Donnerstag, 8. Juli 2010

Beeren-Alarm: Johannisbeer-Marmelade, Chutney und ein feiner Sommerkuchen

Letztes Wochenende stand ein Familienfest auf dem Lande an. Für mich immer ein Grund zur Freude, denn das bedeutet praktisch Urlaub. Handy und Laptop bleiben die meiste Zeit aus oder werden schlichtweg vergessen und es gibt keinerlei Verpflichtungen. Außer vielleicht ein gutes Buch lesen, in der Sonne herumhängen, Sektchen schlürfen und nette Verwandtschaftsbesuche tätigen. So kann man leben, oder? Und wenn man sich doch zu etwas entschieden hat, was Arbeit bedeutet, wird es heimlich von der fast 90-jährigen Oma erledigt, bevor man überhaupt dazu kommt. Während die anderen Enkelinnen und ich morgens um 7 noch lange nicht ans Aufstehen denken, hat sie schon einen ganzen Eimer Johannisbeeren aus dem Garten zusammengepflückt, den ich mit nach Hause nehmen darf. Ich habe mich sehr gefreut und natürlich keine einzige Beere verkommen lassen. Zum Frühstück gibt´s ab jetzt feine Johannisbeer-Marmelade mit Schuss auf´s Brötchen, das Saucen-Sortiment für´s Grillen wird um ein süßsaures Chutney ergänzt und - das beste zum Schluss - der Nachmittag wird mit Kaffee und einem wirklich köstlichen Kuchen versüßt. 


Johannisbeermarmelade mit Vanille und Amaretto:
(Für 4-6 Gläser)
1 kg rote Johannisbeeren, Stiele und Blätter entfernt
500 g Gelierzucker 2:1
1 Vanilleschote
5 EL Amaretto


Johannisbeeren in einen großen Topf geben und grob zerstampfen. Erhitzen und unter Rühren den Gelierzucker und das ausgekratzte Mark der Vanilleschote dazugeben. 5-10 Minuten kochen lassen und dabei den Schaum abschöpfen, der sich an der Oberfläche bildet. Vom Herd nehmen und den Amaretto gut unterrühren. Noch heiß in saubere Schraubgläser füllen, verschließen und auf den Deckel gestellt abkühlen lassen. Wem die Kerne in der Marmelade nicht gefallen, der sollte das Ganze vor dem Abfüllen durch ein Sieb passieren. Dann gibt´s eben Gelee.

Hübsch beschriftet und mit einer Serviette oder einem Stück Stoff und einem Schleifchen verziert lassen sich die Gläser supergut verschenken. Es geht doch nichts über selbstgemachte Marmelade!

Johannisbeer-Chutney:
(Für 2-3 Gläser)
150 g Schalotten 
1 rote Chilischote
1 EL Zucker
80 ml Rotwein
50 ml Rotwein-Essig
2 Lorbeerblätter
eine Prise Salz
350 g Johannisbeeren, Stiele entfernt
100 g Gelierzucker 2:1


Schalotten in feine Streifen schneiden. Die Chilischote von den Kernen befreien und in Streifen schneiden.  Zusammen mit Zucker, Rotwein, Essig, Lorbeerblättern und Salz in einem Topf zum Kochen bringen und 5 Minuten einkochen lassen. Johannisbeeren dazugeben und Gelierzucker unterrühren. Unter Rühren weitere 5 Minuten sprudelnd kochen und sich bildenden Schaum abschöpfen. Eventuell eine Gelierprobe machen und ggf. mehr Gelierzucker hinzufügen. Allerdings sollte das Chutney nicht so stark gelieren wie Marmelade. Noch heiß in saubere Gläser füllen und verschließen. Auf dem Kopf stehend auskühlen lassen. Hält sich mindestens 2 Wochen im Kühlschrank. Das Chutney schmeckt gut zu gegrilltem Fleisch, aber auch zu Wild und Tafelspitz. 

Und jetzt kommt der Kuchen, den ich übrigens definitiv in meine Sommer-Favoritenliste aufnehmen werde. Gut gekühlt schmeckt er am besten!

Johannisbeer-Schmand-Kuchen: 
(Rezept für 12 Stücke bzw. eine Tarteform mit 26 cm Durchmesser)
Für den Mürbteig:
200 g Mehl
1/2 TL Backpulver, 1 Prise Salz
75 g Zucker
1 Pk Vanillezucker
100 g Butter


Für den Belag:
500 g Johannisbeeren
4 Eier
100 g Zucker
1 TL abgeriebene Zitronenschale
Saft von 1/2 Zitrone
50 g sehr fein gemahlene Mandeln
500 g Schmand
Puderzucker zum Bestäuben

Für den Mürbteig alle Zutaten in einer Schüssel mit 1-2 EL kaltem Wasser rasch zu einem glatten Teig verkneten. Eine Tarteform fetten. Teig auf wenig Mehl etwas größer als die Form dünn ausrollen. Die Form mit dem Teig auslegen, dabei einen Rand formen und alles 30 Minuten kalt stellen.


Die Johannisbeeren von den Rispen streifen, kurz unter fließendem Wasser abspülen und gut abtropfen lassen. Den Backofen auf 180°C vorheizen. Für den Guss Eier, Zucker und Zitronenschale mit dem Handrührer schaumig schlagen. Zitronensaft und Mandeln unterrühren und den Schmand unterheben. Erst die Hälfte der Johannisbeeren auf dem Mürbteigboden verteilen, dann den Guss darübergeben und zum Schluss die restlichen Beeren auf dem Guss verteilen. Den Kuchen im vorgeheizten Backofen auf mittlerer Schiene ca. 45 Minuten backen. Nach Ende der Backzeit in der Form auskühlen lassen und anschließend mit Puderzucker bestäubt servieren.  

Kommentare:

Toni hat gesagt…

Fleißig, fleißig! Ich mag Johannisbeeren super gerne. Direkt vom Strauch in den Mund oder so lecker wie bei Dir. Das Chutney hört sich super an, so verarbeitet hab ich Johannisbeeren noch nie gegessen.

Frau Schmunzel hat gesagt…

Die Rezepte klingen alle total lecker! Leider habe ich keine Johannisbeer-Oma, meine ist eher Apfel-Oma, deshalb wird es wohl bei mir nur der Kuchen.

Juliane hat gesagt…

Ein Traum! Ich will auch noch mal Johannisbeeren in Schwiegeromis Garten pflücken gehen, dann mache ich deine Johannisbeer-Amaretto-Marmelade nach.

Viele Grüße und schöner Tag noch,
Juliane

Sandra hat gesagt…

Alles schön fruchtig! Den Kuchen probier ich auf jeden Fall auch mal.
So eine Oma hätte ich auch gerne... meine Beeren muss ich mir mühsam auf dem Markt zusammensammeln.

Susa hat gesagt…

Johannisbeerchutney schmeckt soooo gut zu Bifteki oder überhaupt zu Hack, Deines werde ich auf jeden Fall nachkochen.

Diamantin hat gesagt…

Das klingt ja lecker. Danke für die tollen Rezepte.

Lg Anett

Hesting hat gesagt…

Wir haben auch Johannisbeeren im Garten. Deine Rezepte kommen also gerade richtig.

Anikó hat gesagt…

Ich vermisse den elterlichen Garten! Da gibt es auch Johannisbeeren zu hauf, aber ich bin nie da, wenn die reif sind :-/
Irgendwie schafft es Sommerobst bei mir auch nie verarbeitet zu werden, wandert immer roh in meinen Mund, ich muss das mal ändern :-)

Alex hat gesagt…

Wow, das sind drei tolle Rezepte. Für Johannisbeeren fehlen mir immer die Ideen. Das Chutney wird sofort notiert. Habe leider beschlossen, vor dem Urlaub noch ein paar Gramm abzunehmen, sonst würde ich den Kuchen auch gleich backen.

Arthurs Tochter hat gesagt…

Ich will auch wieder eine Oma haben!

Katja hat gesagt…

Vielen Dank für diese tollen Johannisbeer-Rezepte.
Ich mag diese sauren Beeren sehr gerne (egal ob rot oder schwarz) und bin immer auf der Suche nach leckeren Verarbeitungsmöglichkeiten :-)
...die schwarzen werden bei mir allerdings ausschließlich zu Gelee gemacht!

Liebe Grüße von Katja

Christina hat gesagt…

@Toni: Direkt vom Strauch in den Mund ist nicht zu toppen!

@Frau Schmunzel: Ne Apfel-Oma ist doch auch super, da gibt´s feine Apfeltarte, Apfelmus...

@Juliane: Hihi, ich hab schon gesehen, dass du auch an der Quelle sitzt.

@Sandra: Ja, da hab ich wirklich Glück gehabt, meine Oma hat einen schönen, großen Garten...nur leider bin ich so selten da.

@Susa: Ok, dann nehme ich dein Bifteki-Rezept! :-)

@Diamantin: Gerne doch!

@Hesting: Dann mal los! ;-)

@Anikó: s.o.: roh in den Mund ist doch auch herrlich! Und am unaufwändigsten.

@Alex: Ach, sooo bombastisch ist der gar nicht...ich red´s mir immer schön, indem ich das Obst im OBSTkuchen betone ;-)

@AT: Glaub ich. Hoffentlich bleibt mir meine noch lange erhalten.

@Katja: Schwarze hatte ich dieses Jahr noch gar nicht - und noch kein Gelee. Da geht also noch was :-))

Aurélie hat gesagt…

Also, ich habe lange nicht bei dir geschaut und sehe jetzt dein toller Beitrag über die Johannisbeeren und bin total neidisch.
Ich wollte auch einen Bericht darüber schreiben.... deins ist so schön dass ich einfach mein Rezept mit weiße Johannisbeeren online stellen werde und dich einfach verlinken werde.

Christina Pfister hat gesagt…

Aurélie, freut mich, dass es dir gefällt! :-)

Olga hat gesagt…

Die Rezepte sind wirklich spitze! Zu schade, dass die Johannisbeer-Zeit schon wieder vorüber ist. Ich werde den Schmand-Kuchen auch einmal mit Heidelbeeren ausprobieren.

Wenn Du bald wieder Marmelade einkochst, dann schau doch auch mal auf meiner Homepage vorbei. Dort findest du jede Menge ausgefallene Marmeladen-Kombinationen.

Viele Grüße
Olga