Freitag, 12. August 2011

Kleine Entschädigung: Pilzragout mit Laugen-Serviettenknödel

Im Nachhinein betrachtet hätte ich beim letzte Posting, in dem es um das Tischchen meiner Omi ging, ja nicht gerade ein Rezept mit Garnelen einstellen dürfen. Meine Oma kann man mit Garnelen nämlich meilenweit jagen, weil sie sich vor deren Aussehen ekelt. Als wir ihr irgendwann mal ein paar rohe Exemplare gezeigt haben, kam nur der entsetzte Ausruf: "Oh jechet, ihr esst ja Engerling'!" (Übersetzung: Ach du lieber Gott im Himmel, ihr esst ja Maikäfer-Larven!) Als kleine Wiedergutmachung für mein Gewissen und weil ich ihr altes Küchentischlein auf Ewigkeiten mit einem Garnelengericht verbunden habe, kommt heute ein schön deftiger Teller, der ganz und gar dem Geschmack meiner Oma entsprechen dürfte. Denn sie gehört definitiv zur Semmelknödel-Fraktion unserer Familie und mit Laugengebäck anstelle von Semmeln schmecken die Knödel noch einmal extra-lecker. Die Kombination mit dem Pilzragout wollte ich schon lange einmal nachkochen, denn obwohl diese offensichtlich recht geläufig ist, bin ich darauf erst gekommen, als ich sie in einem Restaurant als vegetarische Alternative bei akuter Fleischesunlust gegessen habe. Mein erster Serviettenknödel, den ich vor ungefähr drei Jahren mal ausprobiert habe, war leider ein einziges matschiges, ungewürztes und missratenes Fiasko, es war also sowieso an der Zeit für einen neuen Versuch. Und siehe da, diesmal kam der Knödel sanft und locker aus dem Küchentuch geflutscht. 


Hier kommt das Rezept für zwei Portionen:
Für die Laugen-Serviettenknödel:
2 altbackene Laugenteile (Brezeln, Brötchen, ... , insges. 175 g)
3 Stiele Petersilie
1 Schalotte
15 g Butter
100 ml Milch
1 kleines Ei
Salz, Pfeffer
1 1/2 EL Butterschmalz

Für das Pilz-Ragout: 
600 g Champignons (oder Pilze nach Wahl), 
1 EL Butter
1 kleine Zwiebel, fein gehackt
50 ml Weißwein
2 EL Noilly Prat
50 ml Gemüsebrühe
100 ml Sahne
2 EL Crème fraîche
1/2 Bund Petersilie, gehackt
Salz, Pfeffer


Das Laugengebäck in dünne Scheiben schneiden und in eine flache Schale legen. Petersilienblätter abzupfen und hacken, Schalotten fein würfeln. Butter in einer Pfanne erhitzen und die Schalotten darin glasig dünsten, Petersilie kurz mitdünsten. Pfanne vom Herd ziehen, Milch und Ei verquirlen und mit den Schalotten mischen. Salzen und pfeffern und die Masse über die Laugenteile geben. Mit den Händen zu einer gleichmäßigen Masse verkneten und 10 Minuten ruhen lassen. 
Ein sauberes, angefeuchtetes Geschirrtuch quer auf die Arbeitsfläche legen. Laugenteig von der langen Seite her zu einer ca. 15-20 cm langen Rolle formen. Nicht zu fest in das Tuch rollen, die Enden bonbonartig mit Küchengarn zusammenbinden. In einem länglichen Bräter Wasser aufkochen und kräftig salzen, den Knödel einlegen und bei milder Hitze zugedeckt 30 Minuten ziehen lassen. Nach der Hälfte der Zeit wenden. Serviettenknödel herausheben und abkühlen lassen. 
Währenddessen das Pilzragout vorbereiten. Die Champignons putzen, größere Exemplare halbieren oder in Scheiben schneiden. Butter in einer Pfanne erhitzen und die Zwiebel darin anbraten. Champignons dazu geben und scharf mitbraten. Mit Weißwein und Noilly Prat ablöschen und ein paar Minuten einkochen lassen. Gemüsebrühe und Sahne angießen und ein paar Minuten weiterkochen lassen. Die Crème fraîche unterrühren und das Ragout mit Salz und Pfeffer abschmecken. Sollte die Sauce noch zu flüssig sein, noch weitere 5 Minuten einkochen lassen. Zum Schluss die Petersilie unterrühren. 
Die Serviettenknödel aus dem Tuch wickeln und in 1-2 cm dicke Scheiben schneiden. In einer Pfanne im heißen Butterschmalz auf beiden Seiten goldbraun braten und zusammen mit dem Pilzragout servieren.


Es hat wahnsinnig gut geschmeckt und mit den Laugen-Serviettenknödeln bekommen unsere Crêpes mit Pilz-Ragout, die wir sonst so gerne essen, eine harte Konkurrenz. Das Rezept für die Serviettenknödel stammt aus der Zeitschrift Essen & Trinken 10/10. Die Rezeptmenge habe ich hier einfach halbiert. Aber Achtung, auch für 4 Personen ist nur 1 Ei vorgesehen, dann eben ein etwas größeres. 

Kommentare:

Gourmande hat gesagt…

Hmmmm, lecker! Ich liebe Semmelknödel mit Pilzragout, das gibt es für mich als vegetarische Alternative am 2. Weihnachtsfeiertag! Am besten noch eine Portion Rotkraut dazu und ich schwebe im kulinarischen Himmel! ;-)

about hat gesagt…

Genau das hab ich vor einiger Zeit auch gekocht, weil ich trockene Laugenbrötchen daheim hatte, die ich nicht wegwerfen wollte. Superlecker! Hat sogar meinen Superheld überzeugt, der eigentlich immer nach Fleisch schreit. ;-)

Die Küchenschabe hat gesagt…

Serviettenknödel mit Laugengebäck - das muss ich mir merken, ich liebe Laugenbrezerl!
Bei unserem Serviettenknödel trennen wir immer die Eier und heben ganz zum Schluss den Eischnee unter - das wird dann noch flauschiger!

Rosa's Yummy Yums hat gesagt…

That is the kind of food I crave on a regular basis. So comforting, delightfully rustic and scrumptious. Sehr änhlich zu die schweizerische Küche...

Grüsse,

Rosa

grain de sel hat gesagt…

Den Klassiker MUSS es zur Pilzsaison auch bei uns geben. Allerdings müsste ich für diese Variante dann extra Laugenbrötchen backen.
Der Ausspruch deiner Oma könnte genauso von der meinen stammen. Süddeutscher Herkunft war mit Forelle schon der Bereich *Meeresfrüchte* ausgeschöpft :)!

Miri hat gesagt…

Genau das Gleiche sagt meine Oma auch zu Garnelen, Engerlinge , nur der Dialekt ist ein wenig anders ;). Das isst sie bis heute nicht und daran wird sich wohl auch nichts ändern.
LG
Miri

Ina hat gesagt…

Mmmmmh! Das steht bei mir auch schon auf dem Speiseplan - nur mit Pfifferlingen. Und eigentlich, wo ich das grad so seh, vielleicht gibt es mal selbstgemachte Serviettenknödel mit Brezn. Mag ich nämlich eigentlich echt gern, hab ich aber seltsamerweise wirklich noch nie selbstgemacht... ;)

Liebe Grüße,
Ina

lamiacucina hat gesagt…

Das Pilz&Knödelgericht hätte einen Ehrenplatz auf dem renovierten Tischchen verdient.

Manu hat gesagt…

Das sieht ja wirklich wieder extrem lecker aus. Brezenknödel wollte ich schon lange mal machen, aber irgendwie konnte ich mich noch nie dazu durchringen.

LG

Kirsten hat gesagt…

So ein Pilzragout mit Knödeln will ich auch bald mal wieder machen. Bisher hab ich immer Semmelknödel dazu gemacht, aber Deine Variante mit dem Laugengebäck klingt so lecker - die werde ich wahrscheinlich mal ausprobieren :-) Liebe Grüße!

Anne hat gesagt…

An Knödel hab ich mich bisher irgendwie noch nicht rangewagt. Die können einfach nur Omas perfekt :)!

Bella hat gesagt…

Hmmm, Knödel! Muss ich unbedingt auch mal mit Laugengebäck probieren, habe ich bisher nie gemacht... Ich finde deinen Blog übrigens total klasse :)

Claus hat gesagt…

Meine Omas hätten mir die Garnelen um die Ohren gehauen (die Opas auch), das Pilzragout würde aber bestimmt gehen...

Christina hat gesagt…

@Gourmande: Auf Rotkraut freue ich mich auch schon wieder wie verrückt!

@Sabrina: Also bei uns wird das jetzt auch die fav-Resteverwertung für Laugenzeugs werden. Und mit meinem Superhelden isses genau so. ;-)

@Die Küchenschabe: *aufschreib* guter Tipp, danke, den merke ich mir. Was den perfekten Knödel angeht, bin ich noch reichlich unerprobt.

@Rosa: Stimmt, die Schweizer Küche ist ja auch sehr gemütlich. Mag ich sehr gerne.

@grain de sel: Haha, genau so ungefähr ist es bei uns auch. Fisch geht, alles andere isst die liebe Omi nicht.

@Miri: Echt? Ist ja witzig! :-) Wir haben uns das erste Mal, als sie das gesagt hat, weggeschmissen vor lachen.

@Ina: Oh lecker, mit Pfifferlingen! Die gab´s dieses Jahr erst einmal bei uns, da geht noch was! ;-)

@Robert: Ach, du sagst es. Es ist ja unser Balkontischchen mittlerweile, und da das Wetter an diesem Tag wieder einmal nicht mitgespielt hat, musste der Esstisch drinnen genügen.

@Manu: Siehste, ich auch nicht. Also, jetzt schon. Und dann war´s ganz einfach. Los, du auch! :-)

@Kirsten: Aha, noch eine Knödelliebhaberin! :-)

@Anne: Dem ist fürwahr nichts hinzuzufügen! Nur wenn die Omi grad nicht da ist, gibt´s eben quasi "Not-Knödel". ;-)

@Bella: Danke, freut mich, dass es dir hier gefällt!

@Claus: Meine arme Omi windet sich schon vor Ekel, wenn sie die Dinger nur sieht. Anfassen und um die Ohren hauen ginge da gar nicht mehr (wahrscheinlich unser Glück!). ;-)

Heike hat gesagt…

Ich habe mich jetzt mal an Gelatine gewagt..demnächst kommen Ravioli und dann dann probiere ich Knödel..lGHEike

Christina hat gesagt…

@Heike: Wie meinst du, an Gelatine gewagt? Für die Knödel brauchst du sie ja nicht, die halten auch so. ;-)

Ingrid hat gesagt…

Hallo Christina, ich hab sie ausprobiert und das 1. Mal Serviettenknödel gemacht, sonst habe ich immer Semmelknödel gemacht, aber diese Variante war neu für mich und ein voller Erfolg. Danke für dieses super leckere Rezept. LG Ingrid