Manche Geschichten aus der Kindheit vergisst man nie. Eine davon kommt mir immer in den Sinn, wenn ich den Fleischwolf-Aufsatz auf die Küchenmaschine schraube: Das Kind, das am Fleischwolf krepierte. Früher durfte ich jedes Mal, wenn mein Opa den Fleischwolf aus der Speisekammer holte und an der Küchentheke festgeschraubt hatte, die Kurbel betätigen und so einen Beitrag zum sonntäglichen Hackbraten oder zur köstlichen Füllung für die Weihnachtsgans leisten. Mit Argusaugen wurde jedoch darauf geachtet, dass meine Hand sich nicht eine Portion des zu zerfleischenden Guts nahm und sich damit dem dunklen Schlund des Fleischwolfs näherte, aus Angst vor Verletzungen. Um sicher zu gehen, dass ich es auch unter keinen Umständen versuchen würde, erzählte meine Oma, dass im Dorf vor vielen Jahren ein kleines Kind die Finger zu tief in den Fleischwolf gesteckt hatte, so dass dessen ganze Hand zerquetscht und zerschnitten wurde und es schließlich sterben musste. Passend dazu gab es auf dem Friedhof ein kleines Kindergrab, das mir bei dieser Gelegenheit als Fleischwolfgrab vorgestellt wurde. Vor meinem inneren Auge sah ich als Fünfjährige also ein kleines Kind, das kopfüber im Fleischwolf steckte, und Stück für Stück weiter zu Brei gedreht wurde, bis schließlich nur noch die Füßchen oben herausschauten. Gehörig beeindruckt und mit einem Heidenrespekt vor der Stahlmaschine konnte ich nur noch sagen: "Okay Opa, drück du mal das Zeug durch!"
Hier kommt das Rezept für 2 Portionen:
1 Zwiebel
1 Knoblauchzehe
350 g Hühnerbrust ohne Haut, in grobe Stücke geschnitten
1/2 Bund Petersilie
1/2 TL Salz
1 gestr. EL Garam Masala
2 EL Olivenöl
200 ml Kokosmilch
1 EL Tomatenmark
1/4 TL Kurkuma
1/4 TL Salz
2 Kaffir-Limettenblätter
1 EL getrocknete Chilies (je nach Schärfe) und/oder 1 EL Chilifäden
Die Zwiebel schälen und vierteln, Knoblauch abziehen. Zusammen mit der Hühnerbrust durch den Fleischwolf drehen und in einer Schüssel auffangen. Petersilie fein hacken und zu dem Hack in die Schüssel geben. Alles gut mit Garam Masala und Salz verkneten. Nun aus dem Fleischteig kleine Bällchen mit ca. 3 cm Durchmesser formen. Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und die Hühnerbällchen von allen Seiten ca. 10 Minuten anbraten, bis sie gerade gar sind. Man kann ja vorab eines opfern um den Garzustand zu testen. Nun die Kokosmilch angießen, das Tomatenmark sowie Kurkuma und Salz einrühren und die Kaffir-Kimettenblätter und die getrockneten Chilies zugeben. Alles ein paar Minuten köcheln lassen, gegebenenfalls nachwürzen und servieren.
Dazu gab es schlichten Reis. Ich habe fertig abgemischtes Garam Masala aus dem Bioladen genommen, die Würzmischung lässt sich aber auch einfach mit Koriander, Kreuzkümmel, schwarzem Pfeffer, Kardamom und Nelken selbst herstellen, hierfür gibt es viele Rezepturen im Netz. Ach und übrigens: Jahre später habe ich herausgefunden, dass das kleine Kind tatsächlich an einer Blutvergiftung gestorben ist. Ob diese durch den Fleischwolf hervorgerufen wurde bleibt jedoch bis heute ein Geheimnis.






