Dienstag, 13. September 2011

Die etwas größere Praline: Schokoladenkuchen mit Walnüssen und Grand Marnier

Zur Zeit plane ich ein einfaches Buffet für ein kleines Fest, das ohne großen Zeitaufwand erstellt werden kann und trotzdem für jeden Geschmack ein bisschen was beinhaltet. Wenn man normalerweise nur für zwei Personen kocht, ist das gar nicht so einfach, finde ich. Meist neige ich nämlich dazu viiiel zu viel zu machen - was ich allerdings besser finde als zu wenig, denn Reste lassen sich ja am nächsten Tag noch essen, man kann sie den Gästen mitgeben oder vielleicht sogar einen Teil eingefrieren. Und was gäbe es Schlimmeres als hungrige Gäste, wenn das Buffet bereits nach dem ersten Gang vollständig abgegrast ist? Na ok, wahrscheinlich durstige Gäste, aber diesbezüglich habe ich schon längst vorgesorgt, das ist natüüürlich selbstredend. ;-) Jedenfalls habe ich bezüglich der deftigen Häppchen schon ein größeres Repertoire, auf das ich zurückgreifen kann, für das Dessert wollte ich aber mal etwas Neues ausprobieren. Vor einiger Zeit habe ich selbst bei einem Buffet mal einen unverschämt schokoladigen Kuchen gegessen, an dessen Rezept ich mich aber nicht mehr erinnern kann. Ohne Mehl und ohne Backen, das weiß ich noch, und er ist im Mund geschmolzen, man hatte aber trotzdem was zu knuspern. Mit Hilfe von Kochbüchern und dem Internet ist zum Glück schnell eine viel versprechende Alternative zusammengebastelt, an die ich noch einen Schuss Grand Marnier gegeben habe, weil ich einen leichten Orangengeschmack bei dunkler Schokolade so gerne mag. Treffer!


Hier kommt das Rezept für eine Springform von 28cm:
250 g Bitterschokolade, grob gehackt
250 g Butter
250 g Butterkekse (ich habe Vollkornbutterkekse genommen, ich mag sie ein bisschen lieber)
2 superfrische Eier
4 EL Rohrohrzucker
150 g Walnusshälften
5 EL Grand Marnier (wenn Kinder mitessen und man mag auf Orangengeschmack nicht verzichten, einfach durch Saft und geriebene Orangenschale ersetzen)
Außerdem: Backpapier zum Auskleiden der Form

Schokolade und Butter in einer Schüssel im heißen Wasserbad schmelzen und gut miteinander verrühren. Wenn alles aufgelöst ist, beiseite stellen und abkühlen lassen. Die Kekse grob hacken. Walnüsse in einer Pfanne ohne Fett kurz anrösten.
Mit dem Handrührer Eier und Zucker miteinander auf höchster Stufe ca. 5 Minuten verrühren, die Masse soll etwas andicken. Die Schokoladenbutter mit einem Kochlöffel unterrühren. 100 g Walnüsse grob hacken und zusammen mit dem Grand Marnier und den Keksen unterheben. Den Boden der Springform mit Backpapier auskleiden (Ich lege dafür einen Bogen Backpapier auf den Formboden, drücke den Springformrand darauf und schließe ihn. Dann ist das Backpapier eingeklemmt und nichts kann verrutschen. Dann einfach das überhängende Papier abschneiden.) und den Teig in die Form geben. Glattstreichen und mit den restlichen Walnusshälften dekorieren. Die Form mit Folie abdecken und mindestens 5 Stunden kalt stellen, damit alles fest wird. Den Kuchen in schmale Stücke schneiden und servieren. 


Der Kuchen ist wirklich ruckzuck gemacht und kann auch schon am Vortag zubereitet werden. Bei einem ganzen Päckchen Butter und einer nicht unbedingt kleinen Menge an Schokolade lässt sich nicht abstreiten, dass es der Kuchen durchaus in sich hat. Für das Buffet schneide ich ihn in ganz schmale Scheiben, vielleicht sogar in kleine Würfel, dann kann man die Dosis für den persönlichen Schokoladen-Schock ganz einfach selbst bestimmen.

Mittwoch, 7. September 2011

Viele Löffel voller Gemütlichkeit: Lammtopf mit Kichererbsen und Linsen

Es wird immer herbstlicher da draußen, findet ihr nicht? Für mich ist es jedenfalls an der Zeit, das Strickjackenabteil des Kleiderschranks wieder mal genauer anzuschauen und nachts nicht mehr sämtliche Fenster offen zu lassen. Brrrr! Aber es ist doch eine wunderbare Einrichtung der Natur, dass just in diesen Tagen auch wieder meine Lust auf wärmende Eintöpfe und Schmorgerichte erwacht. Gestern gab es einen feinen Lammtopf, der eher aus einer Not heraus entstanden ist. Ich habe nämlich zum ersten Mal selbst einen Lammnacken ausgelöst und ehrlich, seitdem könnte ich glaube ich in jedem Horrorfilm als Bösewicht mitspielen. Was für ein Gemetzel, ich bin froh, dass ich noch alle Finger habe! Es hat Ewigkeiten gedauert, ich bin fast wahnsinnig geworden und am Ende gab es einen riesenhaften Berg Fett und Sehnen, einen Knochen und ein mickriges Häufchen fein marmoriertes Lammfleisch, das definitiv zu wenig für einen Alleingang war. Wahrscheinlich habe ich irgendwas falsch gemacht, aber diese schönen, zarten Fleischpartien haben sich wie verhext besonders fest am Knochen festgekrallt. Das nächste Mal bitte ich wohl lieber wieder meinen Metzger, das Auslösen für mich zu erledigen, und beschränke mich auf´s Kochen. Den Knochen kann man sich für die Herstellung eines Lammfonds ja trotzdem einpacken lassen. 


Hier kommt das Rezept für 2 Personen: 
2 EL Olivenöl 
1 Zwiebel, gehackt 
1 Stange Sellerie, gewürfelt 
1 Karotte, gewürfelt 
2 Knoblauchzehen, fein gehackt 
1 TL Kreuzkümmel, gemahlen 
300 g Lammfleisch (meins war aus dem Nacken, das ist gut zum schmoren) 
1 TL Kurkuma, gemahlen 
1 TL Paprikapulver 
½ TL Cayenne-Pfeffer 
1 Prise Zimt 
½ TL Zucker 
1 Lorbeerblatt 
1 EL Tomatenmark 
600 ml Lammbrühe (geht auch mit Gemüsebrühe) 
200 g Kichererbsen (über Nacht eingeweicht und nach Packungsanweisung gegart oder aus der Dose) 
100 g Linsen 
1 Dose stückige Tomaten, abgetropft 
Salz 
eine Handvoll Petersilie, gehackt 
Fladenbrot zum Servieren

Öl in einem großen Topf erhitzen. Zwiebeln, Sellerie und Möhren darin andünsten und leicht anbräunen. Knoblauch, Kreuzkümmel und Lamm dazugeben und mitbraten. Gewürze, Zucker, Lorbeerblatt und Tomatenmark unterrühren und die Brühe angießen. Ca. 1 Stunde zugedeckt köcheln. 
Tomaten, Kichererbsen und Linsen dazu geben und weitere 30 Minuten kochen, bis die Linsen gar sind. Kräftig mit Salz abschmecken und die gehackte Petersilie unterrühren (dabei etwas zur Garnitur aufheben). Mit frischem Fladenbrot servieren. 



Das hat so schön deftig und gemütlich geschmeckt, jetzt kann der Herbst von mir aus kommen. Ich kann mir bei diesem Gericht übrigens auch eine vegetarische Variante sehr gut vorstellen, dann eben die Lammbrühe durch Gemüsebrühe ersetzen. Ein schnelles Rezept für Fladenbrot findet ihr übrigens am Ende dieses Beitrags. 

Freitag, 2. September 2011

Superrenner auch für Pferdemädchen: Paules Schuedi mit Mirabellen und Mohnbutter


Gestern habe ich einen sonnigen Tag in Frankfurt verbracht und neben einem ausgiebigen Bummelzug durch die Lieblingsgeschäfte in erster Linie meine lieben ehemaligen Arbeitskolleginnen- und Kollegen besucht. Mit im Gepäck: Paules Schuedi (Pardon, Paules Großmutters Schuedi), der in den letzten Wochen die Runde durch so einige Foodblogs gemacht hat. Hier, hier, dort und da wurde das Original schon nachgebacken und gelobt, und ich hätte mich nahtlos eingereiht, wäre nicht die Version mit Mirabellen und Mohnbutter dazwischen gekommen. Zwar backt meine Oma keinen Schuedi, aber zumindest habe ich was Mirabellen betrifft eine schöne Kindheitserinnerung: Schon immer gab es in unserer Familie Pferde und Ponies und ich wurde zu meiner größten Freude direkt vom Buggy auf den Pferderücken verpflanzt. Mein Cousin und ich waren quasi die Hunnen in Miniatur und wir ritten furchtlos, ohne Helm und ohne Sattel, dafür in Turnschuhen mit Klettverschluss und einfachen, ans Halfter angeknoteten Stricken als Zügel durch das Dorf und die angrenzenden Felder. Nichts und niemand konnte uns stoppen, außer eine: Mirabelle! Eine mirakulöse Erscheinung in Form einer großen, strahlend schönen Schimmelstute, die mit vornehm gebogenem Kopf und erhobenem Schweif ihre Reiterin, die damalige Dorfschönheit (im Gegensatz zu uns natürlich mit blank polierten Lederstiefeln und Reithandschuhen), durch die Gegend trug. Mirabelle wurde natürlich französisch ausgesprochen, was die Noblesse des schneeweißen Traumpferdes für uns noch verstärkte, und jedes Mal, wenn wir auf unseren Streifzügen auf das schöne Paar stießen, zügelten wir unsere Zottelponies (die übrigens Missi und Futzi hießen, auch schön, oder? ... na jetzt kommt!!!) und warteten mit aufgesperrten, kaugummiverklebten Mündern, bis die 1-Pferd-1-Frau-Prozession an uns vorüber gezogen war. Hach! Da bekomme ich jetzt noch ein bisschen Gänsehaut. ;-)
Jedenfalls liebe ich Mirabellen bis heute und so konnte ich bei dem Schuedi mit Mirabellen und Mohnbutter nicht widerstehen. 


Hier kommt das Rezept von Paules Ki(t)chen (dort gibt es in den nächsten Wochen eine ganze Schuedi-Reihe, also liebe Leserinnen und Leser, watch out!):

Zutaten für den Teig (wenn möglich zimmertemperiert):
350 g Mehl Type 550
160 g Milch
20 g Frischhefe
50 g Butter
30 g Rohrohrzucker
1 Ei
1 Teelöffel Salz

Für den Belag:
15 g Mohn, ganz oder gemahlen
+/- 400 g Mirabellen
80 g sehr weiche Butter
2 Esslöffel Rohrohrzucker
Abrieb von 1 Zitrone
Puderzucker zum Bestäuben

Hefe in 3 Esslöffel Milch auflösen und beiseite stellen. Restliche Milch, Butter und Zucker erhitzen, bis die Butter geschmolzen ist. Auf mindestens 38°C abkühlen lassen, sonst sterben die Hefekulturen ab. Mehl in die Rührschüssel der Küchenmaschine geben. Milchmischung hinzugeben, sowie Ei und aufgelöste Hefe. Alles 4 Minuten auf Stufe 1 (von 4) kneten. Salz hinzugeben und auf Stufe 2 weitere 8 Minuten kneten. Zugedeckt 40 Minuten ruhen lassen. Backform buttern und mehlieren oder mit Backpapier auskleiden. Den Teig kurz entgasen, rund formen und mit den Händen in die Form drücken. Zugedeckt ca. 40 Minuten gehen lassen.
Backofen rechtzeitig auf 180°C Ober-/Unterhitze vorheizen. In der Zwischenzeit Mohn in einer Pfanne ohne Fett rösten, bis er anfängt zu duften. Abkühlen lassen. Mirabellen, waschen, trocknen und entsteinen. Butter, Mohn, Zucker und Zitronenabrieb mit einem Schneebesen gut verrühren. Mit dem Daumen dicht nebeneinander Vertiefungen in den Teig drücken. Buttermohnmischung mit einem kleinen Löffel in die Löcher verteilen und entsteinte Mirabellen reindrücken. In den Backofen geben und ca. 24 Minuten backen. Durch den saftigen Belag braucht er etwas länger. Abkühlen lassen und mit Puderzucker bestäuben. Schmeckt auch noch am zweiten Tag und bei sommerlichen Temperaturen Reste kühl aufbewahren.


Kleine Anmerkung von mir: Ich habe vergessen die Butter rechtzeitig rauszustellen und war dann so ungeduldig, dass ich die Butter für die Mohnmischung in einem kleinen Töpfchen geschmolzen habe. Das war dann natürlich etwas sehr weich und wahrscheinlich musste ich deswegen die Backzeit um 15 Minuten erhöhen, auf insgesamt knapp 40 Minuten. Und ich habe eine runde Form genommen.
Der Schuedi war wirklich sehr lecker und kam bei allen gut an, vielen Dank für das schöne Rezept, Paule! 


Zum Schluss möchte ich mich ganz dolle bei allen Leserinnen und Lesern bedanken, die beim Brigitte-Foodblog-Award für mich gestimmt haben! Ich bin eine Runde weiter und freue mich, auch darüber, dass so viele nette neue Leute hier gelandet sind. Deshalb an dieser Stelle auch ein herzliches Willkommen an alle, schön, dass ihr hier seid, ich hoffe, ihr habt ein bisschen Spaß und findet ein paar Anregungen! 
Die Abstimmung wurde leider auch von Mehrfachvotings und einigen unsportlichen Kommentaren überschattet. Das ist sehr ungerecht allen beteiligten Blogs und denen gegenüber, die fair abgestimmt haben. Dass Brigitte im Rahmen der Abstimmung ein Auge auf die Votings hat und im Nachhinein entsprechend korrigierend eingreift, beruhigt. Ich lasse mir den Spaß am Kochen und Bloggen und die Freude darüber, dass doch ein paar Menschen gerne meinen Blog lesen, von solchen Trollen jedenfalls nicht vermiesen. Und für alle, die das auch schon wieder in Wallung bringt, hier der ultimative Ratschlag: Keep calm and call Batman! :-)


... noch ein paar Mirabellen übrig? Dann kann ich euch meine Mirabellenmarmelade mit Kokoslikör wärmstens empfehlen (und den Zwetschgenkuchen natürlich auch ;-)).