Sonntag, 16. Januar 2011

Französische Gemütlichkeit: Rinderragout aus dem Languedoc

Aaaah, Fronkraisch, je t'aime! Immeröö, wenn isch an disch denkeöö, üpft meine kleine Erzschen in de Kreis erumöö. Wirklich, ich liebe fast alles an diesem Land und was mit ihm in Verbindung steht, sogar den französischen Akzent, denn der ist so elegant wie kein anderer! Mit der französischen Küche habe ich schon früh Erfahrungen gesammelt, bereits in der Grundschule gab es einen Schüleraustausch mit einer Klasse aus Besançon. Zuhause bei meiner Austauschpartnerin Céline habe ich das beste frischgebackene Baguette gegessen - und bin vor lauter Verzückung aus Versehen auf den Dackel unter dem Tisch getreten. Später folgten viele Urlaube mit Familie und Freunden, mit Horden von Surf-Verrückten in Lacanau und Hossegor, mit dem Kunst-LK in einem kleinen Dörfchen in der Normandie, mit dem Wohnmobil in den Cevennen, mit erst gut gefülltem und dann quasi nicht mehr vorhandenem Portemonnaie in Strasbourg und, damals noch ohne Liebe aber mit einer Menge Unsinn im Kopf, in Paris. Bei so vielen Erinnerungen freue ich mich immer, wenn ich zuhause in meiner Küche ein Stückchen Frankreich auf den Tisch zaubern und mich damit bis zum nächsten Urlaub bei Laune halten kann. Dieses Ragout ist genau das Richtige für einen gemütlichen, langen Sonntag im Januar, den man mit alten Fotoalben und einem schönen Glas Rotwein auf dem Sofa verbringt.


Hier kommt das Rezept für 2 Personen:
500 g Rinderschmorfleisch, in mundgerechte Stücke geschnitten
15 g Mehl
2 EL Olivenöl
1 Zwiebel, in feine Streifen geschnitten
2 Knoblauchzehen, zerdrückt
1 EL Tomatenmark
300 ml kräftiger Rotwein
125 ml Rinderfond
1 gestr. TL Kräuter der Provence
1/2 TL fein abgeriebene Orangenschale von einer unbehandelten Orange
2 kleine Lorbeerblätter
80 g schwarze Oliven, entsteint
1/2 Bund Petersilie, gehackt
Meersalz und Pfeffer

Mehl in eine Schüssel geben, etwas Salz und Pfeffer dazu geben und Fleisch darin wälzen. 2 EL Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und das Fleisch darin anbraten. Fleisch in einen Schmortopf geben. Restliches Öl in der Pfanne erhitzen und die Zwiebeln darin glasig dünsten. Knoblauch und Tomatenmark dazugeben und ein paar Minuten weiterdünsten. Mit dem Wein ablöschen, dann den Fond angießen und Kräuter der Provence, Orangenschale und Lorbeerblatt ebenfalls mit in die Pfanne geben, einmal aufkochen lassen und dann alles über das Fleisch in den Schmortopf gießen. Jetzt den Schmortopf auf den Herd stellen, alles erneut zum Kochen bringen und dann 2 1/2 - 3 Stunden leicht köcheln lassen. Ab und zu schauen, ob das Fleisch noch wenigstens zu 3/4 mit Flüssigkeit bedeckt ist, sonst etwas Fond nachgießen. Etwa 30 Minuten vor Ende der Schmorzeit die Oliven unterrühren. Zum Schluss die Petersilie unterrühren, mit Salz und Pfeffer abschmecken und servieren. Bei uns gab es dazu feine Bratkartoffeln. 


Das Fleisch war nach der langen Garzeit butterzart und ist auf der Zunge zergangen, dieses Rezept wird definitiv einen festen Platz in meiner Schmortopf-Liga bekommen. Es stammt aus dem Buch Ein Abend am Kamin aus dem Thorbecke-Verlag, ich habe die Mengen und Vorgehensweise nur ganz leicht angepasst, so wie ich es benötigt habe. Für diejenigen, die noch auf der Suche nach weiteren authentischen französischen Rezepten sind, seien die Blogs Bolli's Kitchen und Aux Délices d'Aurélie empfohlen. 

Kommentare:

Rosa's Yummy Yums hat gesagt…

Dies Rinderragout sieht wundervoll aus! Ein leckeres Gericht.

Grüsse,

Rosa

Milliways hat gesagt…

Nach diesem Rezept rückt der Schmortopf auf meinem Wunschzettel wieder ganz weit nach oben ;-).

Schaut echt lecker aus!

Oona hat gesagt…

Das sieht verführerisch aus. Ich hoffe, das paßt auch in eine Schmorpfanne, welche ich mir gerade gekauft habe um Szegedinger Gulasch zu machen. Ein Topf war mir zu teuer und zu schwer.
Grüße
Oona

Svet hat gesagt…

Ein richtig tolles Sonntagsessen!
Beneide euch ;-)

Arthurs Tochter hat gesagt…

Mon dieu, wie errliiiisch!

ich glaub, ich könnte sogar auf die Kartoffeln verzichten und ohne Dackelkampf ein Stück Baguette in die köstliche Sauce tunken!

Welchen Teil Fleisch hast Du verwendet? Ich nehme immer Wade für diese Schmororgien.
Ist der Creusettopf induktionsgeeignet?
wenn ja --> *habenwill

barcalex hat gesagt…

Diese Schmorgerichte haben schon was ganz wunderbares. Ich schöre im Moment auf Coqu au Vin - werd aber dein Ragout sicher denächst ausprobieren.

lamiacucina hat gesagt…

da kommt mir immer jener Abend in der Provence in den Sinn, an dem wir einem kleinen Pintenwirt sein ganzes Rindsragout inklusive aller Brotvorräte verzehrt hatten.

Gabriele Spangenberg hat gesagt…

Ha, da weiß ich ja was es nächsten Sonntag bei uns geben wird! YUM!

Pixelmanie hat gesagt…

*lol* Dein frooooooonzösischer Akzent ist perfekt. Musste ich doch sehr darüber schmunzeln.
Das Ragout schaut ja mal wieder sehr, sehr lecker aus und das werde ich auch mal nächsten Sonntag ausprobieren. Mir läuft jetzt schon das Wasser im Mund zusammen.
Grüsse, Simone

Susa hat gesagt…

Meine französische Gastmutter war leider nicht die begnadete Köchin. Bei verkochten Nudeln mit Butter und Salz hätte ich auch am liebsten zugetreten, dabei war das erst der 2. Gang....

@AT Le Creuset ist für Induktion geeignet, sehr gut sogar.

Christina hat gesagt…

@Rosa: Ich könnte zart geschmortes Rindfleisch glaube ich auch IMMER essen! ;-)

@Milliways: Ich hab auch schon viel in "normalen" Töpfen geschmort - ganz ehrlich, so schlimm ist das auch nicht. ;-) So ein schwerer Schmortopf speichert bzw. verteilt eben die Hitze besser, aber wenn du einen normalen Topf abdeckst und laaaange schmurgeln lässt, geht´s genauso.

@Oona: Bestimmt! Schwer sind die Dinger echt, ich habe auch immer latente Panik, dass mir der Topf mal aus der Hand auf´s Ceranfeld flutscht - das wär´s dann gewesen mit dem Herd...

@Svet: Sonntags darf´s ja ruhig mal ein wenig länger dauern. :-)

@AT: Das war jetzt aus´m Bug. Der Topf passt für Induktion - und stimmt, der würde perfekt in deine neue Küche passen! ;-)

@Alex: Mmmh, den Weingockel muss ich auch bald mal wieder machen!

@lamiacucina: Das war dann ein guter Pintenwirt!

@Gabriele: Wenn´s dann erstmal schmurgelt kannsr du locker noch ein paar Ründchen drehen! ;-)

@Simone: Ahh oui-öö, merci! ;-)

@Susa: Eieiei, ich kann mir bildlich vorstellen, wie du da am Tisch gesessen bist, du Arme!

Suse hat gesagt…

Hach, so ein schönes, mürbes Gulasch...äääh....Ragout mit französischen Einschlag, einfach toll!

Juliane hat gesagt…

Oh ja... Schmorgerichte.... seufz. :)

Mit Oliven, das klingt gut! Merk ich mir mal für die nächste Schmororgie in unserem Hause!

Viele Grüße und schöner Tag noch,
Juliane

Mestolo hat gesagt…

Das Essen ist ja nix für mich, aber das erste Foto ist der Knaller, das hat Kochbuchqualität!!

Fritz hat gesagt…

Bei solchen französischen Gerichten freue ich mich auch immer zu sehen, dass gute regionale Küchen gar nicht so weit auseinander sind!

Christina hat gesagt…

@Suse: Ach, Ragout klingt doch viel schöner... ;-)

@Juliane: Stimmt, du bist ja auch eine "Schmorerin vorm Herrn"! :-)

@Mestolo: Vielen Dank, das freut und tröstet mich - in den Ferien habe ich nämlich mein Tele geschrottet, das lässt sich gerade nur noch von Hand ausziehen. ;-)

@Fritz: Recht haste!

Anna hat gesagt…

Das sieht wahnsinnig lecker aus - man sieht dem Fleisch auf dem Foto richtig an, wie zart es ist :-)

Equilibrium hat gesagt…

Haben wir am Wochenende nachgekocht. Sehr, sehr lecker! Danke.

Müllerin Art hat gesagt…

Wunderbar, das ganze Haus duftete, es schmeckte köstlich, vorher gab es noch die Feldsalatsuppe, und die Gäste haben schon nach den Rezepten gefragt! Hier schaue ich öfter mal nach, vielen Dank! Michaela