Montag, 3. Februar 2014

Croutons selber machen: Vom Frühstücksrest zum quadratischen Knusperhäppchen

Das ist heute ein zugegeben vielleicht etwas enthusiastisch anmutendes Plädoyer für eine Erscheinung, die ob ihrer Einfachheit und gleichzeitig imposanten Fähigkeit zur Mundgefühl-Optimierung in meinen Augen jedoch vorbehaltlos einen Beitrag verdient. Voilà: Der gemeine Crouton.

Croutons selber machen

Ob im Salat, als Suppeneinlage oder als rustikale Knabberei zum Wein, Croutons sind für mich in vielerlei Hinsicht das i-Tüpfelchen. Und, ähnlich wie bei Kräuterbutter, verstehe ich nicht, warum man dafür Geld ausgeben sollte, wenn man die Zutaten doch meistens ohnehin zuhause hat und die knusprigen Croutons ruckzuck selber machen kann.
Ich liebe gutes Brot – und dementsprechend kenne ich das Problem, dass oft ein paar Scheibchen übrig bleiben. Machen wir doch zunächst mal eine Bestandsaufnahme, was man grundsätzlich mit altem Brot alles machen kann:

1.) Das alte Brot richtig schön hart werden lassen, fein shreddern und als Paniermehl verwenden.
2.) Ihr nehmt euer altes, eingeweichtes Brot für Semmelknödel oder als Füllung für den köstlichen Sonntagsbraten.
3.) Habt ihr oder Bekannte von euch Tiere, die Brot mögen? Dann verfüttern (aber Achtung, nicht jedes Tier verträgt jedes Brot, vor allem Nager sind oft empfindlich ... ich hätte hier aber noch ein paar selbstgemachte Meerschweinchen-Leckerlies im Sortiment).
4.) Ihr könnt euer altes Brot bei Ebay versteigern. Davor empfiehlt es sich, das Brot kurz anzutoasten und das Dunkle an ein paar Stellen kunstvoll abzukratzen. Dann braucht ihr nur noch eine gute Story und einen prominenten Namen und fertig (sollte allerdings urplötzlich das Gesicht von Johnny Depp o.ä. auf eurem alten Brot auftauchen, gebt mir doch noch mal Bescheid, dann, äh, können wir das vielleicht auch unter der Hand regeln ... ;-))
5.) Ihr verpasst dem Brot eine süße Beilage und kredenzt Arme Ritter oder Ofenschlupfer.
6.) ... oder es gibt eben Croutons! Juhu!

Laut Duden ist der Crouton ein „kleines, in Fett gebackenes, dreieckig oder würfelförmig geschnittenes Stück Weißbrot“. So weit so gut. Allerdings: Croutons könnt ihr natürlich aus nahezu jedem Brot selbst machen. In Kombination mit verschiedenen Ölen, Salz, Kräutern und Gewürzen bieten sich schier unendliche Kombinationsmöglichkeiten. Die Ruckzuck-Croutons mit Olivenöl und Salz für Salate, Schwarzbrotcroutons als deftige Suppeneinlage oder Croutons aus Sauerteigbrot mit Chili und einem Hauch Essig als süchtigmachende Knabberei.

Ein Rezept für selbstgemachte Croutons ist dabei eigentlich kaum nötig: Ihr schneidet einfach eure Brotreste in kleine Würfelchen, erhitzt etwas Öl in der Pfanne und röstet die Brotwürfel bei mittlerer Hitze, bis sie schön goldbraun sind. Etwas Salz oder Gewürze nach eurer Wahl drüberstreuen und ta-daaah, schon sind sie einsatzbereit.

Hier habe ich meine derzeitigen Favoriten für euch: Einmal in weiß mit Essig zum Knabbern oder für euren Salat und einmal die dunkle Variante mit Sumach als deftige Suppeneinlage.

selbstgemachte Croutons

Für die hellen Croutons würfelt ihr 5 Scheiben altes Baguette, erhitzt 3 EL Olivenöl und röstet die Brotwürfel dann langsam in der Pfanne an. Wenn sie bereits etwas Farbe genommen haben, gebt ihr einen guten EL süßlichen Rotweinessig dazu (es soll zischen!) und rührt dabei gut um. Dann etwas Salz und frisch gemahlenen schwarzen Pfeffer drübergeben. Als Knabberei schmecken die Croutons noch ein bisschen köstlicher, wenn sie noch warm serviert werden. Abgekühlt und luftdicht verpackt, halten sie auch ein paar Tage und ihr könnt immer wieder ein paar für euren Salat abzwacken.

Für die dunklen Croutons würfelt ihr 2 Scheiben altbackenes Schwarzbrot, erhitzt 2 EL neutrales Öl und röstet die Brotwürfel ebenfalls langsam an. Kurz bevor sie fertig sind, gebt ihr Sumach und etwas Salz dazu. Dann lasst sie kurz ein bisschen abkühlen, bis sie erhärten. Im Unterschied zu Croutons aus Weißbrot, die lange knusprig bleiben, werden die Schwarzbrot-Croutons wieder weich, wenn ihr sie lagert. Sie sollten also direkt ins Süppchen (oder wohin ihr sie eben haben wollt) wandern. 

Wenn ihr kein zusätzliches Fett verwenden möchtet, könnt ihr die Croutons auch im heißen Ofen 10-15 Minuten rösten.

Übrigens: Wer dieses wunderschöne Video von Kinfolk in den letzten Jahren noch nicht gesehen hat, dem lege ich es hier erneut wärmstens ans Herz, denn ich habe bisher kaum eine schönere Hommage ans Brot backen gesehen, als diese hier. Und ein gutes Brot ist immerhin die Mutter aller Croutons. ;-)


Habt eine schöne Woche und bis bald.

Kommentare:

Doris M. hat gesagt…

Ein wunderbares Video - auch einige andere habe ich mir angeschaut, ganz toll!
Habe noch nie davon gehört oder gelesen - Danke für den Hinweis!
Und Croutons sind wirklich die Krönung jeder Suppe - ich liebe sie mit Knoblauch gebraten und ich kann auch nicht verstehen, wer so etwas kauft ;O)

pimpimella hat gesagt…

Gestern gab es bei uns Salat mit Croûtons, ich liebe die kleinen Scheisserchen! Und Deine Posts auch, immer wieder :-D
Mein Bruder hat mal einen Ottifanten aus Brot gebissen, aus Versehen, wir haben uns kaputtgelacht.

Theresa hat gesagt…

... die Mutter aller Croutons ;) wie schön, deine Ode an dieses kleine Knusperglück und auch das Video. Ich kann Croutons auch ständig zu allem essen, am liebsten aber zu Suppe und in Thüringer Klößen! Merci und liebe Grüße, Theresa

clubzimmer hat gesagt…

... und ich war bislang immer etwas peinlich berührt, dass bei so manchem meiner Rezepte mehr Croutons als alles andere zu sehen sind - doch nun stehe ich auch zu meiner Knusperleidenschaft!