Sonntag, 4. Oktober 2015

Pull Apart Pizza: Warum einfach, wenn es auch aufwändig geht?

… auch mit dem Namen, eigentlich könnte man sie auch schlichtweg „Zupf-Pizza“ nennen, denn das ist ja genau das, was an ihr so toll ist: Man kann die kleinen, gefüllten „Pizza-Bonbons“ ganz einfach abzupfen und ohne viel Aufhebens in den Mund transportieren. Zugegeben, das Ergebnis hier hätte noch ein bisschen hübscher ausfallen können, aber da es ja ohnehin auf die inneren Werte ankommt, präsentiere ich euch heute diesen entzückenden … ja … äh, Pizza-Klumpen.
Mit Pull Apart Breads oder „Zupfbroten“ habe ich vor ein paar Jahren zum ersten Mal Bekanntschaft gemacht, als ich das für mich quasi schon legendäre Zimt-Zupfbrot entdeckt habe, das btw immer noch ganz hoch bei mir im Kurs steht!



Heute also die deftige Pizza-Variante, bei der man allerdings ein paar Kleinigkeiten beachten darf, damit sie gut gelingt:

Teigdicke: Anders als bei einem Pull Apart Bread oder Zupfbrot, hat es der Teig hier etwas schwieriger, da er mit zum Teil doch recht feuchten Zutaten gefüllt wird und die Feuchtigkeit auch nicht wie bei einer normalen Pizza so einfach nach oben entweichen kann. Es ist also wirklich wichtig, dass er nicht zu dünn ausgerollt wird, denn sollte er einmal reißen, sammelt sich sonst alles am Formboden und ihr bekommt quasi eine Matsch Under Pizza.

Hitze: Damit vor allem der Boden gut durchgebacken wird, backt die Pull Apart Pizza auf der unteren Schiene bei maximaler Hitze. Wenn ihr ein Lochblech habt, könnt ihr auch dieses einfach mit Backpapier belegen und nur den Rand der Form draufstellen und dann befüllen, so wird der Boden noch knuspriger.

Nicht geizen mit dem Mehl: Die Unterseite der Teigkreise soll leicht bemehlt sein. So verhindert man später in der Form, dass die einzelnen Stückchen aneinanderkleben und euch beim Abzupfen die ganze Füllung entgegenfällt. Sie lassen sich gut bemehlt viel leichter und sauberer ablösen.

Muße: Ich bin grundsätzlich eher Mrs. Tomboy, wenn es um den Umgang mit Teig geht. Unkomplizierte Handarbeit und der Teig darf auch ruhig etwas ungleichmäßig in die Form wandern, so mein Motto. Hier wurde ich für kleine Schlampigkeiten und Schnellschnellhuddeleien, was die Teigdicke und das Formen der kleinen Paketchen betrifft, aber prompt mit dem oben erwähnten Entgegenkommen der Füllung bestraft. Also Geduld, Freunde!




Hier kommt das Rezept für eine Springform Pull Apart Pizza - oder Zupf-Pizza ;-) - mit einem Durchmesser von 28 cm:

Für den Teig, den ich nach meinem Lieblingsrezept für Pizzateig nach Jamie Oliver mache:
200 g Weizenmehl
50 g feiner Hartweizengries
1/2 TL Salz
1/2 Päckchen Trockenhefe (frisch geht natürlich auch, Trockenhefe habe ich allerdings immer im Vorrat und greife dementsprechend oft darauf zurück)
1/2 TL feiner brauner Zucker
ca. 165 ml lauwarmes Wasser

Für die Tomatensauce á la „Kurz und schmerzlos“ (wohl der schnellste Teil in diesem Rezept):
1 Knoblauchzehe
3 EL Olivenöl
1 kleine Dose stückige Tomaten
1/2 TL Salz

Für den Pull Apart Pizza-Belag:
Hier könnt ihr natürlich frei wählen, was ihr am liebsten mögt, unsere Pull Apart Pizza war (nach dem Was-muss-weg-Blick in den Kühlschrank) gefüllt mit:
(seine Seite)
50 g Kolbasz (Ungarische Paprikawurst)
80 g Fetakäse
eine Handvoll schwarze Oliven
50 g eingelegte grüne Pepperoni
(meine Seite)
50 g Schinken
eine Handvoll Champignons
80 g Fetakäse
ein paar Kapern

Zum Überbacken: 150 g geriebenen Käse, z.B. Emmentaler oder Gouda




Zuerst die Hefe und den Zucker im lauwarmen Wasser auflösen und ein paar Minuten stehen lassen. Währenddessen Mehl, Gries und Salz vermischen und eine Mulde hineindrücken. In diese nun die Hefe-Zucker-Mischung gießen. Mit einer Gabel das Mehl von den Seiten her unterrühren. Jetzt die Hände gut bemehlen und den Teig kneten. mindestens 5 Minuten lang, bis ein schöner, glatter und elastischer Teig entsteht. Nun zu einer Kugel formen, bestäubt ihn mit etwas Mehl und lasst in ihn einer Schüssel mit Handtuch abgedeckt mindestens eine halbe Stunde ruhen.

Für die Tomatensauce Knoblauch schälen und ganz fein hacken (oder die verpönte Knoblauchpresse betätigen, so wie ich es immer mache) und in dem Olivenöl kurz andünsten, aber aufpassen, dass er nicht verbrennt. Tomatenstücke dazu geben, salzen und verrühren, dann alles etwa 15 Minuten köcheln lassen, die Sauce soll dabei etwas eindicken. Zum Schluss einmal mit dem Pürierstab zu einer geschmeidigen Sauce pürieren, dann beiseite stellen.



Backofen auf 250 Grad vorheizen.
Nun den Teig etwa 3 mm dick auf gut bemehlter Arbeitsfläche ausrollen und mit einem Glas mit etwa 7-8 cm Durchmesser Kreise ausstechen. Teigreste wieder zusammendrücken und erneut ausrollen, bis der Teig aufgebraucht ist. Jeweils 1 TL Tomatensauce auf einem Teigkreis verteilen und nach Gusto belegen. Nun die Teigreise zweimal zusammenfalten, d.h. erst einmal Seite auf Seite zusammenklappen (quasi ein Halbmond) und dann nochmal Ecke auf Ecke, dann sieht es aus wie auf dem Foto. Nicht zu fest zusammendrücken. Nun den Boden einer Springform mit Backpapier auslegen (geht wirklich am schnellsten, wenn man das Backpapier einfach über den Boden legt, den Rand aufsetzt bzw. „einklickt“, und das Überstehende außen wild und ungestüm abreißt, dann müsst ihr nicht akkurat mit Bleistift und Schere rumhantieren) und den Rand mit etwas Olivenöl einfetten.
Die kleinen gefüllten Pizzastückchen nebeneinander locker in die Form schichten, mit der offenen Seite nach oben, die „zwei Füßchen“ zeigen dabei nach unten. Arbeitet dabei von außen nach innen, d.h. erst außen am Rand entlang, dann eine zweite Reihe davor usw.
Zum Schluss großzügig mit geriebenem Käse bestreuen und dann für 12-15 Minuten ab in den heißen Ofen! Bitte auf der unteren Schiene, denn der Boden braucht viel Hitze, damit er auch gut durchgebacken wird. Wenn eure Pull Apart Pizza schön goldbraun gebacken ist, lasst sie noch ein paar Minuten abkühlen. Jetzt lassen sich die einzelnen Stückchen ganz einfach mit den Fingern abzupfen.



Und sonst so? Ich hoffe ihr genießt den Herbst genau so sehr wie ich. Ich hab für diese wunderschöne Jahreszeit übrigens zuuufällig auch noch eine ganz leckere Pilztarte für euch am Start, die ich sehr empfehlen kann. Hihi. Nebenbei planen wir nach 3 Jahren mitten in der Darmstädter Innenstand schon wieder einen Umzug, diesmal etwas mehr an den Stadtrand. Es wird wieder etwas kleiner und „älter“ und - Hallelujah! - ich werde ein kleines Gärtchen haben. Oder zumindest eine kleine Wiese mit ein paar Büschen und Sträuchern. Ich träume nachts aber jetzt schon von einer überdimensionalen Kräuterschnecke, Hochbeeten, einem kleinen Pony und und und …

Kommentare:

grain de sel hat gesagt…

Ach, da freue ich mich aber sehr mit für dich, liebe Christina. Ein Pony. Oder so ;) - was sonnige Aussichten!
Und gell, wenn ihr euch dann schön eingerichtet habt, dann kochst du wieder öfters für uns... herzliche Grüße...

Jens hat gesagt…

Christina,

das sieht wirklich verdammt gut aus. Das wäre der perfekte Snack für unseren Serien-Abend heute. (Leider) steht das Essen schon auf dem Herd und ist gleich fertig.

Viel Erfolg beim Umzug und alles Gute fürs neue zu Hause.

Gruß
Jens

Sandra von from-snuggs-kitchen hat gesagt…

Ach, direkt vor der Nase - unglaublich. Schöne Grüße von nebenan (aus Seeheim)! Und das Rezept nehm ich gleich mal mit :)

Anonym hat gesagt…

hi,

wow, was für ein toller Beitrag, endlich kann man dich mal hören und nicht nur sehen, wie bereits in div. Zeitschriften, Berichten, ... - sag erwartest du Nachwuchs? Ist zwar äußerst indiskret aber du kannst ja meinen Beitrag sonst löschen!
Wenn ja, stoße ich gleich mal virtuell auf dich an, bin selbst seit 7/8 Monaten stolze Mami.
Alles Liebe für die Zukunft... übrigens dein Blog hat mich dazu hingerissen überhaupt mal mit dem Bloggen, das ich leider seit langem eingestellt habe, zu beginnen.

xxo

Liebe was ist hat gesagt…

dieses umworbene Pizzabrot habe ich schon an ein und anderer Stelle bewundert, aber wie du es mit deinem Titel schon so treffend bezeichnest, kam es mir immer so super aufwendig vor!
dafür schaut es allerdings fantastisch lecker aus :)

<3 Tina
https://liebewasist.wordpress.com/

Juliane Haller hat gesagt…

Ha, der Hinweis auf Deinen Fernsehauftritt war so diskret, dass ich ihn fast übersehen habe (freiwillig klicke ich ja eigentlich nichts an, bei dem es um das Thema "Pilze" geht :D)! Zum Glück habe ich es entdeckt, denn den Beitrag fand ich super und Du bist in bewegten Bildern und mit Ton so sympathisch, wie ich das schon immer vermutet habe. Außerdem ist Deine Küche ja beneidenswert riesig, toll! Aber ein Häuschen mit Garten (und Pony!) ist natürlich auch was Feines. Und ganz herzlich gratulieren möchte ich Dir natürlich auch noch!

Liebe Grüße
Juliane

Christina hat gesagt…

@grain de sel: Danke liebe Micha, und ja, ich habe sooo fest vor, wieder mehr zu bloggen. Kochen tu ich nämlich gar nicht so wenig aber zur Zeit eben alles schnellschnell und meistens schnöde Pasta fürs Büro.

@Jens: Ich bin mir sicher, dass es bei dir für den Serienabend was mindestens genau so leckeres gab! :-) Danke für die lieben Wünsche.

@Sandra: Ach, guck an! Wie witzig! In Seeheim hat meine Arbeitskollegin ihr Pferd stehen - und wir hätten uns die Gegend auch gut als neue Bleibe vorstellen können, war aber in den letzten Monaten leider nichts passendes dabei. Liebe Grüße zurück!

@anonym: Schön, dass Dir der Beitrag gefallen hat! Und ja, es ist tatsächlich was Schnuckeliges im Anmarsch - da ging die kleine Plautze im Beitrag wohl doch nicht mehr ganz als "bisschen zuviel Pilztarte gefuttert" durch. ;-) Ein virtuelles Prösterchen zurück, in diesem Fall geht das ja sogar noch mit "echtem" Sekt! :-D

@Tina: Etwas aufwändiger als normale Pizza ist es natürlich schon, aber man kann sobald man die kleinen Kreisen ausgestochen hat dann ja doch ganz gut im Accord arbeiten. Sonst verbuchen wir es unter "meditative Zupf-Pizza-Zubereitung". ;-)

@Juliane: Vielen Dank für die lieben Wünsche und ich freu mich, dass Dir der Beitrag gefallen hat! Und, liebe Juliane, ich hoffe ja immernoch, dass wir uns in diesem Leben mal live über den Weg laufen, vielleicht klappt es ja irgendwann. :-)

Jessica hat gesagt…

Woah, Pizza the next Level! Das sieht ja mal richtig, richtig gut aus! Ich wette, wenn man das für seine Freunde macht, ist man (völlig zu recht) der King! Mega gut, sofort als Lesezeichen gesetzt! Danke für das coole Rezept!:)

Netzchen hat gesagt…

hi, schaue oft auf deinem blog vorbei und nun kann ich mich auch wieder outen - war der anonyme Kommentar, du hast mich echt inspiriert und vor allem motiviert einen Blog zu machen. Mir hat dein Blog so gut gefallen das ich mich auch vor Jahren entschlossen habe mit dem Bloggen zu beginnen, dann ist es mir allerdings durch falsche Eigenmotivation zu stressig geworden.

Wie geht es dir? Hoffe du hast nicht all zu viele kleine Übel zur Zeit...Essen kann man manchmal nicht so gut riechen :-)

lg netzchen

Wünsch dir eine schöne Zeit...die Monate soll man genießen danach bist du nicht mehr alleine in der Küche (kann es aus Erfahrung sagen, Nachwuchs ist 10 Monate und immer dabei :-) )

Netzchen hat gesagt…

Hallo liebe Christina,

hoffe es geht dir gut, deine Beiträge fehlen doch schon, aber es geht ja um den Menschen und nicht um die virtuellen Freunde bzw. Kochfreunde und -begeisterte.

Bin gespannt auf deinen ersten Beitrag, da hast du dann wohl viel zu schreiben über Nachwuchs, Umzug und dein "neues" Leben.

Alles Liebe weiterhin &

freue mich schon,

lg netzchen

Christina hat gesagt…

Huhu liebe Netzchen,
ein ganz ganz großes Sorry für die späte Rückmeldung und Freischaltung, ich war eeeewig nicht mehr online! Vielen Dank für Deine lieben Kommentare! Uns geht es gut, ich hoffe Dir auch. :-)
Die letzten Monate waren leider etwas chaotisch (wenn auch natürlich gleichzeitig wegen der Kleinen zauberhaft schön!) - das neue Heim ist nämlich leider so "toll", dass wir noch jetzt im Sommer schon wieder umziehen. ;-)
Ich hoffe, ich komme spätestens dann wieder zum Bloggen!
Viele liebe Grüße
Christina