wundersame Heilung binnen Sekunden, wenn die Kumpels anrufen und gemeinsam mit dem Darniederliegenden um die Häuser ziehen wollen. Und wirklich, absolut aus dem Nichts heraus, fing dann am Nachmittag das Kratzen in meinem Hals an. Am Abend lag ich bereits mit fast 39 Grad Fieber und Schüttelfrost in der Kiste und habe glaube ich im Delirium all die verschnupften Männer mit dem Finger auf mich zeigen und sich einen Ast lachen sehen. An diesem Wochenende war ich trotz dieser fiesen Retourkutsche dennoch froh über zwei Dinge: Erstens über meine Abwehrkräfte, die doch zu funktionieren scheinen, denn ab Samstag ging es schon wieder bergauf und bis auf etwas Mattheit ist alles wieder gut. Zweitens habe ich mich über die Idee für dieses kleine Pastetchen gefreut, das so schön winterlich-deftig war, dass man auch mit zeitweise einbetonierten Geschmacksnerven eine Ahnung davon hatte, wie es schmeckt. Und ja, es ist schon wieder Wirsing ... ;-)


Hier kommt das Rezept für eine rechteckige Tarteform:
1 kleiner Kopf Wirsing
1 EL Öl
1 Zwiebel, fein gewürfelt
80 g Speck, fein gewürfelt
3 EL Sahne
Salz, Pfeffer
1 Packung Blätterteig, rechteckig (selbst gemacht ist natürlich besser)
1 TL Öl
1 Ei
1/2 Kugel Mozzarella, in feine Scheiben geschnitten.
etwas Milch


Vom Wirsing den Strunk entfernen, die Blätter waschen, gut abtropfen lassen und in Streifen schneiden. Öl in einer Pfanne erhitzen und die Zwiebelwürfel darin unter Rühren andünsten. Speck dazugeben und ein paar Minuten mitbraten. Wirsing hinzufügen und dünsten, bis er zusammenfällt. Dabei öfter umrühren. Zum Schluss die Sahne unterrühren, kräftig mit Salz und Pfeffer würzen, und die Masse zum Auskühlen beiseite stellen. Backofen auf 200 Grad vorheizen.
Den Blätterteig rechteckig ausrollen und längs zerteilen. Backform mit 1 TL Öl einpinseln. Mit der einen Hälfte des Teigs die Form auslegen, aus der anderen Hälfte je nach Geschmack Motive ausstechen, dabei darauf achten, dass die Platzierung passt. Die ausgestochenen Motive neben die Motivlöcher (gibt es eigentlich ein schöneres Wort dafür?) setzen und vorsichtig andrücken. Ei trennen, das Eiweiß unter die Wirsingmasse rühren, das Eigelb in einem kleinen Schälchen mit etwas Milch verquirlen. Die Wirsingmasse in die Form geben und glatt streichen. Mozzarellascheiben so auf die Masse legen, dass sie später genau unter den Löchern der ausgestochenen Motiven liegen. Die verbleibende Hälfte Blätterteig vorsichtig auf die Wirsingmasse legen und an den Rändern etwas festdrücken. Überstehende Teigreste entfernen, diese kann man, so wie ich es gemacht habe, noch für die Verzierung des Randes nutzen, indem man sie zu langen Strängen rollt und am Rand entlang auslegt. Die gesamte  Pastete mit Eigelb bestreichen und im vorgeheizten Backofen ca. 35 Minuten backen, bis die Oberfläche schön goldgelb ist. Zum Servieren die Pastete in ca. 5 cm breite Stücke schneiden. 


Die Pastete schmeckt auch kalt sehr gut. Wenn ihr keine rechteckige Form habt, könnt ihr natürlich auch eine runde Form nehmen, dafür braucht ihr etwas mehr Blätterteig. Was ich mir auch gut vorstellen kann, sind viele kleine Mini-Pastetchen für ein winterliches Buffet. Hierfür würde ich, quasi wie bei Ravioli, auf eine Hälfte des Teigs kleine Häufchen von der Wirsingmasse im Abstand von ca. 3 cm setzen, die Zwischenräume mit Eigelb bepinseln, die andere Hälfte obendrauf legen und gut andrücken, dann in Form schneiden und mit Eigelb bepinselt backen. Guten Wochenstart euch, und bleibt mir gesund! 

Freitag, 25. November 2011

Gegen Kälte: Wirsingeintopf mit Kartoffeln und Speck

Gestern hatte ich nach all den sonnigen Stunden und milden Temperaturen das Gefühl, es war der erste "richtige" Novembertag. Grau, kalt, mit Nebelschwaden, die am frühen Morgen und abends durch die Straßen ziehen. Und wisst ihr was? Ich mag das eigentlich sehr gerne, weil kalte Luft die klarste ist und weil es dann so gemütlich ist, wenn man nach Hause kommt. Nur das Aufstehen fällt schwer, nicht wegen der Müdigkeit, aber weil es im Bett doch so schön warm und draußen in der Wohnung morgens so kühl ist. Als Entschädigung dafür lege ich, noch bevor ich ins Bad gehe, mein gesamtes Tagesoutfit auf die Heizung - denn es vertreibt sämtliche Rest-Frösteleien, wenn man frisch geduscht in die vorgewärmten Klamotten schlüpft! Probiert das mal aus, ich zumindest bin süchtig danach. Hier kommt ein Rezept mit meinem geliebten Wirsing, genau das richtige, um sich passend dazu dann am Abend auch von innen zu wärmen. 


Hier kommt das Rezept für 3-4 Personen:
1 kleiner Kopf Wirsing
1 EL Olivenöl
80 g Speck, fein gewürfelt
2 Knoblauchzehen, fein gehackt
1 Zwiebel, fein gehackt
1/2 TL gemahlener Piment
400 g Kartoffeln, geschält und gewürfelt
500 ml Gemüsebrühe
500 ml Milch
etwas Speisestärke
Salz, grob gemahlener Pfeffer

Vom Wirsing den Strunk entfernen, die Blätter waschen, gut abtropfen lassen und dann erst längs in ca. 1 cm breite Streifen und dann quer in 2 cm breite Stücke schneiden. Olivenöl in einem Topf erhitzen, die Speckwürfel darin 2 Minuten anbraten. Knoblauch und Zwiebeln dazugeben und dünsten, bis die Zwiebeln glasig sind. Piment und Kartoffeln dazugeben, etwas andünsten lassen. Wirsing hinzufügen und rühren, bis er gar ist und zusammenfällt. Brühe und Milch zugeben und einmal aufkochen lassen. Speisestärke mit etwas Wasser in einem kleinen Schälchen glatt rühren und in den Eintopf rühren, damit die Flüssigkeit etwas gebunden wird. Mit Salz abschmecken und zum Servieren mit frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer bestreuen.



Ich wünsche euch vorab ein tolles Wochenende und am Sonntag einen wunderschönen ersten Advent mit Besinnlichkeit und Weihnachtsplätzchen! Bei mir gibt es dann Aspirin und Rollmops, ich verabschiede mich für einen kleinen Geburtstagsfeiermarathon nach Freiburg.

Donnerstag, 3. November 2011

Geduldsprobe: Besoffene Trockenfrüchte

Morgens festgefrorene Hände am Fahrradlenker. Das war mein gestriges Schlüsselerlebnis. Brrrr! Brrrrrrrr! Ist das kalt geworden da draußen! Aber trügerisch, denn bereits um die Mittagszeit wird es angenehm mild und man fühlt sich bei geöffneten Fenstern und voller Sonnendröhnung noch meilenweit vom Winter entfernt. Ja und sobald es dunkel wird, traut man sich wieder nicht den Fahrradlenker anzufassen, wenn man keine Handschuhe dabei hat. Wie jedes Jahr frage ich mich also jetzt schon, wie soll das mit der Kälte erst in ein paar Wochen werden? Im Dezember. Oder JANUAR!! Das Gute ist, eigentlich weiß ich die Lösung schon längst: Wärmendes Essen und heiße Getränke! Das hat uns auch in den letzten Jahren immer gut durch die kalten Monate geführt, uns wohlige Gänsehaut verpasst und uns an trüben Tagen schön eingeheizt. Und extra-heiß wird´s im Bauch bekanntlich mit einem guten Schuss Schnaps. Schön, wenn sich das noch mit winterlichen Gewürzen und süßem Trockenobst verbinden lässt, so wie hier. Allerdings muss man sich ein bisschen gedulden, denn die Früchte müssen drei Wochen durchziehen und sich quasi "volllaufen" lassen.


Hier kommt das Rezept für 3-4 Gläser á 250 ml:
(Ein ähnliches Rezept habe ich im Buch Winterküche gelesen, daher stammt die Idee)
160 g Zucker
280 ml Wasser
1/2 Orange
1 Vanilleschote
1 Zimtstange
200 g getrocknete Aprikosen
200 g getrocknete Feigen
2 Sternanis 
200 ml Vodka
100 ml Grand Marnier

Zucker und Wasser in einen Topf geben und erhitzen. Aus der halben Orange den Saft auspressen und mit einem scharfen Messer oder einem Zestenschneider ca. 10 dünne Streifen von der Schale abschneiden. Beides zu dem Zucker-Wasser-Gemisch geben, dabei darauf achten, dass die Kerne zurückbleiben. Zimtstange in 2-3 Stücke brechen, Vanilleschote aufschlitzen und das Mark herauskratzen, dann die Schote in 2-3 Teile schneiden und alles zusammen mit dem Sternanis in den Topf zu den anderen Zutaten geben. Alles unter Rühren aufkochen, bis sich der Zucker gelöst hat. Aprikosen und Feigen dazu geben und kurz unterrühren. Mit einer kleinen Schöpfkelle Feigen und Aprikosen in sauber ausgespülte Gläser füllen, dabei darauf achten, dass die Teile von Zimtstange, Vanilleschote, Orangenzesten und Sternanis einigermaßen verteilt werden und sich nicht alles in einem Glas tummelt. Kochsud ca. 5 Minuten einkochen. Grand Marnier und Vodka mischen und auf die Gläser verteilen, dann mit dem Kochsud auffüllen. Die Trockenfrüchte ca. 3 Wochen durchziehen lassen, dabei ab und zu mal umdrehen, damit sich der Alkohol gut verteilt. 


Und jetzt heißt es abwarten! Ich überlege mir derweil ein schönes winterliches Dessert, bei dem diese kleinen Schnapsbomben dann die würzige Beilage spielen dürfen. Und wenn es soweit ist, seid ihr natürlich die ersten, die erfahren wie es geschmeckt hat.

Dienstag, 1. November 2011

Bastelstunde und ein Saucentraum: Rindfleisch in Holunder-Schokoladen-Sauce

Liebe Leserinnen und Leser, willkommen zur lustigen Bastelstunde. Heute haben wir uns den DIY-ATK-KL vorgenommen, der ruckzuck fertig ist und jede Küche schmückt. Ihr braucht: Einen Holzkochlöffel und einen schwarzen Filzstift. 



Anleitung: www.ArthursTochterKocht.de in Druckbuchstaben auf den Löffel schreiben und fertig ist euer Do-it-yourself-Arthurs-Tochter-Kocht-Kochlöffel. Damit könnt ihr 1a-Sößchen rühren (siehe Rezept unten) aber leider nicht mehr an der verrückten Löffelreise teilnehmen. Dafür war nämlich letzte Nacht Einsendeschluss. Und mitmachen ging wahrscheinlich sowieso nur mit dem Original-ATK-KL. Für diejenigen, die jetzt denken "was haben die nur alle zur Zeit mit diesen Löffeln", sei kurz erklärt, dass es sich um einen wirklich lustigen und originellen Blogevent handelt, der straight from the Ingelheim-Headquarters ins Leben gerufen wurde. Hier könnt ihr alles nachlesen. Meinen "richtigen" Löffel habe ich auf der wilden Party vergessen, auf der er verteilt wurde, oder er ist mir sonstwie abhanden gekommen. Und dann habe ich es auch noch verpasst, mich rechtzeitig um einen Ersatz zu kümmern. Selbst Schuld, aber weil ich nicht nur den Löffel, sondern auch die Idee, die so viele spannende Erlebnisse, Orte und Persönlichkeiten mit sich bringt, für einen Blogevent wirklich toll finde, kommt hier trotzdem noch ein Löffel in ungewohnter Atmosphäre. Er ziert ein Bild von Stefan Strumbel, einem von uns geschätzten Offenburger Künstler, der den Begriff Heimat in seiner Arbeit in einem neuen Kontext interpretiert. Ich interpretiere Heimat nicht zuletzt mit Essen - und diese schöne Verbindung begleitet mich hoffentlich auch noch mein ganzes Leben. 
Jetzt kommen wir zum Rezept: Passend zum Löffel gibt es auch ein Gericht von Arthurs Tochter aka meine persönliche Saucenqueen, an dem mich die Verwendung von Holundersaft und Schokolade sehr angesprochen hat. Und schaut euch mal an, wie dunkel das Fleisch außen geworden ist! Und die Sauce erst. Schwarzes Gold, haben wir gesagt, denn es hat wirklich köstlich geschmeckt.


Hier ist das Rezept für 2-3 Portionen (ich habe es quasi bei Arthurs Tochter abgeschrieben und das verwendete Fleisch angepasst, das Original-Rezept findet ihr hier): 

500 g Rinderschmorfleisch am Stück (meins war aus dem Bug)
ca. 400 ml Rinderfond 
0,75 l Holunder-Muttersaft 
Butterschmalz zum Braten 
Wurzelgemüse (Sellerie, Lauch, Möhren, Gemüsezwiebel) 
3 Zweige Rosmarin 
Etwas Ketchup 
Ein "Schuß" dunkle Sojasauce 
Ca. 20 g feine Schokolade mit mindestens 70 % Kakaoanteil 

Sellerie, Lauch, Möhren in grobe Stücke schneiden und eine große Gemüsezwiebel teilen. In einer Pfanne das Butterschmalz erhitzen und das Rindfleisch kross anbraten. Währenddessen in einem Schmortopf das Gemüse und die Zwiebel anbraten, etwas Ketchup dazu und einen Schuß Sojasauce. Mit dem Fond ablöschen und etwas einköcheln lassen. Das Fleisch aus der Pfanne obenauf legen, den Bratenansatz dazu, mit dem Holundersaft aufgießen, die Hälfte der Schokolade und die Rosmarinzweige dazugeben und kurz viel Hitze geben. Dann in den auf 80° C geheizten Ofen stellen, nach einer Stunde auf 120° gehen und 2-3 weitere Stunden offen schmoren. Fleisch aus dem Sud nehmen und warmstellen. Den Sud durch ein feines Sieb gießen und einreduzieren. Mit eiskalter Butter binden und die restliche Schokolade dazugeben. Mit etwas Pfeffer und Salz nachwürzen. 

Ich habe dazu einen einfachen Kartoffelpüree gemacht, unter den ich 3 Stangen pürierten Staudensellerie gehoben habe - hat sehr gut gepasst!



Freitag, 28. Oktober 2011

Gerade noch so die Kurve gekriegt: Gulasch mit Malzbier und Kümmel

Ich kann mich daran erinnern, dass ich als Kind eine Phase hatte, in der ich außerordentlich gerne Malzbier getrunken habe. Und zwar direkt aus der Flasche, sämtliche pädagogischen Anweisungen der werten Mama ignorierend. Nicht lang schnacken, Kopp in' Nacken. Da saß man dann also in Pferde-T-Shirt, ausgelatschten rosa Chucks und mit Prinz-Eisenherz-Frisur und kam sich ziemlich cool vor. 
Ich glaube ich habe jetzt seit mindestens 15 Jahre kein Malzbier mehr getrunken. Und auch nicht mehr wissentlich daran gedacht, bis ich auf ein Rezept für Gulasch mit Malzbier gestoßen bin und wirklich große Lust bekam, das mal zu essen. Wie man es bei anderen Gerichten mit dem Wein macht, so habe ich mir auch hier zu Beginn der Kochaktion ein Fläschchen Malzbier geöffnet. Einen groooßen Schluck genommen, auf den eigentlich ein zufriedenes, kehliges "aaaaahhh" folgen sollte, bei dem man die Bierflasche lächelnd anschaut und andächtig mit dem Kopf nickt. Das kam aber nicht, dafür aufgerissene Augen, gequältes Schlucken der pappsüßen Flüssigkeit und eine Erschütterung des Glaubens an alle guten Geister in jungen Jahren. Was jetzt? Flucht in die Schnitzelkneipe nebenan oder doch ausprobieren, ob das Malzbier sich zu einem guten Geschmacksgeber entwickelt, wenn es ein paar Freunde in Form von Rindfleisch, Gemüse und Gewürzen an die Seite bekommt? Na okeeeh ...


Hier kommt das Rezept für 2 Portionen:
500 g Rindfleisch zum Schmoren
1 Zwiebel
1 Möhre
1 Stück Lauch (ca. 10 cm)
1/2 TL Kümmelsamen
2 EL Öl
Salz, Pfeffer
1 EL Tomatenmark
0,33 l Malzbier (1 kl. Flasche, ich hatte das, das einen laut Werbung in den 80ern "fit wie ein(en) Profi" macht. Vielleicht gibt es je nach Marke Unterschiede, was die Süße betrifft, das müsste man ausprobieren, dieses hier war jedenfalls für meinen Geschmack sehr süß.)
1 Lorbeerblatt
1 Prise Paprikapulver edelsüß
1/2 TL getr. Majoran
150 ml Fleischbrühe
(evtl. 1 gestr. TL Speisestärke + 3 EL Wasser)
Saure Sahne zum Servieren! (!!!!)

Das Fleisch in mundgerechte Würfel schneiden. Die Zwiebel schälen und fein würfeln, Möhre schälen und in kleine Würfel schneiden. Lauch waschen, längs halbieren und in kleine Würfel schneiden. (Wer möchte hackt den Kümmel auch, das habe ich aber nicht gemacht, weil ich zu starkes Kümmelaroma nicht so gerne habe). 
In einem (Schmor-)Topf 1 EL Öl erhitzen und das Fleisch darin anbraten. Herausnehmen, salzen und pfeffern und beiseite stellen. 
Das restliche Öl zum Bratfett geben und bei mittlerer Hitze die Zwiebeln andünsten. Möhre, Lauch und Kümmel dazugeben und kurz mitdünsten. Tomatenmark einrühren und anrösten. Mit wenig Malzbier ablöschen, vollständig einkochen lassen, dann das übrige Bier, Lorbeerblatt, Paprikapulver und Majoran dazugeben und aufkochen. Fleischbrühe und Fleisch unterrühren, salzen und pfeffern und alles bei mittlerer Hitze zugedeckt knapp 2 Stunden schmoren lassen. Das Fleisch sollte jetzt schon zart sein. (Falls die Sauce noch zu flüssig ist, Speisestärke mit Wasser glatt rühren und unter die Sauce rühren um sie zu binden, dann noch einmal 10 Minuten köcheln lassen). Mit reichlich saurer Sahne servieren. 


Beim Probieren während des Kochens habe ich gedacht, das ist diesmal wirklich nicht zu retten. Einfach viel zu süßlich und gar nicht mein Geschmack. Aber die saure Sahne reißt hier das Ruder zu einer Kursänderung um exakt 180 Grad herum, denn damit hat es wirklich gut und sehr ausgewogen geschmeckt, mit genau der richtigen Dosis Süße und Kümmel. Wir haben dazu einfach übrig gebliebene Brötchen vom Frühstück gegessen. Ich ditsche doch so gerne in der Sauce ... ihr wisst schon. Die Idee für das Gulasch basiert auf einem Rezept aus dem Buch "Winterküche" von Tanja Dusy, ich habe die Mengen und Zutaten für uns und an den Vorrat angepasst. Der Stapel an Rezeptideen wächst übrigens auch wieder, ich möchte nämlich unbedingt ein Gulasch mit normalem Bier ausprobieren - das kann ich mir nach diesem Erlebnis sehr gut vorstellen. Vorschläge werden gerne entgegen genommen!

Montag, 17. Oktober 2011

Back home: Lasagne mit Wirsing und Hackfleisch

Für ein paar Tage waren wir tiiief im Bayerischen Wald zu Gast und eines Morgens bot sich uns dieses Bild:


Schockschwerenot! Schnee! Der erste, den ich dieses Jahr zu Gesicht bekam. Sssssrrrrrrrt - Rollo wieder runter. So schön die weiß bedeckten Baumwipfel und Bergspitzen auch anzusehen sind, ich bin froh, dass wir weiter unten im Tal noch von der weißen Pracht verschont wurden. Ein bisschen möchte man den goldenen Herbst ja noch genießen. Das haben wir auch in vollen Zügen, wir waren viel an der frischen Luft und haben bei einer Wanderung rund um den Osser, auf steilen, steinigen Waldwegen bergauf, vorbei an einem Gespensterschloss und einem Wallfahrtskapellchen, einmal mehr der Erfindung des GPS gehuldigt, ohne dessen Hilfe wir uns wahrscheinlich irgendwann in Tschechien wiedergefunden hätten. 


Eine liebe Miturlauberin hat nebenbei einen Fliegenpilz entdeckt. Ich habe zuvor noch nie einen "in echt" gesehen und war ganz angetan von diesem schönen aber monströsen Exemplar mit einem Durchmesser von ungefähr 20 Zentimetern. Schon irgendwie märchenhaft, oder?  Übrigens war das Essen von Fliegenpilzen in und um Hamburg angeblich früher weit verbreitet, die Giftstoffe sind nämlich wasserlöslich und nach deren Entfernung soll keine Gefahr mehr bestehen. Aber wann weiß man, dass tatsächlich alle Giftstoffe weg sind? Ähm, kommen gar meinen Hamburger Lesern die Erinnerungen an gemeinsame Essen mit ihren Großeltern jetzt im Nachhinein vielleicht ein bisschen "verspult" vor? Oh oh ... Lassen wir besser die Finger davon. :-)
Wieder zuhause (nach einer nicht enden wollenden Fahrt mit Umleitungen und Staus en masse) war es mir nach deftiger, wärmender Küche – und was eignet sich da besser, als ein Ofengericht. Weil ich Wirsing in der kalten Jahreszeit liebe, habe ich, sobald er verfügbar ist, fast immer einen kleinen Kopf zuhause liegen. Glück für mich!


Hier kommt das Rezept für 2-3 Portionen:
1 kleiner Kopf Wirsing
1 Zwiebel 
1 Knoblauchzehe
2 EL Olivenöl
400 g Rinderhackfleisch
Salz, Pfeffer
600 ml Rinderbrühe
200 g Sahne
1 TL getr. Oregano
9 Lasagneblätter
100 g frisch geriebener Gouda oder Emmentaler
Ein paar Stängel Petersilie, fein gehackt, zum Garnieren

Vom Wirsing den Strunk und die dicken Blattrippen entfernen. Blätter waschen, gut abtropfen lassen und in grobe Streifen schneiden. Zwiebel und Knoblauch schälen und fein würfeln. 
In einer großen Pfanne 1 EL Olivenöl erhitzen, Zwiebeln und Knoblauch darin andünsten. Hackfleisch dazugeben und anbraten, dabei mit dem Kochlöffel zerkleinern, dass es krümelig wird. Hackfleisch aus der Pfanne nehmen und beiseite stellen. 1 EL Olivenöl in die Pfanne geben und Wirsing darin ca. 5 Minuten anbraten, bis er zusammenfällt. Brühe, Sahne und Oregano unterrühren, kräftig mit Salz und Pfeffer abschmecken und zugedeckt ca. 5 Minuten weiter dünsten. Hackfleisch dazugeben und ggf. nochmals abschmecken. 
Den Backofen auf 180°C vorheizen. Ca. zwei Esslöffel von der Sahne-Brühe von der Wirsing-Hackmischung auf dem Boden einer Auflaufform verteilen und darauf die ersten drei Lasagneplatten nebeneinander legen. 1/3 der Wirsing-Hackmasse mit Sahne-Brühe darauf verteilen und wieder mit 3 Lasagneblättern belegen. So weiter verfahren, bis alles Zutaten aufgebraucht sind, dabei mit Wirsing-Hackmasse abschließen. Die Lasagne mit geriebenem Käse bestreuen und im vorgeheizten Ofen ca. 30-40 Minuten backen, bis der Käse goldgelb zerlaufen ist. Herausnehmen und ein paar Minuten in der Form abkühlen lassen. Dann portionieren und mit Petersilie bestreut servieren. 



Donnerstag, 3. März 2011

Klebrige Angelegenheit: Schwarzwurzelcremesuppe mit selbstgemachtem Knäckebrot

Man soll Warnungen ernst nehmen, sich genau informieren und keine Experimente machen! Jetzt habe ich über die gemeine Schwarzwurzel ja schon einiges gelesen, aber scheinbar nur oberflächlich: Winterspargel und UNBEDINGT Handschuhe anziehen, so die Kernaussagen. Aha. Spargelig schmecken tun sie, finde ich, kaum, eher nussig, aber durchaus fein. Und bezüglich der Handschuhe war ich zunächst auf dem falschen Dampfer, denn ich dachte, die schwarze Schale färbt einfach ab. Das tat sie nun gar nicht und ich habe schon gedacht, ich hätte nichtfärbende Deluxe-Schwarzwurzeln erwischt, die den Gebrauch von engen Latexhandschuhen gänzlich überflüssig machen (wer trägt sowas schon gerne in der Küche!). Na klar, und jetzt kommt, was viele von euch sicher schon wussten: Die Biester kleben wie verrückt! Und damit nicht genug, der Schwarzwurzel-Pattex verfärbt sich nach ein paar Minuten auch noch so richtig schön braun und frisst sich förmlich in die Haut ein. Das ist ihre Waffe! Damit treiben sie einen zur Weißglut und ruinieren die frische Maniküre und deswegen soll man auch HANDSCHUHE ANZIEHEN!! Für die Zukunft weiß ich Bescheid, und während die Suppe köchelt sitze ich da, pule kleine, klebende, braune Schwarzwurzel-Würstchen von meinen Fingern und zücke den Nagellackentferner - denn der entfernt nicht nur die ruinierte Maniküre sondern auch hartnäckige braune Schwarzwurzelflecken!


Hier kommt das Rezept für 3-4 Portionen:

Für die Schwarzwurzelcremesuppe:
500 g Schwarzwurzeln
1 EL Öl
1 Schalotte, fein gehackt
1 kleiner Schuss Weißwein
1 l Gemüsebrühe
100 ml Sahne
Salz, Pfeffer
1 EL Leinsamen
evtl. ein Stängelchen Petersilie zum Anrichten (oder, wie ich mittlerweile sage: für´s Aug´, gell!)

Für das Knäckebrot:
100 g Vollkornmehl (ich habe Roggenvollkornmehl genommen)
1 gestr. EL Leinsamen
1 gestr. EL Sesam
1 Msp. Backpulver
1 gestr. TL Salz
80 ml Milch
15 ml Öl
1 TL Öl extra
1 TL Leinsamen

Schwarzwurzeln schälen (am besten mit Einmalhandschuhen, wir erinnern uns...), in ca. 3 cm lange Stücke schneiden und bis zur weiteren Verwendung in leicht gesalzenes oder mit einem Spritzer Zitrone versehenes Wasser legen, so werden sie nicht so braun. Öl in einem Topf erhitzen und die Schalotten darin andünsten. Schwarzwurzeln abgießen, gut abtropfen lassen und zu den Schalotten geben. Ein paar Minuten mit andünsten, dann mit einem Schuss Weißwein ablöschen und mit Gemüsebrühe auffüllen. Knapp 30 Min. leise köcheln lassen.
Währenddessen alle Zutaten für das Knäckebrot gut miteinander verkneten, der Teig ist erstmal auch sehr klebrig, sollte er zu nass sein, etwas Mehl zugeben. Ein mit Backpapier ausgelegtes Blech mit 1 TL Öl ausstreichen und den Teig darauf dünn ausrollen. Mit 1 TL Leinsamen bestreuen und noch einmal gut andrücken, das ist wichtig, bei mir sind nach dem Backen nämlich fast alle Leinsamen wieder heruntergefallen. Das Knäckebrot noch vor dem Backen mit einem scharfen Messer oder Pizzaroller in Stücke schneiden, mit einer Gabel ein paar Mal einstechen und im vorgeheizten Backofen bei 220°C ca. 20 Minuten backen. Nach Ende der Backzeit herausnehmen und noch heiß die Stücke voneinander trennen. Etwas abkühlen lassen.
Die Suppe mit einem Pürierstab fein pürieren, Sahne schlagen und unterrühren, dabei einen kleinen Rest zum servieren aufbewahren. Suppe auf vorgewärmten Tellern verteilen und mit einem Klacks Sahne, evtl. Petersilie, ein paar Leinsamen garniert und dem Knäckebrot servieren.


Das Rezept für die Suppe und das Knäckebrot ist aus mehreren Internetportalen zusammengewürfelt, vornehmlich von E&T und CK. Das, was bei den Schwarzwurzeln so klebt, ist übrigens der austretende Milchsaft - und der gilt als Anti-Stressmittel. Gibt´s den auch in Flaschen? Das wäre doch mal ne Marktlücke!

Montag, 14. Februar 2011

Geheimnisvolle Kräuter: Steckrübeneintopf mit Rhönwurz

Schnäpschen gefällig? Das gibt´s heute leider nicht, dafür aber dessen Fleisch gewordenes Pendant: Rhönwurz – die Wurst! Ganz ehrlich, ich habe davon bis vor kurzem noch nie gehört. Ihr? Jedenfalls bin ich neulich auf der Suche nach Kaminwurzen, die eigentlich als Einlage für meinen Steckrübeneintopf dienen sollten, auf die dünnen Rhönwurzen gestoßen und habe mich spontan dazu entschieden, es mal mit ihnen zu versuchen. Gib der Worschd eine Chance! Ich habe dann mal ein bisschen herumgeforscht und herausgefunden, dass es Rhönwurz auch in Flüssigform gibt. Nein, wo denkt ihr hin, natürlich handelt es sich nicht um püriertes Trink-Fleisch, sondern um einen kräftigen Magenbitter, der aus den Kräutern der rhönischen Wiesen und Wälder gebrannt wird, und im Grenzland von Hessen, Bayern und Thüringen zu rustikalen Brotzeiten serviert wird. In der Rhönwurz (der Wurst) sind neben Schweine- und Rindfleisch tatsächlich auch Kräuter enthalten, welche genau wird allerdings nicht ersichtlich, das ist alles äußerst geheimnisvoll. Aber irgendwas Besonderes muss dran sein an den Rhönkräutern, denn durch sie wurden sogar schon Schafe in königliche Kreise erhoben, wie ihr bei Slowfood nachlesen könnt. 


Hier kommt das Rezept für 2 Personen: 
250 g Steckrüben 
100 g Mören 
250 g Kartoffeln 
1 Knoblauchzehe 
100 g Rhönwurz 
1 EL Butter 
300 ml Gemüsebrühe 
125 g Schmand 
1 Lorbeerblatt 
1 TL gehackte Thymianblättchen 
Salz, Pfeffer 
1 EL Zitronensaft 

Steckrüben, Möhren und Kartoffeln schälen und in 2 cm große Rauten schneiden. Knoblauchzehe fein hacken. Rhönwurzen schräg in 1 cm dicke Scheiben schneiden. In 2 EL heißer Butter unter Rühren bei mittlerer Hitze braten und herausheben. Steckrüben, Möhren und Kartoffeln im Bratfett andünsten. Knoblauch untermischen und kurz mitdünsten. Gemüsebrühe, Schmand, Lorbeerblatt und Thymianblättchen zugeben. Mit Salz und Pfeffer würzen. Zugedeckt aufkochen und bei mittlerer Hitze 25-30 Minuten kochen lassen. 2 Kellen vom Eintopf abnehmen und fein pürieren. Wieder in den Topf geben. Rhönwurz unterrühren und mit Zitronensaft würzen. 


Das Rezept stammt aus E&T 2/09, ich habe nur die Kaminwurzen mit Rhönwurzen ersetzt.

Donnerstag, 10. Februar 2011

Go green: Feldsalatsuppe mit Speck-Croutons

Noch ist Saison für Feldsalat, meine liebste aller Salatsorten! Ich mag ihn so gerne, dass meine Oma in ihrem Garten jahrelang sogar im Sommer ein paar Blättchen für mich angepflanzt hat. Das ergab dann immer 2 Handvoll, die ich mit nach Hause nehmen durfte und die dann natürlich auch etwas ganz Besonderes waren. Jetzt, im Winter, kaufe ich kaum eine andere Sorte Salat und am besten schmeckt er mir mit Speck und selbstgemachten Croutons. Aaaaber: Da sind schon wieder diese zwei Seelen! Da, in meiner Brust! Denn Winterzeit ist ja auch Suppenzeit und wenn es nur um ein leichtes Abendessen geht, ist so ein warmes Süppchen einem kühlen Salat doch manchmal vorzuziehen. Deswegen gibt´s den Salat heute ganz einfach in der pürierten Variante! Hurra!


Hier kommt das Rezept für zwei Personen: 
1 Schalotte, geschält und fein gewürfelt 
20 g Butter 
50 ml Weißwein 
450 ml Fleischbrühe 
60 g Feldsalat, gewaschen und trocken geschleudert 
je nach Geschmack ½ Knoblauchzehe, geschält und fein gehackt 
5 EL Olivenöl 
150 ml Sahne 
Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer 
50 ml geschlagene Sahne 

2 Scheiben Weißbrot 
2 EL Olivenöl 
1 gehäufter EL Speckwürfel 

Butter erhitzen und die Schalotten darin andünsten. Mit Weißwein ablöschen und mit Fleischbrühe auffüllen, mit Salz und Pfeffer würzen und einkochen lassen. Feldsalat, evtl. Knoblauch und Olivenöl in ein hohes Gefäß geben und fein pürieren. Die Sahne zu der Fleischbrühe geben und noch einmal um die Hälfte einkochen. Mit Salz und Pfeffer würzen. Die eingekochte Suppe mit einem Stabmixer aufschlagen, den pürierten Feldsalat daruntermischen. Die geschlagene Sahne unterheben. 
Weißbrot in ca. 1 cm große Würfel schneiden. 2 EL Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und die Brotwürfel mit dem Speck kross anbraten. Brotwürfel und Speck als Suppeneinlage verwenden. 


Das Rezept stammt aus der aktuellen Ausgabe von So isst Italien 2/11. Ich musste ein paar Angaben anpassen, denn mit dem Originalrezept hat die Suppe viel zu sehr nach Knoblauch geschmeckt und war mir allgemein zu deftig (und ihr wisst: DAS HEIßT WAS!!!). Mit den paar kleinen Änderungen jedoch ist es ein feines Süppchen geworden, das sehr hübsch aussieht und definitiv in mein winterliches Vorspeisenrepertoire aufgenommen wird.

Sonntag, 6. Februar 2011

Saftige Angelegenheit: Gulasch, so wie ich es mag

Neulich beim Einkaufen bin ich durch das Regal mit Fix-Tütchen gelaufen und habe mal inspektormäßig geschaut, was es da mittlerweile alles an Gerichten gibt. Hallelujah! Da gibt es Pülverchen für Broccoli-Gratin, wenn die Kinder endlich mal wieder Gemüse essen sollen, es gibt gebratene Nudeln nach Thai-Art, wenn man mal so richtig exotisch sein will, und es gibt Geschnetzeltes à l'Orange, wenn man den Liebsten mit französischer Kochkunst beeindrucken möchte. Dann sind da natürlich noch die Klassiker Spaghetti Bolognese, Hackbraten, Chili con Carne und Gulasch. Jawoll. Und letzteres war ausverkauft, deswegen musste ich es wohl oder übel selber machen. Sowas aber auch! ;-) 



Hier kommt das Rezept für 2-3 Portionen:


500 g Rindfleisch 
3 EL Sonnenblumenöl
4 EL Paprikapulver (edelsüß)
500 g Zwiebeln, geschält und in feine Streifen geschnitten
3 Paprika, geputzt und in ca. 2x1 cm große Stücke geschnitten (ich nehme meist rot/grün/gelb)
1 EL Tomatenmark
200 ml Rotwein (ich nehme immer einen günstigen Bordeaux)
200 ml Rinderfond
70 g Crème fraîche
1 Stengel Petersilie

Das Fleisch von größeren Sehnen und Fettstücken entfernen und in mundgerechte Würfel schneiden. Öl in einem großen Topf, am besten einem gusseisernen Bräter, erhitzen und das Fleisch darin kurz anbraten. Dann das Fleisch mit Salz, Pfeffer und Paprikapulver würzen. Zwiebeln und Paprika dazugeben und ein paar Minuten mitdünsten. Das Tomatenmark unterrühren und mit Wein ablöschen. Das soll ordentlich zischen (mein Lieblingsmoment!). Jetzt den Rinderfond angießen und das Gulasch bei geschlossenem Deckel und auf kleiner Hitze 2 Stunden schmoren lassen, dabei nur ca. 2-3 mal umrühren. Es soll nur ganz leicht köcheln. Am Ende der Schmorzeit die Crème fraîche unterrühren, evtl. noch einmal mit Salz und Pfeffer abschmecken und das Gulasch mit Petersilie garniert servieren. Bei uns gab es dazu hauchdünne Bratkartoffeln, die sich schön mit der feinen Sauce vollsaugen. 


Das Rezept stammt ursprünglich aus einer uralten Zeitschriftenbeilage von Brigitte, mit der Zeit habe ich die Mengenverhältnisse an meinen Geschmack angepasst, die Schmorzeit verlängert und den Rinderfond dazugedichtet, weil das Gulasch so noch kräftiger schmeckt und herrlich zart wird. 

Sonntag, 30. Januar 2011

Fußfreie Zone: Schupfnudeln mit Sauerkraut und Speck

Brrrr, ist das kalt da draußen! Die eisige Luft schreit förmlich nach einem deftigen Gericht, das ein wenig gemütliches Hüttenfeeling aufkommen lässt. Bei mir sind Schupfnudeln mit Sauerkraut und Speck da definitiv ganz weit oben auf der Liste. Und was Sauerkraut nicht alles kann: Es ist ein wahrer Gesundheitsbrunnen, reich an Vitamin C, gut für die Verdauung und hat dabei kaum Kalorien. Der einzige Grund, warum ich es früher nicht gerne gegessen habe, war diese Fußgeschichte: Bei einem Spontanstop in einem urigen Restaurant auf der Rückfahrt vom Reiturlaub im Allgäu hat am Nebentisch ein Herr das gute Sauerkraut auf der Schlachtplatte gelobt. Darauf hat die alte Wirtin stolz gesagt: "Des hod dr Mann fai selber g'schdampft!" Toll, das hätte ich dem alten, fast zahnlosen Hausherren nicht zugetraut, der da hinten so unscheinbar in der Ecke saß, und ich war schwer beeindruckt. Bis dann leider noch der Zusatz kam: "... mit de Fias!" Ja, das Foto von meinem Gesichtsausdruck hätte ich gerne gehabt. Nun kann man heutzutage ja froh sein, wenn Nahrungsmittel noch traditionell verarbeitet werden, allerdings muss man sagen, dass das Stampfen mit den Füßen bei der Herstellung von Sauerkraut nur noch in den allerseltensten Fällen praktiziert wird. Für den Hausgebrauch lassen sich kleinere Mengen ja auch prima mit einem Kartoffelstampfer zubereiten. Aber, ehrlich gesagt, ich greife bei Sauerkraut beherzt zur Dose oder kaufe es beim Metzger frisch, der Aufwand für zwei Personen erscheint mir nämlich ungleich hoch. Die Schupfnudeln hingegen sind ganz schnell und einfach selbst gemacht. 


Hier kommt das Rezept für 2 Personen:
Für den Kartoffelteig:
375 g in der Schale gekochte Kartoffeln
90 g Mehl
Salz, Muskatnuss
1 Ei
Salzwasser zum Kochen

Außerdem:
2 EL Butter
80 g Schinkenspeck, gewürfelt
400 g Sauerkraut (aus der Dose oder frisch)
Salz, Pfeffer

Die Kartoffeln pellen und heiß durch die Kartoffelpresse drücken bzw. fein zerstampfen. Mit Mehl, Salz, geriebener Muskatnuss und Ei mit der Teigkarte rasch zu einem glatten Teig verkneten. Aus dem Teig daumendicke Rollen formen, kleine Stückchen abschneiden und auf der bemehlten Arbeitsfläche Fingernudeln formen (schupfen). Ca. 8 Minuten im kochenden Salzwasser gar ziehen lassen. Mit einem Schaumlöffel herausnehmen und abtropfen lassen. 
In einer großen Pfanne die Butter erhitzen und die Schupfnudeln darin schwenken, bis sie bräunen. Speckwürfel dazugeben und auslassen. Sauerkraut gut abtropfen lassen und ebenfalls in die Pfanne geben und 10 Minuten mitbraten. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und servieren.


Das Rezept für den Kartoffelteig stammt aus "Ich helf dir kochen" von Hedwig Maria Stuber, ich habe die Mengenangaben halbiert. 

Donnerstag, 6. Januar 2011

Festrestessen: Raclette-Flammkuchen

2011 ist in vollem Gange und sämtliche Vorsätze wurden bereits gebrochen. Ich habe abends Süßigkeiten genascht, ich habe Schuhe gekauft, die so hoch sind, dass ich souveränes Flanieren damit wohl vergessen kann, und ich habe den Wein schon wieder nicht nur in die Sauce gekippt. Aber wisst ihr was, es fühlt sich gut an. Ich bin gewappnet für ein schillerndes, zufriedenes, gesundes neues Jahr mit viel gutem Essen und schönen Geschichten – und dasselbe wünsche ich euch auch! 

Und jetzt zum heutigen Gegenstand der Begierde: Kennt ihr Hardcore-Pfännchen? So nenne ich es, wenn die ganz Ausdauernden unserer Familie (die mit den vermeintlichen „Saumägen“, ratet, wer dazu gehört ...) sich beim alljährlichen Familienraclette kurz bevor sie platzen noch ein Extra-Pfännchen nur mit Käse, Käse und, ach ja, KÄSE machen. Pur, fett und extralange geschmolzen, bis sich oben eine feine braune Kruste bildet. Uah! Teufelszeug! Aber sooo lecker. Und Käse schließt ja bekanntlich den Magen. Aber ich schweife ab. Damit man jedenfalls all die hungrigen Mäuler satt bekommt und nicht das wichtigste am ganzen Abend fehlt, kauft man ja oft soviel Käse, dass dieser selbst durch diverse Hardcore-Pfännchen nicht komplett vertilgt werden kann. Und am nächsten Tag möchte man doch nicht schon wieder das monströse Gerät auspacken (das man mitsamt den gusseisernen Pfännchen und Holzschabern gerade mühsam von Hand gespült hat) um die paar Reste zu verbraten. Die Lösung: Unkompliziert sämtliche übrig gebliebenen Raclette-Zutaten auf einen Flammkuchenboden klatschen, ab in den Ofen damit, derweil ein Bierchen geöffnet und schon kann´s losgehen. 


Hier kommt das Rezept für 3-4 Portionen: 

Für den Flammkuchenteig (das gleiche Rezept wie hier): 
10 g frische Hefe 
250 g Mehl und Mehl zum Arbeiten 
100 ml Buttermilch 
2 EL Olivenöl 
Salz 

Für den Belag: 
1 Zwiebel 
4 mittelgroße Kartoffeln 
6-8 Scheiben rohen Schinken 
200 g Raclette-Käse 
Salz, Paprikapulver, Pfeffer 

Die Hefe in 25 ml lauwarmem Wasser auflösen. Mehl in eine Schüssel sieben, in die Mitte eine Mulde drücken, das Hefegemisch hineingeben und mit etwas Mehl vom Rand vermischen. Die Buttermilch, 2 EL Öl und 1/2 TL Salz hinzufügen. Alles zu einem glatten Teig verkneten und zugedeckt an einem warmen Ort ca. 30 Minuten gehen lassen. Den Backofen auf höchster Stufe vorheizen. Derweil die Zwiebel schälen und in dünne Ringe schneiden, Kartoffeln in dünne Scheiben schneiden und Schinken grob auseinanderrupfen. Den Raclette-Käse erst in Scheiben (falls nicht schon so gekauft) dann in Streifen schneiden. Den Teig nach dem Gehen noch einmal kurz durchkneten und in 3-4 gleich große Stücke teilen. Diese auf leicht bemehltem Backpapier in Größe des Blechs ca. 2 mm dünn zu je einem Oval ausrollen. Mit einer dünnen Schicht Kartoffeln belegen, dann etwas salzen. Schinken und Zwiebeln darauf geben und den Raclette-Käse darauf verteilen. Frisch gemahlenen Pfeffer und etwas Paprikapulver darüberstreuen. Jeweils 2 Flammkuchen auf ein mit Backpapier belegtes Blech geben und im Ofen auf mittlerer Schiene ca. 5-7 Minuten backen, bis der Käse leicht bräunt



Sonntag, 5. Dezember 2010

Hühner-Connection: Lauchkuchen mit Eierguss

Es ist immer wieder ein Spaß, wenn lieber Übernachtungsbesuch unbedingt beim Frühstück machen helfen möchte und ich ihn dann bitte, die Eier aus dem Kühlschrank zu holen. Erst kommt die Schockstarre, dann ein Räuspern, dann: "Sag mal, willst du mich irgendwie vergiften? Die Eier sind seit 8 Monaten abgelaufen!!" Manchmal springe ich dann diabolisch grinsend mit dem Brotmesser in der Hand in Richtung des Gastes, um dessen Kreislauf ein bisschen in Schwung zu bringen, manchmal gibt´s die Antwort aber auch gleich: "Nein, das sind die allerbesten biomäßig exorbitanten Landeier von einer kleinen, glücklichen, nicht-überzüchteten, frei laufenden und kerngesunden Hühnertruppe aus dem Dörfchen, in dem meine Oma wohnt!" 


Der Eierhandel dort ist gut organisiert, die Nachbarin holt gleich mehrere Päckchen Eier bei den legefreudigen "Hüngili" ab, und bringt sie zu meiner Oma, weil diese selbst nicht mehr ganz so gut zu Fuß ist. Dann gibt´s an der Tür ein kleines Pläuschchen, und wenn niemand da ist, steht die Bezahlung in einem Schälchen bereit und die Eier werden einfach vor die Tür gestellt. Meine Oma ist dann quasi die Verteilstation für die Familie. Die Verpackung ist voll recycelt, denn jedes Mal, wenn ein Päckchen leer ist, wird es aufgehoben und wieder zum Hühnerbesitzer gebracht, der es erneut mit frisch gelegten Eiern füllt. Deswegen hat man im Dezember auch laut Verpackung mal Eier vom April und kann so herrlich Frühstücksgäste schocken. Es ist ja wohl absolut klar, dass das die allerbesten Eier der Welt sind! Und weil draußen alles weiß ist, gibt es heute passend zur Jahreszeit Wintergemüse, nämlich einen feinen Lauchkuchen, mit dem allerbesten biomäßig exorbitanten Landeier-Guss von der kleinen, glücklichen, nicht-überzüchteten, frei laufenden und kerngesunden Hühnertruppe.



Hier kommt das Rezept für eine Springform mit 24 cm Durchmesser:
250 g Mehl
125 g kalte Butter
1 Ei
Salz

1 kg Lauch
3 Eier
125 ml Sahne
125 ml Milch
1/2 TL getr. Thymian
2 EL frische gehackte Kräuter nach Wahl
Pfeffer, Muskat
Mehl zum Ausrollen und Butter zum Einfetten


Aus Mehl, kalter Butter, Ei und einer Prise Salz rasch einen glatten Teig kneten. In Folie gewickelt im Kühlschrank ca. 30 Minuten ruhen lassen. Den Lauch putzen, waschen und in ca. 3 cm lange Stücke schneiden. In kochendes Salzwasser geben und ca. 5 Minuten blanchieren. Abgießen und kalt abschrecken. Gut abtropfen lassen, ggf. mit einem Küchentuch restliche Flüssigkeit abtrocknen.
Ofen auf 200°C vorheizen. Den Mürbteig auf bemehlter Arbeitsfläche ca. 0,5 cm dick ausrollen. Die Form fetten und mit dem Teig auslegen. Den Boden ein paar Mal mit einer Gabel einstechen. Im Ofen ca. 10 Minuten vorbacken. Herausnehmen und die Lauchstücke aufrecht und dicht aneinandergereiht auf den Boden in die Form stellen. 
Eier, Sahne, Milch, Thymian und restliche Kräuter gut verquirlen. Mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken. Die Mischung vorsichtig über den Lauch gießen. 
Den Lauchkuchen im Ofen 50-60 Minuten backen. Wenn die Oberfläche zu stark bräunt, mit Alufolie abdecken. Dazu schmeckt ein Gläschen Weißwein (oder auch eine Flasche, ha!). 

Wer mehr von der Senioren-Hühnergang lesen und wissen möchte, wie die Eier-Connection WIRKLICH operiert: Hier gibt´s Rhabarber-Baiserkuchen und die Geschichte gleich dazu.